Miesepeter Schmoll

Miesepeter Schmoll
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Miesepeter Schmoll kann im Grunde gar nichts dafür. In seiner stetig wachsenden Familie wird das Motz-Gen dominant vererbt. Und so ist es auch kein Wunder, dass Stiesel Schmoll und seine Frau Zimtzicke, geborene Zeter, nicht gerade süße, kleine Optimisten in die Welt gesetzt haben.

Wie in jeder anderen Familie auch, sind die Abkömmlinge aber, trotz ähnlicher Chromosomenbasis, alle etwas unterschiedlich.

Während zum Beispiel seine große Schwester Heulsuse permanent den Jammerlappen braucht, die kleine Spaßbremse jede Party sprengt und Pessi-Mist, Cousin mütterlicherseits, bereits den einen oder anderen Weltuntergang vorbereitet hat (er telefoniert viel mit Onkel Nostradamus), geht Miesepeter eher in die Richtung seines Bruders Stimmungskiller Schmoll. Er hat sich auf Vergnügungs- und Veranstaltungssabotage spezialisiert.

Inzwischen haben Forscher die Familie entdeckt und angefangen, sie wissenschaftlich unter die Lupe zu nehmen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich aus der Sache irgendwann mal mächtig Profit schlagen lässt. Bereits jetzt ist es so, dass die Schmolls durch ihr auffälliges und oftmals anstößiges Verhalten erhebliche Aufmerksamkeit sich ziehen. Das könnten sich Militärs in aller Welt zu Nutze machen. Die Entwicklung einer Schmollwaffe könnte ein Geniestreich werden – bei taktisch geschickter Verteilung könnte sie ganze Nationen lahm legen, ohne dass es zu Verletzten kommt. Wenn man von einer Depressionswelle absieht.

Die Aufenthaltsorte der Familienmitglieder sind bekannt. Bei bestimmten Konstellationen wird ein Spezialteam zur Analyse geschickt. Zur Veranschaulichung ein Paradebeispiel: heute hat in unserer Stadt eine große Marathonveranstaltung stattgefunden, die sich wachsender Beliebtheit erfreut und viele Menschen anzieht. Nicht nur aktive Sportler, sondern auch deren Familien, Freunde und andere interessierte Besucher. Damit die Sportler sich angefeuert fühlen und die Massen auch mitbekommen, was los ist, werden die Läufe natürlich kommentiert. Per Mikro. Und DA schlägt Miesepeters Stunde. Dieser Lärm, dieser Krach, diese Menschen, und das zwei Tage lang. Da kann man doch wirklich seinen Fernseher kaum noch verstehen, und können die nicht einfach ohne Krach rennen? Das grenzt an Anwohnermobbing. Dann auch noch diese Straßensperren. Genau 23,72 Meter Umweg zum Bäcker. Eine Zumutung.

Glückes Geschick, muss Miesepeter seit ein paar Jahren nicht mal mehr loslaufen und den Leserbrief beim örtlichen Blatt einwerfen. Alle Schmolls sind große Verfechter von social media, denn so kann man nicht nur in Echtzeit seinen Unmut kundtun, sondern auch gleich noch gegen die Schmollgegner wettern, die sich unweigerlich zu Wort melden. Schlaraffenland.

Je mehr Gegner, umso wohler fühlt sich ein Schmoll; fast schon so etwas wie eine selbsterfüllende Prophezeiung (Probeheizung wäre bei diesem ‚Sommer‘ auch gar nicht schlecht… ups. Ich hoffe, ich habe mir jetzt keinen Meckervirus eingefangen. 😉 ).Er suhlt sich in der Gegenwehr, räkelt sich in der Sonne der Gegenargumente und des Unverständnisses (‚Ja, genauso ist das immer, die Welt ist gemein und keiner versteht mich; aber die werden alle noch ihr blaues Wunder erleben!‘) und fühlt sich wie ein Ritter in rostiger Rüstung, immer bereit, mit seinem schartigen Schwert ein paar zaghaft blühende Blümchen abzuschlagen.

Besagte Forscher haben allerdings herausgefunden, dass dieser Einfluss auch in der Umkehrung funktioniert. Das Ignorieren von Schmollschen Äußerungen, so zeigen erste Versuchsreihen, führt zu einer deutlich messbaren Herabsetzung von freiwerdender negativer Energie. Und der Vermehrungsrate.

Vielleicht sollten wir das mal testen, bevor die Petition gegen das laute Absingen von Kinderliedern bei Bummelaterne-Umzügen rausgeht.

Optimistische Grüße, Eure Kitty

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