Vegan.

Bekloppte Welt. Wieso muss Pflanzliches wie gebratene Ente schmecken?!?! Ich warte im Gegenzug  auf Frikadellen halb + halb, die wie Aprikosen schmecken, und Schweinegeschnetzeltes, das wie ein Bauernsalat mundet. Gleich beim Griechen bestelle ich versuchsweise mal Pommes mit Gyrosgeschmack, und dazu alkoholfreien Ouzo.  🙂 Prost, Eure Kitty

Je suis.

Je suis. Et quelque fois je me demande, OÙ.
(Ich bin. Und manchmal frage ich mich, WO.)

Was ist das für eine Welt, in der radikalisierte, vollkommen durchgeknallte, menschenverachtende Terroristen wahllos, skrupellos, höchst brutal das Leben unschuldiger Menschen auslöschen und Leid und Entsetzen verbreiten. Über die Getroffenen, die Angehörigen, eine Nation. Über uns alle. Im Namen einer Religion und ihr zugeschriebener seelenloser Ziele. Kein Gott kann das wollen.

Je suis. Et quelque fois je me demande, si je VEUX être.
(Ich bin. Und manchmal frage ich mich, ob ich sein MÖCHTE.)

Hier, auf diesem Planeten, auf dem Waffen zum Wohle der Produzenten verkauft werden, um woanders Krieg zu führen. Auf dem Menschen Menschen foltern, bekämpfen, ermorden. Auf dem Kinder verhungern. Auf dem Tiere gequält und unser aller Lebensraum durch unsere Art und Weise, mit ihm umzugehen, zerstört wird. Auf dem es nach wie vor Rassismus gibt und Gleichberechtigung nicht überall gelebt wird.

Je suis. Et quelque fois je me sens impuissant. Et j’ai peur.
(Ich bin. Und manchmal fühle ich mich hilflos. Und habe Angst.)

Ich möchte etwas tun. Und weiß nicht, was.

Und ich habe Angst. Angst vor der Fratze des Terrors. Vor Körpern ohne Seele. Vor dem, was wir in der Natur angeschoben haben. Vor Verrückten, die Brandsätze in Flüchtlingsheime werfen, Vorurteile schüren und versuchen, sie sich zunutze zu machen. Und denen, die ihnen blindlings folgen. Vor Menschen ohne Herz. Es macht mir auch Angst, dass es kaum toleriert wird, wenn kritische Fragen zur aktuellen Situation in unserem eigenen Land gestellt werden. Wir wollen – ich will – eine bunte Gesellschaft, in der demokratische Grundsätze unabdingbar gelten. Aber Sorgen, die sich nicht gegen den schutzsuchenden einzelnen Menschen, nicht gegen seine Würde und seine Rechte richten, die nicht polemisierend oder hetzerisch ausgedrückt werden, haben aktuell dennoch kaum Raum. Wer sie stellt, wird niedergebrüllt und in eine Ecke gedrängt. Rechts hinten. Auch das bedeutet Einschränkung.

Je suis. Et parfois je veux seulement être Kitty. Parce que je ne sais pas supporter être „Charlie“ toujours.
(Ich bin. Und manchmal möchte ich nur noch Kitty sein. Weil ich es nicht immer aushalte, „Charlie“ zu sein.)

Die vergangene Nacht, dieser 13. November in Paris, macht mich unendlich traurig und wütend. Es ist bereits schwer, damit umzugehen, wenn ich ich bin. „Charlie“ ist für mich zu einem Synonym für alle vom Terrorismus getroffenen Menschen geworden. Seine Perspektive einzunehmen, kann ich nicht immer aushalten. Weil ich dann nicht mehr weiß, wohin mit meinen Tränen und meiner unendlichen Hilflosigkeit und Wut. Dennoch – Terrorismus meint nicht einzelne. Er meint Gesellschaften, Systeme und Kulturen. Und so bin ich doch nie nur Kitty. Ich bin immer auch ein Stück „Charlie“. Und dieses Stück tut gerade unendlich weh.

Je suis.

Und manchmal wünsche ich mir, das Universum würde diesen Planeten in seine großen Hände nehmen und mit einem feuchten Tuch alles abwischen, was darauf ist. Ihn dann einschmelzen und die heiße Kugel zurück ins All werfen. Damit sich Leben entwickeln kann, das eine neue Chance hat, mit diesem Geschenk achtsam umzugehen.

Je suis. Et il est de plus en plus importante de savoir, QUI je suis.
(Ich bin. Und es wird immer wichtiger zu wissen, WER ich bin.)

Angst ist ein warnendes, manchmal lebenserhaltendes Gefühl. Es ist schlecht, sie zu verdrängen. Aber sie darf nicht die Oberhand gewinnen. Es gilt, sie anzunehmen, sich über die persönlichen Werte im Klaren zu sein und sie zu verteidigen. Es gilt für mich, für andere, für Nationen. Ich gehe raus auf den Markt und kaufe ein. Ich sehe viele ernste Gesichter, und ich höre besorgte Satzfetzen. Aber ich sehe auch Lächeln, Vielfalt und pralles Leben. Ich bekomme einen Apfel geschenkt. Ich begegne Menschen, für die dieselben Werte gelten wie für mich. Und es sind nicht nur Einzelne, es ist unsere Gesellschaft, die für sie steht. Für Humanität, Mitgefühl, Toleranz und Respekt. Für ein Miteinander, in dem jeder Platz hat und sich entfalten kann, solange er nicht die Freiheit und die Würde anderer einschränkt. Für Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft.

Das gibt mir ein Stück meiner Zuversicht zurück.

Je suis Paris. Und mein ganzes Mitgefühl gilt den Menschen dieser Stadt.

Kitty

#Paris

U-Kitty II

Um es mal vorwegzunehmen – wenn das so weitergeht, dann werde ich eine neue Kategorie generieren. Eine, die sich ausschließlich um das Schwimmen rankt. Arbeitstitel vielleicht….Nautilus.

Denn ich war heute erneut beim Frühschwimmen, und es ist schon eine völlig andere Parallelwelt dort, über die es sich zu schreiben lohnt. Psychologen hätten ihre helle Freude beim Beobachten und Analysieren der verschiedenen Stereotype, die dort ihren Auftritt haben. Ich habe Euch ja bereits von meinen eindrücklichen Begegnungen mit den ersten Arten bekannt gemacht.

Und auch Forscher könnten auf Bahnrechendes stoßen und sich so in der wissenschaftlichen Welt verewigen. Also, wer das hier liest, hat zum Beispiel die Chance, sich die Hauberia duscha xxx…i anrechnen zu lassen. Schönebergeri oder so. Ich habe sie zwar entdeckt, aber da bin ich freigiebig. Sprich mich an, wir verhandeln das. J

Ich hab vor ein paar Tagen einen Bericht gesehen, wonach nämlich genau diese Art der freilebenden gemeinen Duschhaube als ausgestorben galt. Wissenschaftler vermuteten zwar, dass trotz rigider Verbote ein gewisser Schwarzmarkt besteht und einige der seltenen Exemplare heimlich in Privatwohnungen gehalten werden. Aufgrund der Brisanz eines solchen Besitzes ist die entsprechende Szene jedoch außerordentlich verschwiegen, zudem meist schwerhörig, so dass diese Annahme nie verifiziert werden konnte. Weltweit galt es somit als sicher, dass nur noch die im Zuchtprogramm vermehrten Exemplare in den zertifizierten Übernachtungsbetrieben leben. Umso erstaunter war ich heute Morgen, als ich die Tür zur Dusche öffnete und mir eine Haube entgegenstarrte. Sie war bereits etwas ramponiert. Mir stand der Mund offen. Ich weiß, es wäre meine Bürgerpflicht gewesen, die Haube an mich zu nehmen, zu retten und einem beflissenen Fachmann auszuhändigen, aber zum einen sah sie da auf diesem grauen Lockenköpfchen sehr glücklich aus, zum anderen hatte das Lockenköpfchen einen ausgesprochen kampfeslustigen Blick und einen Bizeps, dem man 75 Jahre Frühschwimmen ansah.

Naja. Man kann sie halt nicht alle retten.

Im Bad selbst kam es dann zum Showdown mit zwei neu entdeckten Musterexemplaren, Angehörige von Arten, die beim letzten Mal nicht dort war. Da war zum einen Don Quijote. Eigentlich ist das Bild jetzt nicht ganz logisch, denn der Mann WAR die Windmühle, aber mir gefällt die Bezeichnung. Don Quijote also schwamm in demselben abgetrennten Sektor wie ich. Getarnt hatte er sich mit Schwimmbrille und blauer Sportbadekappe, so dass ich zunächst glaubte, es sei ein Kampfschwimmer. Mit denen kann ich inzwischen umgehen. Wenn sie mir zu dicht aufschwimmen, dreh ich mich um. Sie prallen gegen meinen Busen und ich schreie laut: „Der hat mir in den Busen gebissen!“; danach hab ich meine Ruhe.

Aber leider war das mit DC nicht so einfach. Entweder konnte er noch nie wirklich schwimmen, glaubte es aber, oder er kann es jetzt nicht mehr, in seinen goldenen – nein, silbernen – Jahren. Und weiß es trotzdem nicht. Denn DC bevorzugt das Rückenschwimmen und wirft dabei die Arme nach hinten. Also, ansatzweise in einem so ca. 100 Grad-Winkel vom Körper aus betrachtet. Und zieht dann natürlich durch; ungefähr die halbe Hand hat er dabei über der Wasseroberfläche, was in seiner unmittelbaren Umgebung – also so in fünf bis sechs Metern Umkreis – eine Art Tsunami auslöst. Es hört sich an wie das Auftauchen von Moby Dick. Nachdem er mir im Vorbeischwimmen etliche Male eine Riesenwelle von hinten über den Kopf praktiziert hat, habe ich den Sektor gewechselt und bekam noch mit, dass ein anderer Silberrücken ihm – ebenfalls auf dem Rücken schwimmend – entgegen kam und daher die Welle von vorne übergespült bekam. Er machte empörte Geräusche, ähnlich wie Antje, das Walross. Der Bademeister blies in die Pfeife, aber das hörte DC unter der Kappe wohl nicht. Oder tat so.

Wähnte ich mich nicht in sicheren Gewässern, so sah ich mich bald getäuscht. Denn auf meiner Bahn befand sich ein Kampfschwimmer. Und ich hatte eine neue Unterart entdeckt. Dieser hier hatte einen Spickzettel auf eins dieser Schaumstoffboards geklebt und es am Beckenende aufgestellt. Wie es schien, sein Trainingsplan, auf den er ständig lugte. Also, ICH denke ja, das waren Verschnaufpausen, die er tarnen wollte. Nach fünf Minuten etwa hielt er dort inne und schnallte sich harte Plastikpaddel an die Handflächen. Mit denen kraulte er los. Wie ein Berserker. WIE hart, sollte ich 20 Sekunden später feststellen, als er mir eins der Dinger volle Kanne in die Kniekehle rammte. Ich sah Sterne. Im Untergehen hörte ich noch, wie durch Watte, ein gemurmeltes „Sorry“, dann drosch er weiter auf das Wasser ein, während ich um mein Leben kämpfte. Ich verlor kurzzeitIg das Bewusstsein, könnte aber schwören, dass eine der Badekappen aus Bahn 1, eine von diesen Schaumstoff-ummantelten Nanas, mir hämisch ihr albernes Pseudosurfbrett auf den Kopf schlug.

Der Bademeister streitet das ab. Ich glaube, er lügt. Mein Orthopäde sagt, zu Weihnachten könnte ich schon wieder ohne Krücken gehen. Dann werde ich mit einem riesigen aufgeblasenen Elch direkt ins Becken springen und „Die Wanne ist voll“ singen. Und dann können sie mal sehen, wie sie mich da wieder rauskriegen.

Feuchte Grüße,

Eure Kitty

 

Lost in space

Zum Greifen nah die Bühne, sie und ich und die Erwartung eingehüllt in Nebel, und wir werden nicht enttäuscht werden.

Das ist so ziemlich das Einzige, was ich weiß, und, dass Erwartung nur bedeuten kann, das Unerwartete zu erwarten, also mehr Neugier ist auf das Feuerwerk, das soeben die Bühne betritt.

Er ist für die nächsten Stunden mein Pilot im Shuttle, und er sieht grad aus wie ein Zirkusdirektor. Aber weder Paillettenpuffärmel noch Lurexhose – deren Reißfestigkeit mir etwas Sorge macht – stören die unglaubliche Präsenz von und mein Vertrauen in Sven Ratzke, im Gegenteil. Und nun ist es auch schon zu spät für Bedenken. We have launched.

Schillernd, rotzig, frech entführt er mich durch die Jahrzehnte, David Bowie ist unser Co-Pilot, und er passt zu Ratzke mindestens genauso gut wie Brecht.

Getrieben von Zeit und Liebe, das sind sie, unsere Raubtiere, und sie treiben uns durch das New York und den Rest der Welt der 70er Jahre und lassen mich in einem kleinen Acid-Wölkchen schweben. Ich fühle mich wohl, denn vor mir, zum Greifen nah, ist dieser große Major in Plateaustiefeln, mir kann nichts passieren, und dann ist da auch noch diese Frau, die sich uns angeschlossen hat, sie ist wunderschön und ihre Zunge ist eine Schlange. Das wundert mich erst am nächsten Tag.

Fast brutal, laut und rockig, witzig und dann wieder ganz leise ist er, und als er völlig versunken Space Oddity singt, möchte ich mit Tränen in den Augen auf die Bühne steigen und ihn umarmen, alleine, so alleine wirkt er plötzlich in diesem Saal voller Leute. Poesie steigt auf und wabert durch den Raum wie eine Seifenblase, plötzlich platzt sie, und es regnet Sternenstaub auf mich herab, fein, glitzernd und duftend nach dem Universum.

1 Milliarde Sterne gibt es, soviele wie Menschen, für jeden einen, sagt Ratzke, und ich fühle mich gleichzeitig geborgen und winzig, verlassen und getröstet.

Sven Ratzke, ein Ausnahmekünstler, der virtuos die Klaviatur des Ausdrucks und der Emotionen bespielen kann und dabei immer authentisch ist. Ich schließe die Augen und denke, jetzt klingt er ein bisschen wie Bowie, nein, jetzt wie Robbie Williams, nein, wie….und ich öffne sie und es ist Sven Ratzke. Natürlich ist er es und niemand sonst, dies ist keine Tributeparty und das ist gut so, denn es wäre schade, wenn er nicht er wäre.

Einzigartig, verwirrend und inspirierend, diese Selbstdarstellung um seiner selbst Willen.

Intellektuell ist das Programm, respektlos und beinahe philosophisch, die Performance macht so unglaublich Lust, weiterzufliegen, scheiß doch drauf, was alles passieren könnte und ich fühle mich wie ein Heroe for one day. Ich möchte jetzt gerne einen Cocktail mit ihm trinken, besser noch einen Absinth, im Viertelmond schaukelnd, zusammen mit David Bowie, Major Tom, Elizabeth Taylor, die Hand in Hand mit Warhol auch soeben eingestiegen ist, und Alexander Geerst. Horst an meinem Tisch, dem er soeben einen Kuss auf den etwas schütteren, ergrauten Scheitel drückt, muss hier bleiben, er ist Astra-Trinker.

Manchmal zickige Diva, manchmal so unglaublich androgyn und dann so männlich, Sven Ratzke gehört der Saal, er swingt, er flirtet, er lacht und schockt und nur seine Hose macht mir noch Gedanken.

Am Ende verlasse ich das Theater leicht verstört, erhaben und bereichert. In dieser Nacht habe ich wilde Träume, von gelben Salamandern, Sven Ratzke nimmt meine Hand in seine starke und wir schlendern durch den Central Park und sind plötzlich im Nichts, ein weißes Loch hat uns verschluckt. Andy Warhol, der schnatternd auf meiner Brust sitzt und mir sagt, ich könne fliegen, ich solle es doch vom Chelsea Hotel aus probieren. Ich wache auf und sehe etwas auf meinem Kopfkissen glitzern. Es ist ein Sternenstäublein.

Danke für einen wunderbaren Abend, #SvenRatzke.

Kitty