U-Kitty

Nach einem total verpennten Wochenende mit ersten Anklängen der norddeutschen Winterdepri stand ich gestern Abend vor dem Spiegel, und eine verknautschte, müde und mopsige Kitty starrte im fahlen Licht der untergehenden Herbstsonne zurück. Nee, so geht das nicht weiter.

Statt Extreme couching Bewegung, so war der Plan. Soll ja gut für so ziemlich alles sein. Am Besten Frühschwimmen, denn zum einen dachte ich, morgens um 6.30 Uhr ist niemand außer mir so bekloppt, ins Wasser zu gehen, und ich bin mit dem Desaster einigermaßen unbeobachtet – den Bademeister hätte ich schon irgendwie zum Schweigen gekriegt. Zum anderen hat meine Freundin Lena berichtet, Schwimmen hätte ihr, abgesehen von den Umständen, echt gut getan, aber das ist eine andere Geschichte.

Nach gut 50 Minuten hatte ich auch schon den Badeanzug wiedergefunden, unter der Thermowäsche aus dem gruseligen Skiurlaubsversuch von 2000. Skifahren inklusive Liftbenutzung ist eine total bescheuerte Idee, wenn man Höhenangst hat. Am Hintern war der Anzug bereits ein bisschen aufgeribbelt, dunkel erinnerte ich mich, dass ich mehr auf irgendwelchen Holzstegen gesessen habe statt zu schwimmen, was dem heutigen Zustand sicherlich entgegen kam. Aber egal, die Motivation war groß. Die Badelatschen waren endgültig verschollen, aber wozu hat man seit ein paar Jahren diese Gummientenfüße.

Um 6.15 heute Morgen habe ich mich erst aus dem Bett und dann in den Badeanzug hineingequält. Einer von uns hatte die Größe gewechselt; irgendwie habe ich dann aber alles verstaut bekommen. An der aufgeribbelten Stelle spannte es bedenklich, aber ich gedachte mich ja unter Wasser fortzubewegen, würde also keiner sehen. Los ging’s. Voll enthusiastisch im Schwimmbad mein ganzes Zeug in den Streichholzschachtelgroßen Schrank gequetscht. Nachdem ich endlich das System mit dem Coin begriffen, den Schrank verschlossen und wieder aufgeschlossen, die Croqs rausgenommen, ab-, aufgeschlossen, mein Handtuch und mein Duschzeug herausgenommen und nochmal abgeschlossen hatte, war ich blaugefroren und suchte das Becken. Nach einem kurzen Abstecher in die Herrendusche, in der man mich freudig und mit großem Hallo begrüßte, hab ich es dann auch gefunden. Die Croqs machten bei jedem Schritt ein sportliches Blubber-Pups-Geräusch.

Fassungslos betrachtete ich das Piranhabecken. Alles voller Menschen. Das Wasser schien zu brodeln und zu kochen, außer ganz links. Auf der äußeren Bahn trieben 6 ältere Damen umher, bewegungslos, wie es schien, und sabbelten, was das Zeug hielt. 2 trugen Badekappen, ich wusste überhaupt nicht, dass es die noch zu kaufen gibt. Über dem ganzen Szenario hing eine Elnett-Duftwolke, die meine Augen zum Tränen brachte.

Was im übrigen Becken vor sich ging, war in dem Gewühle schlecht auszumachen. Vorsichtig wagte ich rechts außen den Einstieg und wurde prompt von einem hemmungslosen Krauler übergemäht. Als ich das Wasser aus der Lunge hatte, begann ich, mir schwimmend einen Weg zu bahnen. Ein Ausflug zu Flipper und seinen Freunden ist nichts dagegen. Hektisch schwimmende Frauen versuchten panisch, ihre Haare im Trockenen zu behalten, Ehrgeizige kraulten wie die Weltmeister und begruben alles unter sich, was auf ihrem Weg lag. Ein Herr, der anscheinend dabei war, sein Schwimmabzeichen „Frosch“ zu machen, erwischte den Träger meines Badeanzugs, der daraufin ächzend nachgab. Während ich krampfhaft meinen Badeanzug festhielt, beobachtete ich mit inzwischen chlorgeröteten Augen eine der Badekappen. Sie stieg aus dem Wasser und trug am ganzen Körper seltsame Apparaturen aus Schaumstoff. Hand- und Fußgelenke steckten in Manschetten und am Oberkörper trug sie eine Weste, ähnlich wie Wasserskifahrer.

Das reichte. Panisch klammerte ich mich am Beckenrand fest, mit einer Hand den Anzug sichernd, und versuchte, mich zum Ausstieg zu hangeln. Auf dem Weg zur Treppe erwischte mich dann ein Mann, der sich einem Schaufelraddampfer gleich auf dem Rücken fortbewegte. Da er zwei Bahnen dafür brauchte, war mein Ausweichmanöver aussichtslos. Als ich zu mir kam, standen eine Badekappe, ein Flipper, zwei Schaumstofferscheinigungen und der Raddampfer besorgt um mich herum, während der Bademeister fürsorglich meinen Kopf auf den Croqs bettete. Nun war auch klar, warum der Rückenschwimmer so viel Energie einsetzen musste, um vorwärts zu kommen – die Hydrodynamik seiner Rückenbehaarung war schon durchaus ein erschwerendes Element.

Hinkend schlich ich von dannen, um im Umkleideraum festzustellen, dass ich mein verdammtes Armband samt Coin in dem Gemenge verloren hatte. Badekappe 2 kam mir bereits entgegen und rief „Ihr Koi, junge Frau, sie haben den Koi verloren!“, und winkte mit dem Ding. Auf dem Rückzug platzte die aufgeribbelte Stelle.

Morgen versuch ich es mal mit Bowlen.

Ich wünsche Euch einen bewegten, trockenen Tag! Eure Unterwasser-Kitty