Alter Verwalter….

Alter Verwalter….
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Ich stelle immer wieder fest, dass es viele, oftmals zu Unrecht in den Köpfen ihrer Mitmenschen felsenfest mit bestimmten Eigenschaften belegte Gruppierungen gibt. Friseurinnen zum Beispiel. Ärzte. Blondinen. Rocker. Massöeurinnen.

Heute möchte ich eine Lanze brechen für eine Berufsgruppe, die vielfach völlig falsch verstanden, zu Unrecht finsterer Machenschaften beschuldigt und in eine ganz gemeine Schublade gesteckt wird. Und zwar für die Makler/Hausverwalter.

Ich habe schon nie verstanden, warum sich angehende Mieter so über die zu berappende, kleine Aufwandsentschädigung in Höhe von zwei Kaltmieten aufgeregt haben. Ich meine, wenn mich jemand zu einer Goldader führt, würde ich ihm doch auch ein Trinkgeld in die Hand geben! Dass der letzte, mit dem ich zu tun hatte, nicht wusste, dass in der Wohnung kein Licht mehr ist und wir sie deshalb im Dunkeln ertasten mussten, auch nicht, ob und welcher Keller dazu gehört, ob Haustiere erlaubt sind, es andere Interessenten oder in der Nähe Garagen gibt, mein Gott, sich darüber aufzuregen, ist ja nun auch wirklich kleinkariert. Der Goldfritze könnte einem vermutlich ja auch nicht genau sagen, ob die Ader bereits von der anderen Seite her angegraben wird, und ob sie 2 cm oder 30 km lang ist. Hätten wir uns in der Geschichte der Menschheit immer so popelig angestellt, dann wären wir nie zum Mars… äh ….ach, egal, jedenfalls wären die Makler heute ausgestorben.

Ich wollte aber eigentlich ganz gezielt etwas zu dieser – wie sagt man eigentlich im Verhältnis zu Makler: Unterspezies? Oder sind sie etwas ganz eigenes? – naja, eben zu Hausverwaltern sagen. Diese Armen sind ja ganz oft verschrien als Abzocker, Eigentümerausgerichtet, unlauter, bedrohlich oder faul. Ich habe da mit ‚meinem‘ Hausverwalter ganz andere Erfahrungen gemacht, und damit auch andere zukünftig vorurteilsfrei auf diese wunderbaren Menschen zugehen können, will ich das mal schildern.

Seinen Namen sage ich lieber nicht. Es ist nämlich jetzt schon so, dass er dermaßen beliebt und umlagert ist, dass es schwierig ist, überhaupt mal Kontakt zu bekommen. Offenbar geht es ihm so ähnlich wie Stars wie Justin, Katie oder Florian: er lässt seine Fanpost von seiner Sekretärin beantworten. Sie ist offenbar sehr qualifiziert und eine ganz tolle Frau, denn, dass muss man ihr lassen, sie schafft es, ihn vor zu viel Fanstalking zu schützen. Es ist zwar manchmal nicht so leicht zu glauben, dass er wieder nicht da ist, aber – sie macht das soooo liebenswürdig und will ihn ja schließlich nur schützen. Der Papst kann ja auch nicht alle Mails beantworten, schon gar nicht selber. Da muss man auch mal Verständnis haben. Jedenfalls benutze ich hier lieber ein Pseudonym, nicht, dass nachher alle von ihm verwaltet werden wollen. Sagen wir mal…Gustav Gans.

Schon bei unserem ersten Termin in meinem neuen Zuhause zeigte sich, dass Herr Gans seinen Beruf als Berufung und mehr als eine Beratung in allen Lebenslagen versteht. Ich war sehr skeptisch, so alleine mit ihm in der Wohnung, die Klischees im Kopf, befürchtend, dass er mich nur als Mittel zum Zweck  sieht, aber es zeigte sich, dass er doch ehrlich interessiert an mir als Mensch war. Er hat gleich einen persönlichen Draht gefunden. So hat er mir, als wir im Badezimmer waren, ganz ohne Standesdünkel erklärt, dass ich doch mal genau hinsehen sollte, die Dusche sei so groß, da könne man auch hervorragend zu zweit drin duschen.

Das hat mir gleich am Anfang das Gefühl von kalter Distanz genommen. Das kann nicht jeder. Als ich dann eigezogen war, stellte ich fest, dass seine Bemühungen sich auch sehr fürsorglich auf ganz andere Bereiche erstreckten. So hat er beispielsweise meine Selbstreflexion enorm gepusht, als ich ihn fragte, warum die von den Vormietern einbehaltene Kaution nicht auch zu Beseitigung der Mängel benutzt worden sei. Ich hätte ja, so sagte er, nicht einziehen müssen. Und da hat er natürlich Recht. Man darf seine eigenen Probleme nicht immer anderen aufhalsen. Und natürlich hätte ich auch gar nicht mit diesen üblen Vormietern sprechen dürfen. Wer freiwillig von Herrn Gans wegzieht, ist ja schon per se bekloppt. Ich habe mich bei ihm entschuldigt, dass wir wirklich dumm von mir, und dass er dabei ein bisschen gebrüllt hat – auf dem Mann lastet ja auch eine enorme Verantwortung.

Als es jetzt im Haus zu einer Sanierung im Dachgeschoss gekommen ist, hat er sich ebenfalls absolut vorbildlich gezeigt. Das fing schon mit den grundsätzlichen Informationen an. Maximal 3 Monate, hat er geschrieben, und die wurden auch ganz exakt eingehalten, bis auf ein paar wenige Tage im Juni. Dezembuar, Februar, Mäprai. Da kann man sich nicht beschweren. Auch, dass es zu keinerlei Belästigungen kommt, hat sich bewahrheitet. Das bisschen Lärm beim Abtragen des Schornsteins und Herabschütten des Schutts über 5 Stockwerke an meinem Fenster vorbei kann man ja wohl kaum als Lärm bezeichnen, verglichen zum Beispiel mit…mit…einem Bombenangriff…so in etwa.

Die Amsel, die zum einen durch die Ostertage beim ersten und dann nochmal durch die Pfingsttage beim zweiten Brüten völlig orientierungslos war, weil eine unnatürliche Stille auf meinem Balkon lastete, war sichtlich erleichtert, als es nach den Feiertagen wieder los ging. Die Küken sind direkt mit Ohrenschützern geschlüpft, total süß! Sogar zur Evolution trägt G.G. bei.

Auch, dass ich täglich saugen, wischen, abstauben musste, war überhaupt nicht belastend, im Gegenteil. Es hat etwas unendlich Befriedigendes, immer gleich einen unmittelbaren Erfolg seiner Taten zu sehen. Die reinste Wellness für die Seele, ohne Mieterhöhung einfach so dazu! Auf dem Wohnzimmertisch habe ich mal einen Tag das Abwischen vergessen und habe am nächsten einen wunderbaren Zen-Garten darauf angelegt, ich musste Sand und Steinchen nur umrahmen und einen Minirechen besorgen. Inzwischen biete ich dort Ralleyfahrten für Modellbauer an. Danke, Herr Gans, dass sich mir diese Marktlücke aufgetan hat!

Der Hinweis, ich könnte mir anhand des eingesetzten Materials etc. ja wohl selber ausrechnen, ob die Arbeiten pünktlich fertig werden, war geradezu väterlich. Man lernt ja nur, wenn man seinen Grips selber anstrengt, nicht dadurch, dass einem jemand Fragen bequem beantwortet.

Zu guter Letzt habe ich mich vor kurzem wirklich unverzeihlich benommen und die Miete gekürzt. Ich weiß nicht, warum. Hormone. Interstellare Verschiebungen. Oder so.

Ich denke, ich werde morgen mit einem riesigen Blumenstrauß – ach was, einem Gutschein für ein Restaurant  oder für ein Ferrari-Wochenende oder dem Ferrari, das sollte es mir wirklich wert sein – zu ihm gehen und mich entschuldigen. Die Miete bringe ich bei der Gelegenheit, plus Zinsen, natürlich in bar vorbei und hoffe, er glaubt meinen Beteuerungen, dass das nie wieder vorkommt. Nur noch ein einziges Mal.

Lasst es nicht soweit kommen, Ihr Lieben. Ihr wisst es ja jetzt besser. Und schreitet ein, wenn mal wieder jemand fiese Sprüche klopft wie: Liegt der Verwalter tot im Keller, war der Mieter wieder schneller. 😉

2 Gedanken zu „Alter Verwalter….“

  1. Liebe Kitty,
    ist es nicht großartig, dass Du durch G.G. Deine devote Seite kennenlernen darfst ?

    Bei mir ist es eher umgekehrt. Mein Hausverwalter ( über 3 Ecken auch gleichzeitig Eigentümer ) stalkt MICH ! Alle 14 Tage bekomme ich einen Brief von ihm selbst !!! unterschrieben, in dem er mich zunehmend nachdrückl….ähem….freundlich um eine Zahlung bittet. Er nennt es Mietrückstand. Leider handelt es sich dabei um meinen Einbehalt einer falschen Nebenkostenabrechnung ( da wurde z.B. ein Aufzug in Rechnung gestellt, den aber böse Bauarbeiter versehentlich in einem anderen Objekt eingebaut haben ). Mein G.G., der im Nebenjob auch noch im Stadtrat sitzt, ist von den Gedanken an mich so in Anspruch genommen, dass ihm eine Korrektur der Abrechnung aus dem Jahr 2011 bis heute leider nicht möglich war.

    Ich werde Dich als Vorbild nehmen und warte gespannt auf Deinen Bericht, wie sich Herr G. vor Freude einpullert, wenn Du ihm den Blumenstrauß überreichst. Ich bewundere Dich sehr dafür, dass Du im Umgang mit Herren wie G. scheinbar immer den richtigen Ton und die adäquaten Mittel findest.

    Ob ich meine Bestellung von 2 Handgranaten wohl stornieren kann ?

    1. Liebe Jadefrau, ohoh, ich sehe schon. Du bist noch ganz schön zügellos. Aber G.G. ist natürlich auch einfach ein besonderer Glücksfall. Meine letzte Nebenkostenabrechnung war ebenfalls einige 100 Euro zu hoch. Aber da konnte er nichts dafür. Es war ein Softwarefehler!!! Der Arme, und dann noch ungerechtfertigte Schelte von mir. Die Handgranaten würde ich aber nicht abbestellen. Du könntest schon mal den Fahrstuhlschacht vorbereiten. 😉

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