Endzeit.

Endzeit.
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Nun geht es fast zuende, dieses Jahr, und es ist an der Zeit, mein Lebkuchengebettetes und Marzipanumwabertes Gehirn mal wieder an die frische Luft zu lassen. Und meine Finger aus den Süßigkeiten. Genauer gesagt, aus den Raffaellos, die ich zu jeder Gelegenheit bekomme, seit Oma mitbekommen hat, dass ich sie mag. Das Problem an der Sache ist, dass es die Dinger immer noch nicht als 25 cm-Riegel gibt, sondern nach wie vor, von hämischen Sadisten mit üblem Humor liebevoll verpackt, als lächerlich kleine Kugeln, die man einzeln auspacken muss. Und dann liegt auf dem Tisch ein riesiges Mahnmal aus Zellophan und Kokosbröseln, starrt mich anklagend an und schreit: „ Waagewaagewaage! Und Umwelt. Bäh.“.

Die Waage mobbt mich ohnehin um diese Zeit ganz extrem, deswegen schneide ich sie. Ich weiß ja, was sie zu den Raffaellos und den Bailey’s-Berlinern sagen würde, die sich irgendwie 1:1, Form und Fettanteil beibehaltend, auf meinen Hüften niedergelassen haben. Der Haselnussbrand von Heilig Abend hat sich da doch etwas gleichmäßiger verteilt.

Und jetzt sind sie da, diese Tage zwischen den Jahren – oder zwischen den Tagen oder wie auch immer es nun heißt. Immerhin weiß ich jetzt dank Google (wem auch sonst), warum man das so sagt. Weil sich irgendwelche machtbesessenen Herrscher, Päpste, Hofnarren nicht auf einen einzigen gültigen Kalender einigen konnten und somit etwas übrig blieb. Dazwischen. Wo sonst eigentlich nichts sein kann. So ähnlich muss die verdammte Sommer-/Winterzeit zustande gekommen sein.

Vielleicht finde ich die Zeit deshalb so unangenehm. Ich habe Endzeitstimmung. Es ist den ganzen Tag dunkel, die ersten Knaller knallen schon seit Tagen mit Knallern, die Menschen sind anders als sonst (oder vielleicht bin auch nur ich es), und dann droht morgen Silvester. Dieses ominöse Datum, auf das man ab Weihnachten unweigerlich und ferngesteuert zufliegt.

Dabei ist das Weihnachtsfest in meiner Familie noch sehr gemütlich und lustig. Nach einem besinnlichen Advent mit tausend Einkäufen, Terminen, Vorbereitungen und dem einen oder anderen Antistress-Glühwein findet sich die Familie nach gutem Essen und mit erschöpfter Gastgeberin unter dem Baum wieder und würfelt um die Geschenke. Auch dieses Jahr; ein großes Hallo. Der Abend nahm eine unumkehrbare Wendung in Richtung des besagten Haselnussbrandes, als sie – die Gastgeberin – ein Überraschungsgeschenk von Schwiegermama auspackte und nach dem Entfernen von zehn verschiedenen Verpackungen eine Kokosnuss vorfand. Ich hab noch immer Bauchweh vor Lachen.

Liegt aber vielleicht auch am ersten Weihnachtstag. Familienkaffee. Eine enge Blutsverwandte, die ich lieber nicht namentlich nenne, weil sie stets mit Enterbung droht, erzählt von einem TV-Bericht: irgendwo gibt es ein Dorf, in dem einmal im Jahr ein „Nacktradeln“ stattfindet. Der ganze Ort schwingt sich im Adamskostüm auf wild designte Räder. Es wird gefilmt und gepostet, was das Zeug hält.

Ihr Beitrag endet hier. Und Onkel Edo, dessen Hörkraft nicht mehr optimal ist, fragt: „Und wie warm war nu das Wasser?“  Loriot ist zurück. In meiner Familie, als Drehbuchautor. Willkommen. 🙂 Ich glaube, er dürfte sich wohlfühlen.

An Silvester habe ich schon fast alles durch. Von Skiurlaub (das war gut, bis zu der Sache mit dem Schneemann) über Riesenparties bis hin zu „gemütlichen“ Pärchen-/Zuhause ist es schön-/“toll, dass ihr zu uns kommt, wir können ja wegen der Kleinen nicht…“-/Fondue-/Raclette-/Bleigießen-/Tischfeuerwerk-Abenden.

Irgendwie endet es, mit leichten Abwandlungen je nach Konstellation, s.o., immer ähnlich. Um Mitternacht herum – gekoppelt an den Alkoholkonsum manchmal auch etwas eher – kippt die Stimmung. Entweder sind alle vollgefressen und stocknüchtern (die einen wegen der Kinder, die Gäste aus Loyalität), keiner weiß mehr, wer beim Monopoly/Uno/Tabu dran ist und das Gastpärchen ist entnervt, weil es um 0.05 kein Taxi findet, um endlich nach Hause zu kommen. Oder halt die Partyvariante. Frank politisiert und polemisiert, Hannah findet ihre Schuhe nicht mehr, Tina hat einen Moralischen (ich sowieso), im Aquarium schwimmen drei Erdnussflips und in der Bowle ein Skalar, der morgen verkatert sein dürfte. Marcel knutscht mit Petra, weil er denkt, sie ist Maren, und als Maren das merkt, bricht die Hölle aus. Ralf bekommt die Badezimmertür von innen nicht mehr auf und weil ihn wegen des Theaters keiner hört, hat er mit dem Handy die Feuerwehr angerufen. Das ist gut, weil Mario und Carsten gerade beim Absinth-Zelebrieren den Esstisch in Brand gesetzt haben.

Na dann. Auf in den Kampf 2015/16. Kommt gut rein, und tut nichts, was ich nicht auch tun würde.

Und Finger weg von Absinth. 🙂

Alles Liebe, Eure Kitty

Ein Gedanke zu „Endzeit.“

  1. Was torkelt👣so spät ⏰ durch Nacht🌚und Wind🌀? Es ist ein🍀🐷Glücksschwein🍀🐷das lallt und singt🎤! Das alte Jahr ist morgen futsch💥, ich wünsche jetzt schon🌠nen guten Rutsch.
    Alles Liebe und Gute für 2⃣0⃣1⃣6⃣😘

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