Nacht!

Irgendjemand hat letzte Nacht mal wieder mein Bett vertauscht. Oder möglicherweise sogar ein anderes, gleichaussehendes Bett in eine Kulisse geschoben, die mein Schlafzimmer in meinem Schlafzimmer darstellt, aber nicht mein Schlafzimmer ist.

Anders ist jedenfalls das folgende Phänomen nicht zu erklären, es sei denn natürlich, ich bin paranoid, aber das bin ich nicht. Ich WEIß, dass sie mich verfolgen.

Vorgestern Nacht noch hat mein Bett einladend und verheißungsvoll gewispert: „Komm, Süße, lass uns kuscheln, ich warte schon so lange auf Dich! Du willst es doch auch!“, sobald ich ins Zimmer kam. Kaum, dass mein Kopf das passgenaue und anschmiegsame Kissen berührt und der Rest wohlig in den Tiefen der samtig-warmen Decke versunken war, befand ich mich in Morpheus Armen, träumte süß und schlummerte selig. Eine himmlische Ruhe umgab mich. Die Matratze: ein Gedicht. Genau richtig für meinen wohlgeformten Luxuskörper, der sich die Erholung rechtschaffen verdient hatte. Angenehm dunkel, aber nicht stockfinster, umgab mich die friedliche Luft meines Gemaches.

Am Morgen kitzelte mich ein kleiner Sonnenstrahl neckisch und liebevoll zum Wecken an der Nasenspitze und ein Vögelchen zwitscherte draußen: „Guten Morgen, liebe Kitty, ein wunderbarer Tag wartet auf Dich!“. Ich sprang, energiegeladen, fröhlich, singend, gut gelaunt aus dem Bett, reckte mich und pfiff dem Vögelchen einen lieben Gruß zurück, bevor ich trällernd ins Bad hüpfte und mich freudig im Spiegel begrüßte.

In der Erwartung, eine weitere solche wunderbare Nacht zu verträumen, öffnete ich gestern Abend die Schlafzimmertür.

Feindselig starrte mich aus der Ecke ein zusammengekauertes Möbelstück an, auf dem aber unverkennbar meine Bettdecke lag. Es knurrte mich an. Da hab ich noch geglaubt, dass wäre ein Witz. Ich stieß mit dem kleinen Zeh beim Umrunden an einen der Bettpfosten und sah erstmal Sterne. Ich bin mir sicher, dass der Pfosten sich ein paar Zentimeter bewegt hat. Da ich todmüde war, zog ich mich trotzdem schnell aus und legte mich hinein, in der Hoffnung, dass dann alles gut ist.

Die Bettdecke schlug unwillig Falten. Da meine Füße eisig waren, versuchte ich, sie einzuwickeln. Daraufhin ging mir die Decke nur noch bis zur Hüfte. Ich stand wieder auf, um mir eine Wärmflasche zu machen. Beim nächsten Versuch hatte sich die Molekularstruktur des Kissens verändert. Egal, wie ich mich oder es drehte und wendete, es war zu flach, zu hoch, kratzte, war zu kurz, klappte über mir zusammen und fiel letztlich aus dem Bett. Die Wasserflasche am Bett kippte um. Ich hörte deutlich, dass sie nicht richtig zu war. Ein zartes Pitzeln und Perlen auf dem Parkett. Unglaublich, was so kleine Geräusche für Auswirkungen auf das Nervensystem haben können.

5 Minuten später, Boden trocken, Fuß nass, lag ich wieder drin. Die Matratze versuchte zuerst, mich zu verschlucken, dann, mich auszuspucken. Mein Nachbar über mir fing an, Minigolf zu spielen. Ich stellte mich auf’s Bett und warf ein Buch mehrfach von unten an die Zimmerdecke. Nachdem ich das Nasenbluten gestillt hatte, weil es mir genau ins Gesicht gefallen war, kroch ich gedemütigt wieder zurück. Leider musste ich nach wenigen Minuten nochmal aufstehen, weil das Buch den Vorhang beiseitegeschoben hatte, als ich es wutentbrannt in die Ecke geworfen hatte, und die Straßenlaterne genau auf mein Gesicht schien.

Es war inzwischen 3.35 Uhr. Der Nachbar war fertig mit dem Breitensport. Ich musste auf’s Klo.

Ich ignorierte bei Rückkehr in die eiserne Jungfrau die klebrigen Stellen auf meinem Kissen. Das sollte ich am nächsten Morgen noch bitter bereuen, als ich in mein (Nasen)blutverschmiertes Gesicht im Spiegel starrte und mit einem Schlag schockwach war.  Zumindest lenkte das von den tiefen Augenringen ab und davon, dass mein Gesicht diese neue Modefarbe hatte. Greige. Über die Stirn zog sich senkrecht und eindrucksvoll der Grand Canyon. Aber soweit war es ja noch nicht. Ich schlief endlich ein. Mehr so eine Art Ohnmacht, schätze ich.

Um 4.17 Uhr fingen draußen die Krähen an zu brüllen.

Um 4.53 Uhr versuchte eine Mücke, in mein Ohr einzuziehen.

Das ist auch so ein Ding. Wirklich, ich bin nicht paranoid, aber in meinem Schlafzimmer sind Mücken, die werden unsichtbar, wenn das Licht angeht. Ha. Ich weiß, was Ihr jetzt denkt, aber das tun sie!!!!Ich vermute, es ist irgend so ein geheimes Militärprojekt. Oder Volkswagen. Sie testen an Mücken, ob man bei Versuchsreihen demnächst einfach das ganze Auto verschwinden lassen kann, statt nur die Abgaswerte zu manipulieren.

Jungs, bitte, nehmt heute Nacht jemand anderen. Ich kaufe so oder so keinen VW. Und gehe jetzt raus, die Krähen wach machen.

Schlaft schön, Eure Kitty

 

 

Gegendert

Ich will nicht gegendert werden. Herrgottnochmal (oder heißt es Fraugottnochmal, weil ich eine Frau bin?). Ich finde, das nimmt langsam Formen an….

Ja, liebe Kritikerinnen und Kritiker, natürlich ist mir bekannt, dass Gender Mainstreaming weitaus mehr umfasst als die Vorgabe, überall und immer weibliche UND männliche Form von irgendwas, oder am Besten die geschlechtsneutrale zu verwenden. Aber ich will mich hier mal darauf beschränken. Obwohl….da kommen wir/ich/Du/er/sie/es auch ganz schnell Richtung diskriminierungs- und barrierefrei. Und selbstverständlich (bevor gleich die Empörung ausbricht) will ich mit diesem Beitrag nicht die wichtigen Verdienste von Frauen und Männern schmälern, die sich für Gleichberechtigung von wem auch immer eingesetzt haben.

Aber dennoch: wäre ich in den vielen Stunden, die ich damit verbracht habe, Texte unangreifbar zu formulieren, schwimmen gegangen, dann hätte ich jetzt ein Kreuz wie die von Monaco in ihren besten Trainingszeiten.

Mit Grausen erinnere ich mich an eine Broschüre, die ich gestaltet habe, um alle unsere Ausbildungsberufe vorzustellen. Nach der 20. Seite „Unsere Auszubildenden zu Fachinformatikerinnen und Fachinformatikern werden durch unsere versierten Ausbilderinnen und Ausbilder umfassend in das Berufsbild eingewiesen, unterstützt durch die Dozentinnen und Dozenten an den Berufsschulen sowie der/dem jeweiligen Ausbildungsbeauftragten, um später alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter technisch so unterstützen zu können, dass sie den Anforderungen der Kundinnen und Kunden gerecht werden können.“ hatte ich die Schnauzin voll.

Außerdem fing meine Gehirnin an, sich zu verwirren. Ist es denn gendergerecht, z.B. von Eltern zu sprechen? Verzweifelt suchte ich nach der Einzahl, um nicht zum Beispiel verwitwete Väter (heißen Frauen verwitwert?) zu diskriminieren. Und aber geschlechtsneutral zu bleiben. Vielleicht müssen wir langsam auch neue Wörter erfinden.

Was ist, wenn ich von einem Übergang spreche? Der Übergang nach der Ausbildung in ein festes Arbeitsverhältnis zum Beispiel, und ich habe eine Rollstuhlfahrerin/einen Rollstuhlfahrer unter den Auszubildenden, die/der quasi hinüberrollen würde? Ein zu ahndender Fauxpas möglicherweise. Der Rausschmiss. Pranger. Schande über Mutter/Vater/Bruder/Schwägerinnen und Schwager, Cousinen und Cousins, Großmutter, und meine ungeborenen Töchter, Söhne, Transgenderkinder und sonstige Nachfahrinnen und Nachfahren. Gesellschaftliche Ächtung und nachfolgend Verwahrlosung könnten die Folge sein. Mittlerweile saß ich zitternd im Büro und traute mich nicht mehr, ans Telefon zu gehen.

Das Dilemma hört aber auch da nicht auf. Neulich sah ich einen TV-Aufruf. Jemand war aus einer Seniorinnen- und Seniorenwohnanlage verschwunden. Ganz offenbar wurde ein Mann gesucht, der asiatischer Herkunft war. Durchaus ja ein optisches Merkmal, dass die Suche erleichtern könnte. So wie knielange rote Haare zum Beispiel. Verzweifelt suchte der Sprecher nach einer Umschreibung dafür, die political correct, aber auch sachdienlich war. Zum Schluss sagte er: „Wir suchen einen Menschen. Wenn Sie einen gesehen haben, wenden Sie sich an die nächste Polizeidienststelle.“ Und brach in hysterisches Gekicher aus. Er wurde trotzdem gefeuert. „Seniorinnen- und Seniorenwohnanlage“ ist ja nun echt auch nicht tragbar.

Unsere ortsansässige Zeitung stellte meinem Arbeitgeber neulich eine Stellenanzeige in Rechnung. Sie kostete in etwa doppelt so viel wie noch vor einigen Jahren, obwohl nur noch die Essentials und der Hinweis auf die Homepage erwähnt war. Aber „Wir suchen eine Mitarbeiterin/einen Mitarbeiter mit einer Ausbildung zur Bürokauffrau/zum Bürokaufmann, die/der die Ansprüche von Kundinnen und Kunden, die sich in einem nicht sehr frühen Lebensabschnitt befinden, zu bearbeiten hat. Bewerberinnen werden Bewerbern gegenüber bei gleicher Eignung bevorzugt eingestellt. Ebenso werden Bewerberinnen und Bewerber, bei denen ein Grad der Behinderung von mindestens 50 festgestellt wurde oder bei denen derselbe Grad mindestens 30, aber unter 50 beträgt, und die über einen Gleichstellungsbescheid verfügen, bei gleicher Eignung bevorzugt eingestellt.“ kostet eben. Meine Toleranzin zum Beispiel. Ich fühle mich nämlich diskriminiert, wenn hervorgehoben wird, dass ich Anspruch auf bevorzugte Behandlung habe, weil meine Geschlechtsgenossinnen und ich in bestimmten Positionen unterrepräsentiert sind. Aber hört jemandin/jemand darauf? Nee. Das wird ignoriert. Mannohmann. Ach so, `tschuldigung. 🙂

Ich frage mich, wie lange Italien noch in der EU bleiben darf. Dort wird immer die männliche Form verwendet, wenn es um eine Gruppe geht, in der sich nur ein einziger Mann befindet. Also 1000 Frauen, ein Mann, und es heißt „ciao belli“ und nicht „ciao belle e bello“. Der Hammer. Frauen aller Welt, vereinigt Euch – das muss ein Ende haben und solange gibt es keine Pizza mehr. Basta. Gibt es eigentlich schon eine Patin?

Wie dem auch sei, ich mache mir jetzt einen schönen Gurkinnen- und Gurkensalat.

Schönen Abend, Ihr Liebinnen und Lieben, Eure/Deine/Ihre Kitty