Wildwuchs

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In dem Haus, in dem ich wohne, gibt es einen Hausmeister. Oder, genauer gesagt, ein Hausmeisterehepaar, wie in den guten alten Zeiten. Stefanie und Michael Fix, und sie haben auch zwei entzückende Kinder. Den Gordon- Batman und die Shakira-Diana, wenn ich das richtig verstehe, wenn Frau Fix durch das Treppenhaus ruft. Diana, nicht wie die Göttin der Jagd, sondern die Königin der Herzen. Mit langem eeeiiiii und noch längerem âääääääääääää. Wenn es schnell gehen muss, Schacki.

Die Fixens sind für Ordnung im und um‘s Haus zuständig. Während Frau Fix allenthalben das Treppenhaus fegt und auch die Straße, den Müll nach vorne rollt und den Schnee schippt, hat Herr Fix den wirklich stressigen Job. Zu jeder erdenklichen Tages- und Nachtzeit kann man ihn beobachten, wie er Farbtöpfe ins und aus dem Auto lädt, damit weg- oder heranfährt, und trotzdem hat er immer noch ein freundliches Moin über, wenn man ihm dankbar zuwinkt. Wir sind wirklich gut aufgehoben bei den Fixens. Was er mit den Töpfen macht, konnte ich bisher nicht herausfinden, aber das wird schon seine Richtigkeit haben, zumal er auch den ganzen Tag Arbeitskleidung trägt. Außerdem mäht er.

Shakira-Deiäna und Gordon-Batman helfen auch mit; sie tragen zum Beispiel die Familieneinkäufe nach oben, um die Eltern zu entlasten. Die Chipstüte, oder neulich habe ich auch mal gesehen, dass G.-B. eine ganze Colaflasche alleine trug. Ab und zu spielen sie auch Tischtennis unter meinem Balkon. So schön, dass die Jugend nicht nur vor dem Bildschirm sitzt. Außerdem besitze ich inzwischen eine erkleckliche Anzahl an Tischtennisbällen. Sollen sie doch besser aufpassen; wenn sie klingeln, weil mal wieder ein Geschoss auf meinem Balkon gelandet ist, stelle ich mich taub. Mein Kater freut sich immer über neues Spielzeug.

Was ich aber eigentlich erzählen wollte, ist, dass seit einiger Zeit kein Fix mehr zu sehen ist. Erst habe ich mir keine Gedanken gemacht, in so einem großen Haus läuft man sich ja nicht ständig über den Weg, aber inzwischen kommt es mir doch etwas seltsam vor. Es fing damit an, dass die Haustür nicht mehr so richtig aufging. Da lagen mittlerweile drei Ausgaben des Sonntagsblättchens hinter, jeweils in 10facher Ausführung. Habe ich erstmal mit dem Fuß weggeschoben. Alles muss man selber machen. Lotterei.

Richtig misstrauisch bin ich geworden, als heute Morgen ein Eichhörnchen auf meinem Balkon erschien. Es war an der Hortensie hochgeklettert und putzte sich niedlich. Ich muss dazu sagen, dass sich meine Balkonmauer ca. 3,50 m über dem Erdboden befindet. Theo, mein Kater, hat die Gelegenheit genutzt und sich im stage diving – style in die wogenden Grasfelder geworfen. Er liegt immer noch oben drauf und schaukelt im Wind.

Da ich sowieso den Müll wegbringen wollte, bin ich runter in den Garten. Also, dahin, wo mal der Garten war. Meterhohe Gräser schlugen mir entgegen, eine Kriechpflanze ringelte sich um meine Füße, und ich bin mir sicher, einige seltene Orchideen im Dschungel gesehen zu haben. Auf halbem Weg habe ich einen Affen keckern gehört. Ich habe die Mülltonnen dann auch gefunden, nachdem ich mir mit der Axt von Herrn Fix eine Bresche geschlagen hatte. Es war etwas schwierig, weil sich ständig dieser Papagei darauf niederlassen wollte. Den Müll habe ich dann aber doch lieber wieder mit in den Keller genommen, weil es aus der Tonne so komisch knurrte.

Ich vermute einfach, die Fixens streiken. Ich meine, wo doch jetzt alle streiken. Die Erzieher, die Lokführer, die Postboten, die Saftschubsen, und nun sogar noch die Tänzer vom Berliner Staatballett. Da muss man ja schon entweder ein schlechtes Gewissen haben, wenn man einfach weiter ohne jedes Aufmucken den Rasen mäht, oder sich diskriminiert fühlen, weil man nicht mitmachen darf. Wer was auf sich hält, ist schließlich unterbezahlt. Kann man sich doch nicht sagen lassen.

Also, da habe ich wirklich Verständnis. Auch, wenn der Rasenmäher von Herrn Fix eh nur für maximal 5 m² ausgelegt ist, der Garten aber mindestens 400 m² hat. Das wird eine Mähorgie, wenn er das beseitigen muss.

Ich hoffe, dass er bei der Gelegenheit dann auch Maya, die 3-jährige Enkeltochter von den Müllers im 2., wiederfindet. Wie man hört, ist sie seit einigen Wochen im Dickicht verschollen und wird von Wölfen großgezogen.

Ich werde jetzt mal versuchen, Theo auf den Balkon zu locken, bevor ihn die Python findet. Solltet Ihr nicht in spätestens 10 Tagen wieder von mir hören, schickt einen Suchtrupp, mit Machete.

Eure Dschungelkönigin Kitty

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