Verschönebergerisierung

Verschönebergerisierung
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Werbung ist Manipulation. Das weiß ja inzwischen sogar meine Oma Elisabeth. Allerdings scheint dieses Wissen nicht vor der Wirkung zu schützen – anders kann ich mir nicht erklären, warum sich die Werbeindustrie überschwenglich auf die Stars stürzt, an denen die Nation wie eine monströse Klette hängt. Vielleicht ist es wie bei der Kenntnis von den Gefühlsphasen bei Trennungen. Wir haben gelesen, dass irgendwann nach der Verzweiflung die Wut kommt, und werfen ihm trotzdem Juckpulver in den Motorradhelm.

Wen wir bewundern, der KANN ja nur die richtige Kräuterbutter kaufen (und dabei trotz Grillgelage bei 1,75 m 49 Kilo wiegen) oder die richtigen Klamotten in diesem Laden erwerben, der wirkt wie einer dieser Marktstände mit Billigware, nur in vier festen Wänden (Bussard; irgendwas mit Vögeln jedenfalls 🙂 ). Wer sich auch sonst ordentlich schlägt, wegen dem geht man sofort zur Darmkrebsvorsorge. Offenbar eine nicht zu widerlegende logische Kette par excellence in unserem Hirn. Und wenn der Basti diese Reifen kauft und der Schweini diese Chips…..na klar. Ich hoffe, von den Chips kriegt man keine Fußballerwaden.

Die Steffi kaufte Farfalle, den Schmetterling, ja dann, dann taten wir das natürlich auch, schließlich kauften wir die Garantie, dann auch mit den besten Freunden der Welt einen absolut unvergesslichen, lustigen, intellektuellen und hippen Abend zu verbringen.

Nachdem wir Verona und auch die Anke überlebt haben, keinen Spinat mehr mögen und auch niemanden mehr anrufen, weil es sofort Kopfkino  oder besser gesagt, Ohrenkino auslöst, nach einer Telefonnummer suchen zu müssen, und auch nicht mehr versichert sind, weil wir deswegen Alpträume hatten, in denen eine Frau mit zackigem Haaransatz die Hauptrolle spielte, sind neue Stars am Werbehimmel erschienen. Immer schön am Puls der Zeit.

Der berühmte TV-Koch erschleicht sich als Transe Rezepte bei Edeka (nein, das finde ich tatsächlich auch lustig!) und wo die Katze ihre Sofas kauft, na da kann es doch nur Qualität….äh…..nachhaltige….äh…natürliche…was genau bedient sie eigentlich bei uns potenzieller Käuferschar?! Den Wunsch nach schrillen, gepimpten Sofas, bei denen die Füllung alle zwei Jahre erneuert werden muss?!

Aber eine löst bei mir momentan wirklich Bluthochdruck aus, wenn ich nicht rechtzeitig die Fernbedienung erwische. Meist liegt Theo drauf.

Es ist die Babsie. Babsie, die ich eigentlich bislang in ihrer Art soweit ganz sympathisch fand. So locker, selbstironisch und ein bisschen proper. Seit einiger Zeit allerdings ist meine Zuneigung, na, wie sag ich es diplomatisch – ach scheiß drauf. Sie nervt. Noch ein Hoooo-mannhomann, und ich werde nie wieder Kartoffelsalat essen können, ohne einen anaphylaktischen Schock zu erleiden. Das ist echt ärgerlich. Wo doch schon diese Sache mit dem Geflügelfleisch passiert ist. http://edelsenf.de/2015/06/macken/

Wie steuerbar muss die potenzielle Kundschaft sein, wenn Babsie nebenbei außerdem E-Autos (dabei abe isch garrrr kein Autoooo 😉 ), Zahnbürsten und Haarfarbe vertickt. Ja, sind wir denn wirklich so bescheuert?

Zumindest bei mir führt diese gehirnwäscheartige Babsiedusche (wann gibt es denn wohl das erste ‚Dusch mit Babsie, und auch Du wirst eine Schöne(berger)!-Duschgel‘?) dazu, dass ich jeden Auftritt aus einem werbebedingt aggressiven Blickwinkel betrachte. Aus hervortretenden blauen Riesenaugen sozusagen. Das absolute Highlight war für mich daher die deutsche Moderation dieser riesigen Fakeveranstaltung in Wien. Die, bei der Deutschland immer zuletzt noch auf der Bank sitzt und keine Mannschaft will es haben. Wie früher beim Sport. Aber da komm ich ein anderes Mal drauf zurück. 🙂

Mit einer Frisur, die irgendwo zwischen Marge Simpson (in blond), Amy Winehouse (in blond) und einfach einem Unglück anzusiedeln war, erschien sie auf der Bühne. Das Drama auf dem Kopf blieb jedoch weitestgehend unbemerkt. Vielleicht, weil sie diesen explodierten und präparierten Segelfisch trug, dessen Rückenflosse ständig ihr Kinn massierte.

Liebe Werbeleute, bitte, bitte, mehr Coca-Cola- oder Jever-Männer. Weniger Babsie. Und wenn ich Angela Merkel demnächst in einer Slipeinlagenwerbung sehe, gründe ich eine Selbsthilfegruppe.

Glotze aus! Einen schönen Abend wünscht Euch Eure Kitty!

2 Gedanken zu „Verschönebergerisierung“

  1. oh Gott, warum musstest du die Angela zum Schluss erwähnen?! Jetzt bekomm ich das Bild nicht mehr aus dem Kopf, alles Denken an eine Blümchenwiese und ein lila Pony helfen nichts 😮

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