Macken

Macken
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Ein guter Freund von mir hat sich neulich köstlich darüber amüsiert, als ich ihm meinen Testbogen für potenzielle Kandidaten erklärt habe. Also für zukünftige Freunde/Lebensgefährten/mein Mann, wie auch immer frau das nennt. Sobald man nicht mehr im Teeniealter und nicht (mehr) verheiratet ist, finde ich schon die Wortwahl schwierig. Da stehst Du mal wieder im Kleinen Schwarzen auf einer Vernissage neben Frau Merkel oder Herrn Gauck und stellst Deinen Freund vor. Nee. Geht gar nicht.

Aber zurück zum Thema: ich bin da nicht die einzige, die so einen Bogen in der Handtasche hat. Nicht im Kopf, besser ist, man schreibt es auf, dann kann man zwischendurch mal heimlich draufgucken. Nachher vergisst man im Eifer des Gefechtes noch etwas Wesentliches und schon hat man den Salat. Das Leben ist kurz, da muss man irgendwann schon mal einen Plan haben, an den man sich halten kann, sonst küsst man noch Frösche und hat schon Algen am Mund, wenn der Oberbürgermeister zu den Geburtstagen vorbeikommt. Bei uns ab dem 90.

Meine Freundin Anne zum Beispiel, bei der steht an erster Stelle, dass der Typ die Schuhe ausziehen muss. Ihr letzter hatte ausschließlich kaputte Socken . Er fand das praktisch, vor allem im Winter, er hat sich immer die Zehennägel geschnitten und dabei die Socken anbehalten. Eva hingegen wird sich keinen Hundehalter mehr anlachen, nachdem Hektor, die dänische Dogge von Ralf, sich auf ihren Hamster Snoopy gesetzt hat. Er meinte es gar nicht böse, aber trotzdem schön war das nicht. Snoopy hat jetzt ein neues Leben als IPhone-Hülle bei Eva, aber es ist doch schon anders als vorher.

Stefanie hat keine Lust mehr auf Verbandelte, egal, was sie über ihre Beziehung erzählen, seit neulich die Ehefrau von Mike mit einer Schrotflinte im Garten stand, und Sabine verlässt sofort das Lokal, sobald herauskommt, dass die Kinder des Gegenübers jedes 2. Wochenende zu Besuch sind. Ich finde ja, sie stellt sich etwas an nur, weil die 5-jährige von Markus neulich mitten während eines Schäferstündchens ins Schlafzimmer platzte und gebrüllt hat: Mama ist aber viel dünner!!!!! Sabine war schon immer etwas sensibel, aber wat dem een sin uhl, ist halt dem andern sin Nachtigall.

Ingrid nimmt seit dem Vorfall auf der Kreuzung keinen mehr mit Rot-Grün-Blindheit, und Sandra würde nie wieder etwas mit einem Angler anfangen. Erst fand sie es ja ganz romantisch, ihn zu begleiten, aber sie konnten nach diesem einen Freitag die Fliege nur partiell entfernen, so dass sie jetzt ein sehr exotisches Piercing in der Unterlippe trägt.

Jutta kommt kein Peruaner mehr über die Schwelle. Sie hatte letzten Monat gerade die Meerschweinchen in der Wohnung abgestellt, die sie für eine Woche von Jörg zur Pflege übernommen hatte. Bacon und Egg hießen die kleinen Racker. Dann ging sie nochmal kurz zum Einkaufen. Bei ihrer Rückkehr stand Antonio, ihre peruanische Eroberung, in der Küche und strahlte vor Glückseligkeit, weil sie so einfühlsam gewesen war, ihm in der norddeutschen Fremde ein Stück Heimat zu ermöglichen und die Hauptzutat für sein Leibgericht in den Flur zu stellen. Als er sie überschwenglich umarmen wollte, hatte er noch den kleinen, inzwischen nackten Bacon in der linken Hand. Egg war bereits mit Kräutern gefüllt und lag gewürzt auf dem Blech. Jutta muss sich immer noch übergeben, wenn sie ein Meerschwein quieken hört, und Jörg glaubt bis heute, Bacon und Egg seien beide plötzlich und friedlich im Schlaf gestorben. RIP.

Ich selber habe ja, wie erwähnt, auch einige Problemfelder, die beim Date abgearbeitet werden. Neben den üblichen Fragen nach Zeugungsfähigkeit, Unterhaltsverpflichtungen, Religion, Beruf, Seepferdchen, Besitztümern, Einkommen, ehelichen und nichtehelichen Kindern, Haustieren, Musikgeschmack, Abstammung, täglichen Hygienevorkehrungen, Essgewohnheiten und sexuellen Vorlieben, die wichtige Frage nach dem Schnarchen und einer Kontrolle des Gebisses, der Hände und Füße und einem Blick in den Nacken, ob verräterische Locken aus dem Hemdkragen nach oben wuchern, gibt es einen kurzen Abstecher zu meinen Eltern. In der Zeit kann meine Freundin den Ausweis checken, den ich aus der Hosentasche entwendet und auf dem Klo übergeben habe. Das Gesundheitszeugnis darf beim 2. Treffen nachgereicht werden, das würde ich kleinlich finden. Das allerdings findet ausnahmlos bei Madame Folie statt, meiner Wahrsagerin. Da gibt es kein Drumherum, wer kauft denn schon die Katze im Sack.

Mitglieder von Rockerclubs scheiden für mich ebenso grundsätzlich aus wie Priester und Vegetarier. Die sind mir alle zu extrem, da habe ich meine Erfahrungen. Gut, nun ist es zu spät, aber würde mein Bruder nochmal heiraten, würde ich mich nicht erweichen lassen und die Harley müsste VOR der Kirche bleiben. Die Flecken auf dem Teppich vom Einbrennen des Motors im heimischen Wohnzimmer ließen sich auch nicht gut entfernen. Die Sache mit dem Priester, Gott, diese ewige Beterei vor, während und nach egal was, war mir denn doch etwas zu viel, Sabine hat mich nur noch Maria genannt, und was passiert ist, als Mario, der Lacto-Vegetarier, den Blutballen im Kühlschrank vorgefunden hat, das möchte ich hier gar nicht schildern. Nur soviel, es war nicht leicht, ihn in den RTW zu bekommen.

Ich möchte nicht verhehlen, dass ich selber natürlich auch einige Macken habe. Wobei, diese Geschichte mit dem Geflügelfleisch, da kann ich ja eigentlich gar nichts für. Das ist auch erst seit dem Verkehrsunfall so. Der mit diesem Hühnerlaster. Seitdem bekomme ich, sobald ich irgendwo Geflügelfleisch sehe oder rieche, eine Panikattacke und dissoziiere. Aber nur zuhause, bei Freunden, auf der Arbeit, im Restaurant oder draußen. Ich schwöre. Es dauert auch nur solange, bis nichts mehr von dem Trigger in meinem Sicht- oder Geruchsfeld ist, und ich bleibe dabei auch mit meiner Außenwelt verbunden. Wenn ich merke, dass es passiert, pfeife ich auf der Trillerpfeife, die ich stets um den Hals habe, den Rhythmus der Marseillaise, damit meine Begleitung Bescheid weiß. Es waren französische Perlhühner.

Den Micha, den hat es ziemlich genervt, dass ich nur essen kann, wenn ich vorher fünfmal den Tisch umrundet habe. Aber das ist gut für meine Aura, sagt meine Heilpraktikerin. Wer das nicht versteht, ok, der passt sowieso nicht zu uns. Also, mir und Zerberus. Das ist mein Schutzengel, und er bekommt auch immer ein Gedeck. Micha hat das aggressiv gemacht, ich konnte das gar nicht nachvollziehen.

Naja, und dann ist da noch das mit der Nase, aber meine Mutter sagt, das haben alle Glombs und deshalb müsste ich davon auch freiwillig nichts erzählen. Er könne ja schließlich selbst dahinter kommen. Dann ist ja alles gut. 🙂

Ich wünsche Euch einen kuscheligen Abend mit Euren Liebsten,
Eure Kitty

5 Gedanken zu „Macken“

  1. Liebe Kitty, du hast ja so Recht. Das mit dem Fragebogen ist doch wirklich eine gute Idee, warum sollte man seine Zeit verplempern mit Fröschen, die es nicht wert sind, geküsst zu werden. Im Ãœbrigen finde ich es eine Unart, sich sämtliche Macken, die man sich im Leben hart erarbeitet hat, von irgendwelchen Seelenklempnern wegtherapieren zu lassen. Was wäre die Welt ohne unsere besonderen Eigenheiten? So, nun muss ich aber los. Nur noch schnell die Holunderblüten gegen böse Hexen ins Fenster hängen, weiteres mündlich. Lass uns mal treffen, leckeren Salat, vielleicht mit Hähnchenbr . . .Ohhh, entschuldige. C.

    1. Hi, ja, ohne Macken wäre es langweilig. 🙂 Das mit dem Holunder klingt interessant, lass uns treffen! Muss er ins Fenster oder kann man ihn für den spontanen Einsatz in der Handtasche mitnehmen? Ich kann Holunder zwar nicht ausstehen, ich bin sozusagen überhugot, aber in der Not frisst der Teufel Fliegen und die Kitty riecht Holunder. 🙂 Liebste Grüße!

  2. Liebste Kitty,
    also Männer und Partnerschaft, gegensätzlicher geht es ja kaum. Nach mehreren experimentellen Versuchen in unterschiedlichen Graden der Verbindlichkeit komme ich immer mehr zu dem Ergebnis, Männer und Frauen sollten nicht zusammen wohnen. Unsere Großmütter haben es schon gewusst: Eigner Herd ist goldes Wert! Auch wenn sie es noch nicht konsequent genug interpretiert und umgesetzt haben. Getrennte Wohnungen, getrennte Wäsche, Deko, Musik, Einkäufe und Reinigung. Damit würden 80% Streitpotential entfallen. Und keine Ãœberraschungsbesuche bitte und Schüssel muss man auch nicht austauschen.
    Vielleicht könnte man das gleich noch als Bedingung mit in den Fragebogen aufnehmen.
    Viel Glück und Bussi, Mizie S.

    1. Liebe Miezi, ich denke, dieser Fragebogen ist einfach NIE komplett und sollte bei Bedarf ergänzt werden! Lass uns mal vergleichen. 🙂 Liebe Grüße, Kitty

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