Die perfekte Welle

Horst hat mal wieder zugeschlagen.

Ihr erinnert Euch vielleicht – Horst ist mein Schicksal. Ich habe es Horst genannt.

Zum einen, weil ich finde, dass die Dinge einen Namen haben müssen. Das ist praktisch und kürzt manches ab. Zum anderen war ich der Annahme, dass die Möglichkeit einer persönlichen Ansprache Horst daran hindern könnte, mir Steine in den Weg zu legen, mich auszutricksen, zu ärgern, mir bösartige Fallen zu stellen, miese Personen ins Spiel zu bringen und Unheil zu stiften. Es ist ja auch schwieriger, ‚Sie Arschloch‘ als ‚Du Arschloch‘ zu sagen. Je persönlicher, umso einfacher. Obwohl… ‚Sie Arschloch‘ geht im Bedarfsfall auch. 🙂

Bezogen auf Horst hatte ich also die Hoffnung, dass ihn ein ‚Horst, was soll das schon wieder?*, ‚Oh nein, HOOOOOORST!‘, ‚Horst, wie kannst Du mir das antun?‘ empfindlich trifft und er es daher vermeiden würde, es zu provozieren.

Was soll ich sagen. Die Annahme war irrig, die Hoffnung trügerisch.

Als Beispiel möge folgendes Blog WelleErlebnis heute Nachmittag dienen. Auf dem Weg zum Physiotherapeuten *danke, Horst, für diese Sache mit der Achillessehne!‘ steige ich in mein Auto und erblicke im Fußraum auf der Beifahrerseite einen kleinen Badesee. Es fehlte lediglich ein Gummitier und etwas Schilf am Rand, und die Idylle wäre perfekt gewesen.

Da ich zur Zeit manchmal etwas gedankenverloren bin, wanderte mein Blick zunächst nach oben. Es hätte durchaus sein können, dass ich gestern das Verdeck offen gelassen habe. Aber nein.

Beim Anfahren erscholl ein lustiges Gurgeln, während mehrere Liter Wasser nach vorne drängten, gefolgt von einem massiven Schwappen beim Bremsen, unten im Schweller. UND im Fußraum.

Danke, Horst. Das Geräusch war kaum zu ertragen. Jedes ‚Schwapp‘ und ‚Gluck‘ hat mir physisch zugesetzt, der Puls auf 180, der Blick glasig, und die Haare zu Berge. Mein Freund Leonardo sagt, ich sehe aus wie Woody Woodpecker, wenn ich mich aufrege. Er hat nicht Unrecht.

Um die Foltergeräusche zu übertönen, habe ich auf dem Weg zur Werkstatt das Radio angemacht, sehr laut. Und, was meint ihr, hat Horst angeleiert? Ich habe genau in den Refrain von ‚Die perfekte Welle‘ reingeschaltet.

Vermutlich war der Anblick eines hysterisch kichernden Woody Woodpeckers bei der Werkstatt ein bisschen zu viel für die Mitarbeiter und der Grund, warum sie sich trotz Feierabend ans Trockenlegen gemacht haben. Sie hatten Angst vor mir. Oder davor, dass ich morgen nochmal wiederkomme.

Horst hat es sich nicht nehmen lassen, schnell noch einen Tampon hinter dem Beifahrerseitz zu platzieren. Sehr schön, das Bild, der Mechaniker mit dem durchweichten OB in der Hand und dem Hinweis, dass er den dann mal wegwerfen würde.

Vielleicht ist es einfach so, dass ich Horst, der ja durchaus einen feinen Sinn für Humor und eine äußerst subtile Art hat – ich meine: Die perfekte Welle! Da muss man auch erstmal drauf kommen! -, zutiefst getroffen habe, als ich ihm diesen bodenständigen, konventionellen und doch eher altmodischen Namen gegeben habe.

Oder vielleicht ist Horst sogar weiblich.

Horst, es tut mir leid. Ich gelobe Besserung und werde mir einen angemessenen Namen ausdenken. Einen, der Deiner grenzenlosen Phantasie und Deinem schwarzen Humor gerecht wird. Bitte, ruh Dich in der Zeit einfach mal aus, hang loose, mach Urlaub und bleib in der chillout zone. Es sei denn, Du hast etwas Erfreuliches mit mir vor. Ansonsten gilt: rufen Sie nicht mich an, ich rufe SIE an. Wenn ich soweit bin.

Ich wünsche Euch einen trockenen Abend! Eure Kitty

…?!?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wtf…keine Ahnung, was für eine Art von Party man mit diesen Animals feiert – oder machen die Animals Party in der Tüte, wenn keiner guckt? Auf jeden Fall hat der Hersteller offenbar dem niedlichen, aber leider ausgestorbenen ‚Ovalen Lego-Abschlussstein-Tier“ ein Denkmal gesetzt. 🙂

 

Verregnete Grüße, Eure Kitty20150728_232028

Aszendent

Guten Morgen,

Ihr habt sicher schon bemerkt, dass Edelsenf seit ein paar Tagen etwas anders aussieht. Ich bin noch im Experimentierstadium, aber letztlich ist ja das ganze Leben irgendwie ein großes Experiment und Abenteuer, oder? 🙂

Hinzu kommt, dass ich Zwilling bin, und mein Aszendent ebenfalls. Hat mal eine Freundin errechnet und gleich dazu so etwas wie ‚Ohoh…‘ gesagt. Kennt Ihr dieses ‚Ohoh…‘? Ich habe es schon einige Male gehört, und so richtig gut war es nie. Vorsichtig ausgedrückt. Beispielsweise hat es mal der Mann in der Werkstatt gesagt, der eigentlich nur die Glühbirne vorne tauschen sollte. 700 Euro bedeutete das ‚Ohoh….‘ , weil mein Inzwischen-Ex die letzte Birne schief eingebaut und keine Lust hatte, nochmal nachzuschauen;  alles hübsch zusammengeschmolzen da im Scheinwerfer.

Oder die Krankenschwester, die ich nachts nach der OP angeklingelt hatte, weil nach der Entfernung von 4 Weisheitszähnen nicht nur die Wangen, sondern auch die Oberlippe angeschwollen war. Chiara Ohoven hätte lippentechnisch neben mir gewirkt wie Jody Foster. Also wieder das berühmte ‚Ohoh….‘, diesmal in der Steigerungsform mit Ergänzung : ‚Was ist das denn?! Das gab ich ja noch NIE gesehen!!!‘ Liebes Pflegepersonal, so etwas sollte man nicht, niemals, zu verängstigten Patienten sagen, die eh grad befürchten, dass das so bleibt und nicht wieder weggehen wird.

Zwillinge, deren Aszendent ebenfalls Zwilling ist, langweilen sich jedenfalls schnell, sagt meine Hobbyastrologin, und brauchen ständig Abwechslung.  Ich würde diesen Aszendenten gerne mal kennenlernen. Wir würden uns sicher gut verstehen.

Sonnigen Tag, Eure Kitty

 

Verschönebergerisierung

Werbung ist Manipulation. Das weiß ja inzwischen sogar meine Oma Elisabeth. Allerdings scheint dieses Wissen nicht vor der Wirkung zu schützen – anders kann ich mir nicht erklären, warum sich die Werbeindustrie überschwenglich auf die Stars stürzt, an denen die Nation wie eine monströse Klette hängt. Vielleicht ist es wie bei der Kenntnis von den Gefühlsphasen bei Trennungen. Wir haben gelesen, dass irgendwann nach der Verzweiflung die Wut kommt, und werfen ihm trotzdem Juckpulver in den Motorradhelm.

Wen wir bewundern, der KANN ja nur die richtige Kräuterbutter kaufen (und dabei trotz Grillgelage bei 1,75 m 49 Kilo wiegen) oder die richtigen Klamotten in diesem Laden erwerben, der wirkt wie einer dieser Marktstände mit Billigware, nur in vier festen Wänden (Bussard; irgendwas mit Vögeln jedenfalls 🙂 ). Wer sich auch sonst ordentlich schlägt, wegen dem geht man sofort zur Darmkrebsvorsorge. Offenbar eine nicht zu widerlegende logische Kette par excellence in unserem Hirn. Und wenn der Basti diese Reifen kauft und der Schweini diese Chips…..na klar. Ich hoffe, von den Chips kriegt man keine Fußballerwaden.

Die Steffi kaufte Farfalle, den Schmetterling, ja dann, dann taten wir das natürlich auch, schließlich kauften wir die Garantie, dann auch mit den besten Freunden der Welt einen absolut unvergesslichen, lustigen, intellektuellen und hippen Abend zu verbringen.

Nachdem wir Verona und auch die Anke überlebt haben, keinen Spinat mehr mögen und auch niemanden mehr anrufen, weil es sofort Kopfkino  oder besser gesagt, Ohrenkino auslöst, nach einer Telefonnummer suchen zu müssen, und auch nicht mehr versichert sind, weil wir deswegen Alpträume hatten, in denen eine Frau mit zackigem Haaransatz die Hauptrolle spielte, sind neue Stars am Werbehimmel erschienen. Immer schön am Puls der Zeit.

Der berühmte TV-Koch erschleicht sich als Transe Rezepte bei Edeka (nein, das finde ich tatsächlich auch lustig!) und wo die Katze ihre Sofas kauft, na da kann es doch nur Qualität….äh…..nachhaltige….äh…natürliche…was genau bedient sie eigentlich bei uns potenzieller Käuferschar?! Den Wunsch nach schrillen, gepimpten Sofas, bei denen die Füllung alle zwei Jahre erneuert werden muss?!

Aber eine löst bei mir momentan wirklich Bluthochdruck aus, wenn ich nicht rechtzeitig die Fernbedienung erwische. Meist liegt Theo drauf.

Es ist die Babsie. Babsie, die ich eigentlich bislang in ihrer Art soweit ganz sympathisch fand. So locker, selbstironisch und ein bisschen proper. Seit einiger Zeit allerdings ist meine Zuneigung, na, wie sag ich es diplomatisch – ach scheiß drauf. Sie nervt. Noch ein Hoooo-mannhomann, und ich werde nie wieder Kartoffelsalat essen können, ohne einen anaphylaktischen Schock zu erleiden. Das ist echt ärgerlich. Wo doch schon diese Sache mit dem Geflügelfleisch passiert ist. http://edelsenf.de/2015/06/macken/

Wie steuerbar muss die potenzielle Kundschaft sein, wenn Babsie nebenbei außerdem E-Autos (dabei abe isch garrrr kein Autoooo 😉 ), Zahnbürsten und Haarfarbe vertickt. Ja, sind wir denn wirklich so bescheuert?

Zumindest bei mir führt diese gehirnwäscheartige Babsiedusche (wann gibt es denn wohl das erste ‚Dusch mit Babsie, und auch Du wirst eine Schöne(berger)!-Duschgel‘?) dazu, dass ich jeden Auftritt aus einem werbebedingt aggressiven Blickwinkel betrachte. Aus hervortretenden blauen Riesenaugen sozusagen. Das absolute Highlight war für mich daher die deutsche Moderation dieser riesigen Fakeveranstaltung in Wien. Die, bei der Deutschland immer zuletzt noch auf der Bank sitzt und keine Mannschaft will es haben. Wie früher beim Sport. Aber da komm ich ein anderes Mal drauf zurück. 🙂

Mit einer Frisur, die irgendwo zwischen Marge Simpson (in blond), Amy Winehouse (in blond) und einfach einem Unglück anzusiedeln war, erschien sie auf der Bühne. Das Drama auf dem Kopf blieb jedoch weitestgehend unbemerkt. Vielleicht, weil sie diesen explodierten und präparierten Segelfisch trug, dessen Rückenflosse ständig ihr Kinn massierte.

Liebe Werbeleute, bitte, bitte, mehr Coca-Cola- oder Jever-Männer. Weniger Babsie. Und wenn ich Angela Merkel demnächst in einer Slipeinlagenwerbung sehe, gründe ich eine Selbsthilfegruppe.

Glotze aus! Einen schönen Abend wünscht Euch Eure Kitty!