Macken

Ein guter Freund von mir hat sich neulich köstlich darüber amüsiert, als ich ihm meinen Testbogen für potenzielle Kandidaten erklärt habe. Also für zukünftige Freunde/Lebensgefährten/mein Mann, wie auch immer frau das nennt. Sobald man nicht mehr im Teeniealter und nicht (mehr) verheiratet ist, finde ich schon die Wortwahl schwierig. Da stehst Du mal wieder im Kleinen Schwarzen auf einer Vernissage neben Frau Merkel oder Herrn Gauck und stellst Deinen Freund vor. Nee. Geht gar nicht.

Aber zurück zum Thema: ich bin da nicht die einzige, die so einen Bogen in der Handtasche hat. Nicht im Kopf, besser ist, man schreibt es auf, dann kann man zwischendurch mal heimlich draufgucken. Nachher vergisst man im Eifer des Gefechtes noch etwas Wesentliches und schon hat man den Salat. Das Leben ist kurz, da muss man irgendwann schon mal einen Plan haben, an den man sich halten kann, sonst küsst man noch Frösche und hat schon Algen am Mund, wenn der Oberbürgermeister zu den Geburtstagen vorbeikommt. Bei uns ab dem 90.

Meine Freundin Anne zum Beispiel, bei der steht an erster Stelle, dass der Typ die Schuhe ausziehen muss. Ihr letzter hatte ausschließlich kaputte Socken . Er fand das praktisch, vor allem im Winter, er hat sich immer die Zehennägel geschnitten und dabei die Socken anbehalten. Eva hingegen wird sich keinen Hundehalter mehr anlachen, nachdem Hektor, die dänische Dogge von Ralf, sich auf ihren Hamster Snoopy gesetzt hat. Er meinte es gar nicht böse, aber trotzdem schön war das nicht. Snoopy hat jetzt ein neues Leben als IPhone-Hülle bei Eva, aber es ist doch schon anders als vorher.

Stefanie hat keine Lust mehr auf Verbandelte, egal, was sie über ihre Beziehung erzählen, seit neulich die Ehefrau von Mike mit einer Schrotflinte im Garten stand, und Sabine verlässt sofort das Lokal, sobald herauskommt, dass die Kinder des Gegenübers jedes 2. Wochenende zu Besuch sind. Ich finde ja, sie stellt sich etwas an nur, weil die 5-jährige von Markus neulich mitten während eines Schäferstündchens ins Schlafzimmer platzte und gebrüllt hat: Mama ist aber viel dünner!!!!! Sabine war schon immer etwas sensibel, aber wat dem een sin uhl, ist halt dem andern sin Nachtigall.

Ingrid nimmt seit dem Vorfall auf der Kreuzung keinen mehr mit Rot-Grün-Blindheit, und Sandra würde nie wieder etwas mit einem Angler anfangen. Erst fand sie es ja ganz romantisch, ihn zu begleiten, aber sie konnten nach diesem einen Freitag die Fliege nur partiell entfernen, so dass sie jetzt ein sehr exotisches Piercing in der Unterlippe trägt.

Jutta kommt kein Peruaner mehr über die Schwelle. Sie hatte letzten Monat gerade die Meerschweinchen in der Wohnung abgestellt, die sie für eine Woche von Jörg zur Pflege übernommen hatte. Bacon und Egg hießen die kleinen Racker. Dann ging sie nochmal kurz zum Einkaufen. Bei ihrer Rückkehr stand Antonio, ihre peruanische Eroberung, in der Küche und strahlte vor Glückseligkeit, weil sie so einfühlsam gewesen war, ihm in der norddeutschen Fremde ein Stück Heimat zu ermöglichen und die Hauptzutat für sein Leibgericht in den Flur zu stellen. Als er sie überschwenglich umarmen wollte, hatte er noch den kleinen, inzwischen nackten Bacon in der linken Hand. Egg war bereits mit Kräutern gefüllt und lag gewürzt auf dem Blech. Jutta muss sich immer noch übergeben, wenn sie ein Meerschwein quieken hört, und Jörg glaubt bis heute, Bacon und Egg seien beide plötzlich und friedlich im Schlaf gestorben. RIP.

Ich selber habe ja, wie erwähnt, auch einige Problemfelder, die beim Date abgearbeitet werden. Neben den üblichen Fragen nach Zeugungsfähigkeit, Unterhaltsverpflichtungen, Religion, Beruf, Seepferdchen, Besitztümern, Einkommen, ehelichen und nichtehelichen Kindern, Haustieren, Musikgeschmack, Abstammung, täglichen Hygienevorkehrungen, Essgewohnheiten und sexuellen Vorlieben, die wichtige Frage nach dem Schnarchen und einer Kontrolle des Gebisses, der Hände und Füße und einem Blick in den Nacken, ob verräterische Locken aus dem Hemdkragen nach oben wuchern, gibt es einen kurzen Abstecher zu meinen Eltern. In der Zeit kann meine Freundin den Ausweis checken, den ich aus der Hosentasche entwendet und auf dem Klo übergeben habe. Das Gesundheitszeugnis darf beim 2. Treffen nachgereicht werden, das würde ich kleinlich finden. Das allerdings findet ausnahmlos bei Madame Folie statt, meiner Wahrsagerin. Da gibt es kein Drumherum, wer kauft denn schon die Katze im Sack.

Mitglieder von Rockerclubs scheiden für mich ebenso grundsätzlich aus wie Priester und Vegetarier. Die sind mir alle zu extrem, da habe ich meine Erfahrungen. Gut, nun ist es zu spät, aber würde mein Bruder nochmal heiraten, würde ich mich nicht erweichen lassen und die Harley müsste VOR der Kirche bleiben. Die Flecken auf dem Teppich vom Einbrennen des Motors im heimischen Wohnzimmer ließen sich auch nicht gut entfernen. Die Sache mit dem Priester, Gott, diese ewige Beterei vor, während und nach egal was, war mir denn doch etwas zu viel, Sabine hat mich nur noch Maria genannt, und was passiert ist, als Mario, der Lacto-Vegetarier, den Blutballen im Kühlschrank vorgefunden hat, das möchte ich hier gar nicht schildern. Nur soviel, es war nicht leicht, ihn in den RTW zu bekommen.

Ich möchte nicht verhehlen, dass ich selber natürlich auch einige Macken habe. Wobei, diese Geschichte mit dem Geflügelfleisch, da kann ich ja eigentlich gar nichts für. Das ist auch erst seit dem Verkehrsunfall so. Der mit diesem Hühnerlaster. Seitdem bekomme ich, sobald ich irgendwo Geflügelfleisch sehe oder rieche, eine Panikattacke und dissoziiere. Aber nur zuhause, bei Freunden, auf der Arbeit, im Restaurant oder draußen. Ich schwöre. Es dauert auch nur solange, bis nichts mehr von dem Trigger in meinem Sicht- oder Geruchsfeld ist, und ich bleibe dabei auch mit meiner Außenwelt verbunden. Wenn ich merke, dass es passiert, pfeife ich auf der Trillerpfeife, die ich stets um den Hals habe, den Rhythmus der Marseillaise, damit meine Begleitung Bescheid weiß. Es waren französische Perlhühner.

Den Micha, den hat es ziemlich genervt, dass ich nur essen kann, wenn ich vorher fünfmal den Tisch umrundet habe. Aber das ist gut für meine Aura, sagt meine Heilpraktikerin. Wer das nicht versteht, ok, der passt sowieso nicht zu uns. Also, mir und Zerberus. Das ist mein Schutzengel, und er bekommt auch immer ein Gedeck. Micha hat das aggressiv gemacht, ich konnte das gar nicht nachvollziehen.

Naja, und dann ist da noch das mit der Nase, aber meine Mutter sagt, das haben alle Glombs und deshalb müsste ich davon auch freiwillig nichts erzählen. Er könne ja schließlich selbst dahinter kommen. Dann ist ja alles gut. 🙂

Ich wünsche Euch einen kuscheligen Abend mit Euren Liebsten,
Eure Kitty

Wildwuchs

In dem Haus, in dem ich wohne, gibt es einen Hausmeister. Oder, genauer gesagt, ein Hausmeisterehepaar, wie in den guten alten Zeiten. Stefanie und Michael Fix, und sie haben auch zwei entzückende Kinder. Den Gordon- Batman und die Shakira-Diana, wenn ich das richtig verstehe, wenn Frau Fix durch das Treppenhaus ruft. Diana, nicht wie die Göttin der Jagd, sondern die Königin der Herzen. Mit langem eeeiiiii und noch längerem âääääääääääää. Wenn es schnell gehen muss, Schacki.

Die Fixens sind für Ordnung im und um‘s Haus zuständig. Während Frau Fix allenthalben das Treppenhaus fegt und auch die Straße, den Müll nach vorne rollt und den Schnee schippt, hat Herr Fix den wirklich stressigen Job. Zu jeder erdenklichen Tages- und Nachtzeit kann man ihn beobachten, wie er Farbtöpfe ins und aus dem Auto lädt, damit weg- oder heranfährt, und trotzdem hat er immer noch ein freundliches Moin über, wenn man ihm dankbar zuwinkt. Wir sind wirklich gut aufgehoben bei den Fixens. Was er mit den Töpfen macht, konnte ich bisher nicht herausfinden, aber das wird schon seine Richtigkeit haben, zumal er auch den ganzen Tag Arbeitskleidung trägt. Außerdem mäht er.

Shakira-Deiäna und Gordon-Batman helfen auch mit; sie tragen zum Beispiel die Familieneinkäufe nach oben, um die Eltern zu entlasten. Die Chipstüte, oder neulich habe ich auch mal gesehen, dass G.-B. eine ganze Colaflasche alleine trug. Ab und zu spielen sie auch Tischtennis unter meinem Balkon. So schön, dass die Jugend nicht nur vor dem Bildschirm sitzt. Außerdem besitze ich inzwischen eine erkleckliche Anzahl an Tischtennisbällen. Sollen sie doch besser aufpassen; wenn sie klingeln, weil mal wieder ein Geschoss auf meinem Balkon gelandet ist, stelle ich mich taub. Mein Kater freut sich immer über neues Spielzeug.

Was ich aber eigentlich erzählen wollte, ist, dass seit einiger Zeit kein Fix mehr zu sehen ist. Erst habe ich mir keine Gedanken gemacht, in so einem großen Haus läuft man sich ja nicht ständig über den Weg, aber inzwischen kommt es mir doch etwas seltsam vor. Es fing damit an, dass die Haustür nicht mehr so richtig aufging. Da lagen mittlerweile drei Ausgaben des Sonntagsblättchens hinter, jeweils in 10facher Ausführung. Habe ich erstmal mit dem Fuß weggeschoben. Alles muss man selber machen. Lotterei.

Richtig misstrauisch bin ich geworden, als heute Morgen ein Eichhörnchen auf meinem Balkon erschien. Es war an der Hortensie hochgeklettert und putzte sich niedlich. Ich muss dazu sagen, dass sich meine Balkonmauer ca. 3,50 m über dem Erdboden befindet. Theo, mein Kater, hat die Gelegenheit genutzt und sich im stage diving – style in die wogenden Grasfelder geworfen. Er liegt immer noch oben drauf und schaukelt im Wind.

Da ich sowieso den Müll wegbringen wollte, bin ich runter in den Garten. Also, dahin, wo mal der Garten war. Meterhohe Gräser schlugen mir entgegen, eine Kriechpflanze ringelte sich um meine Füße, und ich bin mir sicher, einige seltene Orchideen im Dschungel gesehen zu haben. Auf halbem Weg habe ich einen Affen keckern gehört. Ich habe die Mülltonnen dann auch gefunden, nachdem ich mir mit der Axt von Herrn Fix eine Bresche geschlagen hatte. Es war etwas schwierig, weil sich ständig dieser Papagei darauf niederlassen wollte. Den Müll habe ich dann aber doch lieber wieder mit in den Keller genommen, weil es aus der Tonne so komisch knurrte.

Ich vermute einfach, die Fixens streiken. Ich meine, wo doch jetzt alle streiken. Die Erzieher, die Lokführer, die Postboten, die Saftschubsen, und nun sogar noch die Tänzer vom Berliner Staatballett. Da muss man ja schon entweder ein schlechtes Gewissen haben, wenn man einfach weiter ohne jedes Aufmucken den Rasen mäht, oder sich diskriminiert fühlen, weil man nicht mitmachen darf. Wer was auf sich hält, ist schließlich unterbezahlt. Kann man sich doch nicht sagen lassen.

Also, da habe ich wirklich Verständnis. Auch, wenn der Rasenmäher von Herrn Fix eh nur für maximal 5 m² ausgelegt ist, der Garten aber mindestens 400 m² hat. Das wird eine Mähorgie, wenn er das beseitigen muss.

Ich hoffe, dass er bei der Gelegenheit dann auch Maya, die 3-jährige Enkeltochter von den Müllers im 2., wiederfindet. Wie man hört, ist sie seit einigen Wochen im Dickicht verschollen und wird von Wölfen großgezogen.

Ich werde jetzt mal versuchen, Theo auf den Balkon zu locken, bevor ihn die Python findet. Solltet Ihr nicht in spätestens 10 Tagen wieder von mir hören, schickt einen Suchtrupp, mit Machete.

Eure Dschungelkönigin Kitty

Miesepeter Schmoll

Miesepeter Schmoll kann im Grunde gar nichts dafür. In seiner stetig wachsenden Familie wird das Motz-Gen dominant vererbt. Und so ist es auch kein Wunder, dass Stiesel Schmoll und seine Frau Zimtzicke, geborene Zeter, nicht gerade süße, kleine Optimisten in die Welt gesetzt haben.

Wie in jeder anderen Familie auch, sind die Abkömmlinge aber, trotz ähnlicher Chromosomenbasis, alle etwas unterschiedlich.

Während zum Beispiel seine große Schwester Heulsuse permanent den Jammerlappen braucht, die kleine Spaßbremse jede Party sprengt und Pessi-Mist, Cousin mütterlicherseits, bereits den einen oder anderen Weltuntergang vorbereitet hat (er telefoniert viel mit Onkel Nostradamus), geht Miesepeter eher in die Richtung seines Bruders Stimmungskiller Schmoll. Er hat sich auf Vergnügungs- und Veranstaltungssabotage spezialisiert.

Inzwischen haben Forscher die Familie entdeckt und angefangen, sie wissenschaftlich unter die Lupe zu nehmen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich aus der Sache irgendwann mal mächtig Profit schlagen lässt. Bereits jetzt ist es so, dass die Schmolls durch ihr auffälliges und oftmals anstößiges Verhalten erhebliche Aufmerksamkeit sich ziehen. Das könnten sich Militärs in aller Welt zu Nutze machen. Die Entwicklung einer Schmollwaffe könnte ein Geniestreich werden – bei taktisch geschickter Verteilung könnte sie ganze Nationen lahm legen, ohne dass es zu Verletzten kommt. Wenn man von einer Depressionswelle absieht.

Die Aufenthaltsorte der Familienmitglieder sind bekannt. Bei bestimmten Konstellationen wird ein Spezialteam zur Analyse geschickt. Zur Veranschaulichung ein Paradebeispiel: heute hat in unserer Stadt eine große Marathonveranstaltung stattgefunden, die sich wachsender Beliebtheit erfreut und viele Menschen anzieht. Nicht nur aktive Sportler, sondern auch deren Familien, Freunde und andere interessierte Besucher. Damit die Sportler sich angefeuert fühlen und die Massen auch mitbekommen, was los ist, werden die Läufe natürlich kommentiert. Per Mikro. Und DA schlägt Miesepeters Stunde. Dieser Lärm, dieser Krach, diese Menschen, und das zwei Tage lang. Da kann man doch wirklich seinen Fernseher kaum noch verstehen, und können die nicht einfach ohne Krach rennen? Das grenzt an Anwohnermobbing. Dann auch noch diese Straßensperren. Genau 23,72 Meter Umweg zum Bäcker. Eine Zumutung.

Glückes Geschick, muss Miesepeter seit ein paar Jahren nicht mal mehr loslaufen und den Leserbrief beim örtlichen Blatt einwerfen. Alle Schmolls sind große Verfechter von social media, denn so kann man nicht nur in Echtzeit seinen Unmut kundtun, sondern auch gleich noch gegen die Schmollgegner wettern, die sich unweigerlich zu Wort melden. Schlaraffenland.

Je mehr Gegner, umso wohler fühlt sich ein Schmoll; fast schon so etwas wie eine selbsterfüllende Prophezeiung (Probeheizung wäre bei diesem ‚Sommer‘ auch gar nicht schlecht… ups. Ich hoffe, ich habe mir jetzt keinen Meckervirus eingefangen. 😉 ).Er suhlt sich in der Gegenwehr, räkelt sich in der Sonne der Gegenargumente und des Unverständnisses (‚Ja, genauso ist das immer, die Welt ist gemein und keiner versteht mich; aber die werden alle noch ihr blaues Wunder erleben!‘) und fühlt sich wie ein Ritter in rostiger Rüstung, immer bereit, mit seinem schartigen Schwert ein paar zaghaft blühende Blümchen abzuschlagen.

Besagte Forscher haben allerdings herausgefunden, dass dieser Einfluss auch in der Umkehrung funktioniert. Das Ignorieren von Schmollschen Äußerungen, so zeigen erste Versuchsreihen, führt zu einer deutlich messbaren Herabsetzung von freiwerdender negativer Energie. Und der Vermehrungsrate.

Vielleicht sollten wir das mal testen, bevor die Petition gegen das laute Absingen von Kinderliedern bei Bummelaterne-Umzügen rausgeht.

Optimistische Grüße, Eure Kitty

Schlaflos.

Ich kann im Moment sehr schlecht einschlafen. Zuviele Gedanken wuseln durch meinen Kopf und drumherum, verbinden sich zu wilden Buchstabenorgien und finden sich dann in anderen Paarungen wieder, vermehren sich, tanzen Ringelreihen durch’s Schlafzimmer und bilden böse Reime, einige nicht jugendfrei. Die unverschämtesten zupfen an meinen Augenlidern und brüllen mir „Bist Du wach?!?“ ins Ohr.  Demnächst laden sie noch welche aus dem Haus nebenan ein. Oder Zufallsbekanntschaften von der Straße. Nee. Nicht auszudenken, was dann los sein könnte.

Wenn ich doch einschlafe, werde ich davon wach, dass ich laut vor mich hin rede, schimpfe, lache oder mich allgemein aufrege. Das irritiert die Nachbarn, den Kater, die nistende Amsel vor dem Fenster und mich sehr.

Gestern Abend war ich total schlau und habe gedacht: was man aufschreibt, beschäftigt einen nicht mehr so. Das sind ja auch die Tipps, die man in allen einschlägigen Fachzeitschriften so liest. Apothekenumschau bei Oma, Bild der Frau beim Friseur, Men’s health (ich lese nur die Texte, die Bilder interessieren mich nicht 🙂 ), sowas halt.

Also einen kleinen Block, Stift und eine Minitaschenlampe ans Bett gelegt. Soviel vorab: irgendwie hat es schon geklappt. Auf eine gewisse, perfide Art. Allerdings habe ich

  1. die Zeit, die ich sonst wegen der Grübelei im Dunkeln wach liege, nun mit Schreiben bei Licht verbracht. Das ist so ähnlich wie die Mär vom Treppensteigen. Wenn man immer die Treppen nimmt statt den Aufzug, lebt man länger, aber die Zeit, die man länger lebt, verbringt man mit Treppensteigen. So what!
  2. von fünf vollgeschriebenen Seiten heute Morgen nur die letzte entziffern können,
  3. die letzte Seite zwar lesen können, kann mir aber beim besten Willen nicht erklären, warum ich “ Kuh“ „natürlich schön“ und „Deich“ notiert habe.

Wenn es mir einfällt, melde ich mich. Es sei denn, es ist mal wieder nicht jugendfrei.

Schlaft schön, Eure Kitty

Alter Verwalter….

Ich stelle immer wieder fest, dass es viele, oftmals zu Unrecht in den Köpfen ihrer Mitmenschen felsenfest mit bestimmten Eigenschaften belegte Gruppierungen gibt. Friseurinnen zum Beispiel. Ärzte. Blondinen. Rocker. Massöeurinnen.

Heute möchte ich eine Lanze brechen für eine Berufsgruppe, die vielfach völlig falsch verstanden, zu Unrecht finsterer Machenschaften beschuldigt und in eine ganz gemeine Schublade gesteckt wird. Und zwar für die Makler/Hausverwalter.

Ich habe schon nie verstanden, warum sich angehende Mieter so über die zu berappende, kleine Aufwandsentschädigung in Höhe von zwei Kaltmieten aufgeregt haben. Ich meine, wenn mich jemand zu einer Goldader führt, würde ich ihm doch auch ein Trinkgeld in die Hand geben! Dass der letzte, mit dem ich zu tun hatte, nicht wusste, dass in der Wohnung kein Licht mehr ist und wir sie deshalb im Dunkeln ertasten mussten, auch nicht, ob und welcher Keller dazu gehört, ob Haustiere erlaubt sind, es andere Interessenten oder in der Nähe Garagen gibt, mein Gott, sich darüber aufzuregen, ist ja nun auch wirklich kleinkariert. Der Goldfritze könnte einem vermutlich ja auch nicht genau sagen, ob die Ader bereits von der anderen Seite her angegraben wird, und ob sie 2 cm oder 30 km lang ist. Hätten wir uns in der Geschichte der Menschheit immer so popelig angestellt, dann wären wir nie zum Mars… äh ….ach, egal, jedenfalls wären die Makler heute ausgestorben.

Ich wollte aber eigentlich ganz gezielt etwas zu dieser – wie sagt man eigentlich im Verhältnis zu Makler: Unterspezies? Oder sind sie etwas ganz eigenes? – naja, eben zu Hausverwaltern sagen. Diese Armen sind ja ganz oft verschrien als Abzocker, Eigentümerausgerichtet, unlauter, bedrohlich oder faul. Ich habe da mit ‚meinem‘ Hausverwalter ganz andere Erfahrungen gemacht, und damit auch andere zukünftig vorurteilsfrei auf diese wunderbaren Menschen zugehen können, will ich das mal schildern.

Seinen Namen sage ich lieber nicht. Es ist nämlich jetzt schon so, dass er dermaßen beliebt und umlagert ist, dass es schwierig ist, überhaupt mal Kontakt zu bekommen. Offenbar geht es ihm so ähnlich wie Stars wie Justin, Katie oder Florian: er lässt seine Fanpost von seiner Sekretärin beantworten. Sie ist offenbar sehr qualifiziert und eine ganz tolle Frau, denn, dass muss man ihr lassen, sie schafft es, ihn vor zu viel Fanstalking zu schützen. Es ist zwar manchmal nicht so leicht zu glauben, dass er wieder nicht da ist, aber – sie macht das soooo liebenswürdig und will ihn ja schließlich nur schützen. Der Papst kann ja auch nicht alle Mails beantworten, schon gar nicht selber. Da muss man auch mal Verständnis haben. Jedenfalls benutze ich hier lieber ein Pseudonym, nicht, dass nachher alle von ihm verwaltet werden wollen. Sagen wir mal…Gustav Gans.

Schon bei unserem ersten Termin in meinem neuen Zuhause zeigte sich, dass Herr Gans seinen Beruf als Berufung und mehr als eine Beratung in allen Lebenslagen versteht. Ich war sehr skeptisch, so alleine mit ihm in der Wohnung, die Klischees im Kopf, befürchtend, dass er mich nur als Mittel zum Zweck  sieht, aber es zeigte sich, dass er doch ehrlich interessiert an mir als Mensch war. Er hat gleich einen persönlichen Draht gefunden. So hat er mir, als wir im Badezimmer waren, ganz ohne Standesdünkel erklärt, dass ich doch mal genau hinsehen sollte, die Dusche sei so groß, da könne man auch hervorragend zu zweit drin duschen.

Das hat mir gleich am Anfang das Gefühl von kalter Distanz genommen. Das kann nicht jeder. Als ich dann eigezogen war, stellte ich fest, dass seine Bemühungen sich auch sehr fürsorglich auf ganz andere Bereiche erstreckten. So hat er beispielsweise meine Selbstreflexion enorm gepusht, als ich ihn fragte, warum die von den Vormietern einbehaltene Kaution nicht auch zu Beseitigung der Mängel benutzt worden sei. Ich hätte ja, so sagte er, nicht einziehen müssen. Und da hat er natürlich Recht. Man darf seine eigenen Probleme nicht immer anderen aufhalsen. Und natürlich hätte ich auch gar nicht mit diesen üblen Vormietern sprechen dürfen. Wer freiwillig von Herrn Gans wegzieht, ist ja schon per se bekloppt. Ich habe mich bei ihm entschuldigt, dass wir wirklich dumm von mir, und dass er dabei ein bisschen gebrüllt hat – auf dem Mann lastet ja auch eine enorme Verantwortung.

Als es jetzt im Haus zu einer Sanierung im Dachgeschoss gekommen ist, hat er sich ebenfalls absolut vorbildlich gezeigt. Das fing schon mit den grundsätzlichen Informationen an. Maximal 3 Monate, hat er geschrieben, und die wurden auch ganz exakt eingehalten, bis auf ein paar wenige Tage im Juni. Dezembuar, Februar, Mäprai. Da kann man sich nicht beschweren. Auch, dass es zu keinerlei Belästigungen kommt, hat sich bewahrheitet. Das bisschen Lärm beim Abtragen des Schornsteins und Herabschütten des Schutts über 5 Stockwerke an meinem Fenster vorbei kann man ja wohl kaum als Lärm bezeichnen, verglichen zum Beispiel mit…mit…einem Bombenangriff…so in etwa.

Die Amsel, die zum einen durch die Ostertage beim ersten und dann nochmal durch die Pfingsttage beim zweiten Brüten völlig orientierungslos war, weil eine unnatürliche Stille auf meinem Balkon lastete, war sichtlich erleichtert, als es nach den Feiertagen wieder los ging. Die Küken sind direkt mit Ohrenschützern geschlüpft, total süß! Sogar zur Evolution trägt G.G. bei.

Auch, dass ich täglich saugen, wischen, abstauben musste, war überhaupt nicht belastend, im Gegenteil. Es hat etwas unendlich Befriedigendes, immer gleich einen unmittelbaren Erfolg seiner Taten zu sehen. Die reinste Wellness für die Seele, ohne Mieterhöhung einfach so dazu! Auf dem Wohnzimmertisch habe ich mal einen Tag das Abwischen vergessen und habe am nächsten einen wunderbaren Zen-Garten darauf angelegt, ich musste Sand und Steinchen nur umrahmen und einen Minirechen besorgen. Inzwischen biete ich dort Ralleyfahrten für Modellbauer an. Danke, Herr Gans, dass sich mir diese Marktlücke aufgetan hat!

Der Hinweis, ich könnte mir anhand des eingesetzten Materials etc. ja wohl selber ausrechnen, ob die Arbeiten pünktlich fertig werden, war geradezu väterlich. Man lernt ja nur, wenn man seinen Grips selber anstrengt, nicht dadurch, dass einem jemand Fragen bequem beantwortet.

Zu guter Letzt habe ich mich vor kurzem wirklich unverzeihlich benommen und die Miete gekürzt. Ich weiß nicht, warum. Hormone. Interstellare Verschiebungen. Oder so.

Ich denke, ich werde morgen mit einem riesigen Blumenstrauß – ach was, einem Gutschein für ein Restaurant  oder für ein Ferrari-Wochenende oder dem Ferrari, das sollte es mir wirklich wert sein – zu ihm gehen und mich entschuldigen. Die Miete bringe ich bei der Gelegenheit, plus Zinsen, natürlich in bar vorbei und hoffe, er glaubt meinen Beteuerungen, dass das nie wieder vorkommt. Nur noch ein einziges Mal.

Lasst es nicht soweit kommen, Ihr Lieben. Ihr wisst es ja jetzt besser. Und schreitet ein, wenn mal wieder jemand fiese Sprüche klopft wie: Liegt der Verwalter tot im Keller, war der Mieter wieder schneller. 😉

Ach so…nicht doof, Kult!

Werbung nervt. Hat man früher am Tag vielleicht mal irgendwo einen Spot mit Klementine, Tante Tilly oder Frau Antje gesehen, der sich zur Not wegschalten ließ, wird man jetzt in jeder Lebenslage von mehr oder weniger subtilen Botschaften terrorisiert.

In Zeitungen, gerade diesen wöchentlichen, ist manch eine Werbe’beilage‘ schon für dicker als die eigentliche Zeitung. Wer um alles in der Welt liest denn diesen mehrbändigen Telepointroman?! Oder Rossmannwerbung in Schriftgröße 3, fast schon in der gebundenen Ausgabe? Nach dem eigentlich informativen Teil sucht man geraume Zeit und anschließend sieht das Wohnzimmer aus, als hätte die GMA einen Altpapiercontainer vorbeigebracht. Und ausgeleert.

Ich habe sie noch nicht abbestellt, diese Publikationen. Sie sind praktisch, um heruntersüffende Flüssigkeit von Melonenschalen im Mülleimer aufzufangen.

Aber das ist ja noch harmlos. Leuchtreklamen blinken hemmungslos herum wie wildgewordene Irrlichter, und versetzen einen, wenn man nicht rechtzeitig wegguckt, in einen psychedelischen Zustand. Clockwork Orange im Werbealltag. Ich habe immer Angst, dass mich eine einsaugt und ich niemals mehr wieder aus dem Werbespot des örtlichen Autohauses herauskomme. Es ist auch noch das falsche Autohaus.

Werbung auf Autos, Rollern, hinter Flugzeugen und mitten in der Pampa auf Pappschildern. Aber zumindest haben die Kühe einen guten Sonnenschutz und Greifvögel können den Abflug ohne Anlauf lernen. Oder Basejumping.

TV-Werbung führt bei mir verstärkt dazu, dass ich bestimmte Produkte NICHT kaufe. Langsam wächst in mir die Ãœberzeugung, dass die Hersteller sie vielleicht gar nicht selber drehen und zeigen. Ich vermute, es handelt sich um eine finstere Machenschaft der Konkurrenz, anders kann ich mir den unerträglichen Schwachsinn fast nicht mehr erklären. Vielleicht rede ich mir das aber auch nur ein, weil die Thunfischwerbung von Saupiquet mit einem grenzdebil grinsenden Kevin Costner leichter zu verkraften ist, wenn man glaubt, sie ist von Appel und als Abschreckung gedacht.

Oder die neue Haribowerbung. Wäre sie von Katjes, könnte ich das verstehen. Bully Herbig als neue Werbeikone mit haarsträubenden, su-per-komischen Stories rund um Gary, Larry, Hans oder wie auch immer er heißen mag, da bleibt mir jedes Gummibärchen im Hals stecken. Hust.

Der Bayer, der versucht, für Patrrrrros griechisch zu klingen und seinen Käse in den Offfffen schiebt. Füße, die so ekelig sind, dass sie nicht mal mehr die Fische beißen. Bilder sich ablösender, gelber, bröckeliger Nägel, während man gerade noch vorhatte, Parmesan über seine Spaghetti zu geben.

Dieser Typ aus der Deowerbung, dem der Schweiß unter den Achseln hervorschießt wie aus einem C-Rohr. Geht’s noch? Pfui bah.

Welche Frau läuft in einem roten Abendkleid auf dem Bahnsteig herum? Zumal man ja eh nicht weiß, ob es nicht Winter, mindestens aber kalte Nacht wird, bis der Liebste mit der DB ankommt. Und, Hand auf’s Herz, welcher Mann freut sich wie ein Wahnsinniger über die Mädchenbrause, die sie hinter dem Rücken versteckt?

Blutspucke im Waschbecken, Petersilie auf Katzenfutter, Kinder, die aussehen, als hätten sie einen Eimer Pflaumenmus auf sich verteilt und eine Mutti, die sich herzlich darüber freut. Ein milchgesichtiger Bursche beißt von einer Bockwurst ab, als müsste er mit bloßen Zähnen ein Stück aus einem frisch selbst erlegten Gnu reißen. Der schönen Bäckerin fallen beinahe die Hu… Brüste aus dem Dekolleté, und endlich wissen wir, dass das Beste im Mann seine Bartstoppeln sind. In Plastik eingepackte Baguettes mit trockenen Käsebröckeln obendrauf werden frisch aus Frankreich direkt in unseren Ofen geliefert, und Ferrerowerbung versuche ich, als Diätmittel zu benutzen. Ich liebe Raffaello, aber 3 x die Werbung mit der weißen Frau, und schon war’s das. Leider gibt es zuviel Süßkram, für den nicht geworben wird. 🙂

Schleimmonster, die – wohlgemerkt: Erwachsenen! – erläutern, was bei Husten in der Lunge vorgeht. Wusste ich gar nicht. Jetzt hab ich Angst vor mir selbst, und dass ich mitten in einem Meeting mal einen Hustenanfall bekomme und eins raushüpft. Wie steh ich dann da?
Und dann sehen sie im Grunde auch noch so aus wie Geschwister der grünen Comicbazillen, die noch dem allerletzten Deppen erklären, dass sie unter der Klobrille lauern.

Ein Bob Marley-Verschnitt raucht (vermutlich eine Tüte), gackert irre und melkt dabei eine Giraffe, aus der bunte Drops kommen. Keine schöne Vorstellung. Yo, man. Everything’s gonna be alright. Aber nur ohne Giraffendrops.

Äußerst gruselig finde ich momentan auch die eine oder andere Radiowerbung. Ich würde niemals in den Serengetipark fahren, weil ich große Bedenken hätte, dort auch nur einem einzigen dieser trommelfellgefährdend kreischenden Kinder zu begegnen, die irgendetwas von wilden Tieren skandieren. Das würde nicht gut ausgehen mit uns. Im besten Fall würde ich sie als Melkhilfe zu Bob schicken.

Und der absolute Obergipfel ist, finde ich, die Seitenbacher-Werbung. Für mein Empfinden klingt sie, als würde jemand, der des Deutschen nicht mächtig ist, versuchen, sie trotzdem vorzulesen. Und als ob er dabei noch einen großen Löffel voll Müsli im Mund hätte. Am Anfang habe ich echt gedacht, dass es sich um eine Persiflage handeln muss. Aber nein – wie ich lesen musste, hat diese Werbung inzwischen Kultcharakter. Oha.

Es gibt nur noch wenige Refugien, in denen man verschont bleibt. Zuhause rufen 100 mal irgendwelche Vögel an. Geht man beim 101. Mal samstags um 8 Uhr morgens völlig verpennt und nichtsahnend dran, erklären sie einem, dass man doch nun wirklich ein bisschen blöd ist, wenn man nicht auf wen auch immer oder was auch immer wechselt.

Beim Hautarzt läuft Werbung für’s Lifting über den Screen, kann man ja auch gleich mal eben mitmachen lassen. Lifting to go.

Und sogar der Tankstellenmann ist gebrieft. Ich tanke jetzt nicht mehr bei Aral. Bei jedem Bezahlvorgang fragt er, ob es noch etwas sein darf, und sage ich (wie immer) nein, spult er ab: ‚Auch nicht drei Matschbrötchen / Brillenputztücher / Croissants mit Salamifüllung / Gummiboote / Matjes / Flaschen Vodka / Staubsauger / Bienenkörbe / Rollschuhe / Särge / Fallschirmsprünge?‘ Egal, wie unglaublich unpassend und strange das auch ist. Der ist mir unheimlich. Vielleicht ist er auch gar nicht echt.

Neulich war ich auf einer Autobahnraststätte auf dem WC. Dass einem von der Innenseite der Tür Werbung entgegen starrt, kennt man ja schon. Aber da war das Klopapier bedruckt. Mit Werbung für Fensterbauer, einen Blumenladen, Handyverträge und Autoreifen.

Ich hab dann aus Neugier mal in jeder Kabine so 70 Meter abgerollt. Es hätte ja sein können, dass da noch was Interessantes kommt. Wenigstens haben sie mir erlaubt, das Papier mitzunehmen. Ich liege sehr bequem darauf und darunter in dieser Zelle, ich habe mir ein richtiges kleines Hamsternest gebaut, und die Wände sind eh kuschelig weich.

Naja. Wenn Du kein IPhone hast, hast Du halt kein IPhone. Ich liebe es. 🙂