*gg*

Samstag war ich bei meiner Freundin Hannah zum Grillen eingeladen. Ich habe abgelehnt und mir zum Abendessen eine Dose Ravioli warmgemacht. Im Topf. Wie sich das gehört. Da weiß man, was man hat.

Seit ein paar Jahren habe ich Angst vor BBQ-Einladungen. Man weiß man ja überhaupt nicht mehr, was einen beim ‚Grillen‘ erwartet. Das ist wie beim Einkaufen. Brötchen an der Tankstelle, Blumen im Möbelladen und Badeanzüge bei Tchibo. Oder wie bei der Post. Einfach nur Briefmarke und raus geht nicht mehr. Ein mehrminütiger Vorgang zur Kaufabwicklung ist zu absolvieren. Kein Wunder, dass das Porto immer teurer wird. 🙂

Bei Klaus und Garnet zum Beispiel gab es Ende Juli eine Grillparty. 5 Stunden durften wir beobachten, wie der stolze Hausherr dozierend um den bereits 30 Stunden zuvor angeworfenen Smoker schlich, um uns dann zerrupftes Schwein in einem inzwischen ausgetrockneten Brötchen zu servieren. Die Geier kreisten schon, sie hofften auf verhungerte Opfer. Ich habe ihnen heimlich mein Brötchen gegeben und mir auf dem Nachhauseweg einen Döner geholt. Der war in 5 Minuten fertig.

Mein Cousin hatte neulich einen Temperaturfühler in den Steaks, der via App und Bluetooth die Innentemperatur aus der Entfernung vermeldete, so dass die Steaks aber GENAU auf den Punkt nach ihm rufen sollten. Wo bleibt da eigentlich die Grillromantik? Dann kann man auch einen Grillteller gegenüber bei Kismet bestellen, oder? Naja, jedenfalls, als es nach 20 Minuten bedenklich qualmte, haben wir die Steaks gelöscht. Wie sich herausstellte, hatte sich Kulles App mit dem Temperaturfühler im Schweinebraten des Nachbarn im Ofen verlinkt.

Auf dem Grill von Steffi und Tim lag ein Deckel, und nach 15 Minuten wurde die erste Pizza vom Pizzastein serviert. Wie vom Intaliener, so Steffis enthusiastische Ansage. Ey….welcher Italiener grillt Pizza?! Das war fast so befremdlich wie der Geheimtipp, mit dem uns Anne neulich überraschte. Pizzateig samt Belag in Raclettepfännchen zubereiten. Ein großes Hallo. Schon nach 45 Minuten war die erste Portion schon fast halb gar.

Bei Mareike köchelte im Schrebergarten ein Chilli auf dem Grill, Sandra präsentierte stolz Tassenküchlein *von der Restglut‘ mit einem leichten Kotelettbeigeschmack. Marc braucht einen neuen Grill, weil seiner unter dem drehbaren Spieß – oder besser gesagt, unter dem Spanferkel – zusammengebrochen ist. Was dann mit dem halbrohen Tier passiert ist, habe ich nicht mehr verfolgt, ich hatte schon beim Anblick der Apparatur mit dem Grappa angefangen.

Bei Markus entwickelte sich der gemütliche Abend zu einem echten Erlebnis. Nachbarn dachten, auf seinem Balkon sei eine wüste Schießerei ausgebrochen, als das Popcorn in dem speziellen Grill-Popcornmaker für sagenhafte 59 € auf dem Rost zu ploppen anfing. Das SEK bekam eine große Tüte mit.

Auch Peer hat ein neues *gg* – Grill-Gadget. *grins grins* ist passé, die Abkürzung wird dringend anders gebraucht. Einen Reinigungsroboter. Unter Geräuschentwicklung wie ein startender Hubschrauber macht er in drei Stunden den Grill so sauber, als wenn man ihn per Hand kurz mit einem trockenen Tuch abwischen würde. Ein echter Fortschritt. Man muss aber einen Deckel drauf machen, sonst stürzt der Grillroboter ab. Peer braucht einen neuen, weil ein Igel ihn adoptiert und unter seine Hecke geschleift hat. Er lässt sich dort wollüstig die Stacheln säubern und ist jetzt der King im Igelreich.

Ich hab echt Angst vor der nächsten Grillsaison. Vielleicht müssen wir unsere Bettwäsche auf der Restglut bügeln. Ich schmeiß mir jetzt eine Bratwurst in die Pfanne. Macht Euch einen lauschigen Sommerabend! Eure Kitty

Neptun oder Horst. Oder einfach nur Schietwetter.

Seit inzwischen vier Tagen liege ich mit so einem Virus flach. Die Einzelheiten möchte ich Euch, obwohl Freundin klarer Worte, lieber ersparen. Nur soviel: heute ist der erste Tag, an dem ich mich 30 zusammenhängende Minuten lang vor die Wohnungstür getraut habe. Um Toilettenpapier zu kaufen.

Während ich also diesen Zustand auf meiner Couch genieße, es draußen gießt, kracht und blitzt, und ich denke: ‚Ach, es kann bei Gewitter auch ganz schön gemütlich sein!‘ (Seufzen), klingelt es Sturm. Ein schönes Wortspiel, ob der Wetterlage.

Nichtsahnend habe ich trotz meines immer noch recht desolaten Zustandes aufgemacht; sowohl die Nachbarn als auch der Postbote sind es mittlerweile gewöhnt, mir im schlumpfigen Outfit zu begegnen. Also ich. Nicht der Postbote. Eigentlich – und deswegen bin ich mir mit der Schuldzuweisung nicht ganz sicher – hätte bei meinem Aufzug mal wieder der bestaussehendste Nachbar ever vor der Tür stehen müssen. Aber vielleicht hat es Horst für den Nachbarn nicht ganz gereicht.  Ich hatte die Croqs nicht an. Statt dessen war es die Nachbarin aus der 3. Barfuß und mit einer Schippe sowie einem leeren Farbeimer bewaffnet tropfte sie vor sich hin, und teilte mir mit, der Keller sei abgesoffen, ob ich schippen helfen könne.

Uneingedenk des Virus bin ich mit ihr nach unten gestiefelt, dann noch einmal umgedreht, um die Badelatschen zu holen und nochmal schnell ins Bad zu gehen, wieder runter, um mir einen Überblick zu verschaffen. Lieber nochmal kurz ins Bad. Dann eine Kellerecke weiter.

Die Nachbarin aus der 1., die eher klein ist, kam mir in einem größeren, immerhin leeren Eimer Kartoffelsalat entgegen geschippert. Beinahe wäre sie gekentert, als ihr ein Koffer in Familiengröße gegen den Henkel krachte. Ich kraulte in meinen Keller hinüber, holte Luft und ging kurz auf 2,50 m runter auf der Suche nach meinen Tauchuntensilien. Meine Nachbarin war zwischenzeitlich abgetrieben, ich fand sie im Fahrradkeller und bot ihr meine Schnorchelausrüstung an, die sie zitternd und dankbar entgegen nahm. Bei dieser Transaktion verlor ich einen Badelatschen sowie die Contenance, als mir eine Bisamratte freundlich quiekend entgegen kam. Naja.

Bei einem kleinen Abstecher ins Bad nahm ich eine Luftmatratze aus der Wohnung mit, die ich, wieder unten im Keller, dem Ehemann der eher kleinen Nachbarin anbot. Er ist ebenfalls nicht besonders groß und diese Herumhüpferei und das Blubbern waren wirklich nicht schön. Zuletzt sah ich ihn, fröhlich Shanties singend, in Richtung Heizungskeller dümpeln. Ich glaube, er hatte „Wir lagen vor Madagaskar“ auf den Lippen.

Nach gut drei Stunden schippen, wischen, saugen, schleppen war es auch schon erledigt. Wie in den alten Zeiten bei meinen Eltern im Keller, der bei jeder Gelegenheit absoff (meine Heimatstadt liegt unter Null!), dümpelten nur noch die leichteren und Gegenstände wie Alibertschränke, Staubsauger und Kühlschränke in den Gängen. Autoreifen, Werkzeugkisten und der Aufsitzmäher hatten festen Boden unter sich. Der Aufsitzmäher guckte immerhin schon wieder raus, wie ein Wrack bei Niedrigwasser. Bücherkartons hatten sowieso in vorderster Front gegen die Wassermassen gekämpft und verloren.

Ich bin dann erstmal wieder rauf. Ins Bad. Das Gröbste ist ja geschafft. Ich glaube, sie suchen im Moment noch nach Rudolf. Das ist der Mops von denen aus dem 2. Aber die können ja ganz gut schwimmen und auch die Luft anhalten, hab ich gehört.

Nun grübele ich allerdings noch über Folgendem: nachdem ja vor zwei Wochen Horst bereits mein Auto hat absaufen lassen, frage ich mich, ob a) dies die Rache dafür ist, dass ich noch keinen neuen Namen für ihn/sie/es – mein Schicksal – gefunden habe, oder b) ich statt dessen Neptun in irgendeiner Weise erzürnt habe. Ich werde ihm etwas opfern, vorsichtshalber. Was opfert man dem Gott des Meeres bzw. des Wassers? Ein Saunatuch?! Arielle-Schaumbad? Einen Regenschirm?

Ich werde weiter darüber nachdenken, während ich mal eben schnell zu Rewe rüberschwimme. Toilettenpapier kaufen.

Kommt trocken über’s Wochenende, Eure Kitty!