Super-Ski.

Es ist Euch ja vielleicht schon aufgefallen, nach einigen zarten Hinweisen meinerseits, dass ich, vorsichtig ausgedrückt, kein Winterfreund bin.

Möglicherweise diesem Umstand ist ein typischer „Kitty“ zu verdanken, den ich Euch nicht vorenthalten möchte. Denn mit meiner Winterantipathie einher geht eine, nennen wir es mal… Blockade, was jeglichen Wintersport angeht. Nicht nur, dass ich mich auf Skiern oder Schlitten in etwa so fühle wie ein Husky, der in den Tropen Hula tanzen soll, ich finde es auch sterbenslangweilig, mir Wintersport im TV anzugucken.

Allerdings trifft das auch auf Snooker zu. Holzfällen. Kochen. Iceroadtrucker. Oder Krabbenfischen in Alaska. Bei den Krabben dachte ich erst, Dmax wiederholt täglich dieselbe Sendung, bis ich gemerkt habe, dass sie daraus tatsächlich eine Serie zusammengebastelt haben. Über Monate!!!!!

Dessen ungeachtet zappt man ja aber das eine oder andere Mal auch durch  Berichte hindurch. Gestern ist mir dann ein fundamentaler Durchbruch im Bereich des Skifahrens gelungen. Seit mindestens 30 Jahren ärgere ich mich über die total bescheuerte Aussprache der Reporter vor Ort und frage mich, warum sie allesamt das Wort „Ski“ nicht richtig aussprechen. Und ob es irgendwie vornehm klingen soll, wenn sie etwas sagen, was klingt wie das englische „G“ statt „Schi“. Super-G statt Super-Ski. Tja. Dank Google bin ich jetzt aufgeklärt. Liegt also daran, dass es ein englisches „G“ ist.

Ich bleib dem Wintersport vorsichtshalber weiter fern. Ist wohl für uns beide besser. 🙂

Eure Kitty

Köln.

Eine Armlänge. Kaum ist 2016 geboren, so hat sich bereits ein schwerer Schatten über das Kind geworfen und die Fee am Bett hat ihm die ersten bösen Worte ins Ohr geflüstert. „Du sollst eine Armlänge Abstand halten, denn sonst geschehen Dir schlimme Dinge!“

Im aktuellen Horrorfilm haben sie alle mitbekommen, die Worte; anders als im einschlägigen Märchen – und anders als die Geschehnisse in der Silvesternacht in Köln. Denn von denen hat zunächst mal kaum jemand etwas mitbekommen, abgesehen natürlich von den drangsalierten, bedrohten, bestohlenen und sexuell belästigten Frauen am Bahnhof.

Ich weiß gar nicht so recht, wo ich anfangen soll, diese Situation zu betrachten, so viele Kommentare gibt es schon und trotzdem muss da was raus aus mir, und wie ich sie auch drehe und wende, ich finde viele Stellen, die mir ein heftiges Unwohlsein verursachen. Mir ist ganz flau. Ich schaue ins Netz, in die Zeitung, TV, und habe das Gefühl, in eine andere, schlechte Zeit zurück oder in einen neuen, für mich inakzeptablen Lebensstil hinein versetzt zu werden.

Sind denn alle bekloppt? Medien und Politiker? Die Täter sowieso.

Ich höre, wie TV-Sender (nachdem sie vier Tage nach den Vorfällen endlich beginnen, überhaupt zu berichten, von Ausnahmen abgesehen) zum Beispiel entgegen allen Zeugenaussagen davon sprechen, dass nicht bekannt sei, welcher Herkunft die Täter sein könnten. Bloß nichts Falsches sagen. Wenn überhaupt. Und bin irritiert. Was hat das noch mit neutraler Berichterstattung zu tun?

Vielleicht sollen dadurch Panikmache und das Schüren ausländerfeindlichen Gedankengutes vermieden werden, denn dass diese Form der Information systematisch und nicht „einfach so“ geschieht, ist offensichtlich. Und in den letzten Monaten gang und gäbe. Aber verdammt nochmal, hier gibt es doch relevante Informationen und Beobachtungen. Wie weit sind wir gekommen, dass diese unter den Tisch gekehrt werden?! Ich fühle mich verarscht, verunsichert und als Bürger ausgebootet. Ich will mir selbst eine Meinung bilden und eine Position beziehen, dafür möchte ich informiert sein, und zwar objektiv und nicht abwiegelnd und durch eine rosarote Multikultibrille.

In dem Bemühen, alles diskriminierungsfrei, politisch korrekt und über jeden Zweifel, ob da nicht ausländerfeindliches Denken attestiert werden könnte, erhaben zu formulieren, werden Berichte zur Grotesken. Demnächst werden wohl die ersten Fahndungsplakate veröffentlicht, auf denen nur noch von einer „Person“ statt von Frau oder Mann die Rede ist, auf denen weder Alter noch Aussehen erwähnt werden, und am besten auch nicht, um welche Straftat es eigentlich geht. „Wegen XXX suchen wir eine Person. Bitte melden Sie sich, wo Sie möchten. Falls Sie möchten. Sonst ist es auch nicht schlimm.“

Ich lese, dass der zuständige Innenminister des Landes sagt, man werde das „nicht hinnehmen“, was in Köln passiert ist. Nicht hinnehmen? Ja, was denn sonst? Steht „wir nehmen das hin“ zur Diskussion? Das ist doch der erschreckende Umkehrschluss. Eine solche Selbstverständlichkeit darf nach meinem Empfinden überhaupt nicht Gegenstand einer Stellungnahme zu diesen Straftaten sein. Und einige Berichte sprechen dann auch noch von einer „scharfen“ Reaktion. Wie hätte die sanfte denn ausgesehen? Vermutlich hätte er sich einen Papphut aufgesetzt und in eine Karnevalströte geblasen. Ende der Vorstellung.

Weichspülen tut nicht jedem Gewebe gut.

Ein Moderator im Frühstücks-TV hat heute erklärt, nun müssten auch Männer – und sowieso alle – zu Frauenbeauftragten werden. Sch… nochmal, aus dem Stadium waren wir doch schon längst heraus.

Da tönen die uneingeschränkt Befürwortenden der Zuwanderung im überheblichen Brustton besserer Menschen, dass es lächerlich sei zu glauben, dass eine Minderheit unsere Gesellschaft durch ihre Weltanschauung, Sitten und Gebräuche beeinflussen kann. Wie naiv.

Milch, in die man Erdbeerpulver einrührt, bleibt auch nur weiß und wird nicht rosa, wenn man die Augen zumacht.

Wie das von statten geht, eine solche Veränderung, ist am Beispiel Köln deutlich zu sehen. Denn die Vorfälle am Bahnhof haben nicht nur unmittelbare Konsequenzen, insbesondere für die Opfer, sondern ziehen noch viel weitere Kreise. Gerede darüber, dass Frauen Beauftragte brauchen, um ihre Rechte gewahrt zu sehen. In Deutschland. Verhaltenskodex für Frauen, um nicht zu „provozieren“. Nicht stattfindende Berichterstattung, sowohl durch Medien als auch durch die Polizei. Allein das IST bereits Veränderung. Eine alarmierende.

Ich will niemanden haben müssen, der mich schützt. Ich will nicht in einem Land leben, in dem Menschen erklärt werden muss, dass man mich bitte nicht anfassen soll. Ich will nicht dafür kämpfen müssen, abends alleine mit einer Freundin auszugehen. Ich will meine Gedanken nicht vergiftet sehen durch das Vergleichen von Angeboten für Pfefferspray und die Planung, welchen ungefährlichen Weg ich am besten von A nach B einschlage. Selbst wenn ich mit rasantem Ausschnitt in einer Menschenmenge tanze, hat mich niemand zu belästigen.

Und dass (nicht nur ich) solche Sätze überhaupt auch nur denke, ist ein unerträglicher Rückschritt in die Steinzeit.

Dass ich ernsthaft nachgezählt habe, ob ich das Wort „deutsch“ vielleicht zu oft in diesem Text gewählt habe und somit in den Verdacht geraten könnte, rechts zu sein, ist gruselig. Toleranz wird radikalisiert. Nicht mehr Big Brother is watching me and you, sondern die selbsternannten Kreuzritter der social media, die jeglichen auch noch so konstruktiv-kritischen Ansatz mit ihrem Schwert niedermähen. Dahergaloppierend auf dem Ross der Entrüstung und im glänzenden Harnisch, gefertigt aus Selbstgerechtigkeit und Halbwissen, ein Schild aus Überheblichkeit vor sich her tragend und den Gral des Allwissenden in den Satteltaschen wähnend.

Und das Ross trägt Scheuklappen.

Genau auf diese Art und Weise, liebe Kreuzritter, verändern Minderheiten gleich welcher Art Gesellschaften. Indem rücksichts- und hemmungslose, von was auch immer getriebene Kriminelle „Straftaten einer völlig neuen Dimension“ (so der Kölner Polizeipräsident) verüben und unseren Medien und Volksvertretern nur die Schamesröte ins Gesicht steigt, wenn sie sich verhaspelnd dazu äußern müssen, so, alles hätten sie selbst die Straftaten begangen. Hilflos wirkt das, peinlich und beschämend finde ich das. Und Euer Schwert schwebt über jedem, der etwas dazu sagt.

Ich fühle mich manipuliert und eingeschränkt.

Nein, selbstverständlich sind nicht alle Ausländer Verbrecher, auch nicht potenziell, jedenfalls nicht mehr als Deutsche auch, und nein, selbstverständlich sind nicht alle Deutschen gesetzestreu oder auch nur nette Menschen (und schlimm, dass ich mich veranlasst sehe, auch das hier ganz deutlich zu sagen, weil ich nämlich ahne, was ansonsten losbricht, am Kern meines Textes vorbei). Aber wenn extra3 schreibt:

„Wenn wir schon verallgemeinern müssen: Nicht Ausländer, sondern Arschlöcher belästigen Frauen“ ,

dann platzt mir der Kragen. Nicht nur, dass der Vergleich hinkt, denn die angerissene These 1 (Ausländer belästigen Frauen) ist eine Verallgemeinerung bzw. Unterstellung, These 2 (Arschlöcher belästigen Frauen) ist eine Bewertung und aus meiner Sicht kaum zu widerlegen, es sei denn, man ist selber ein Arschloch. Dann hält man sexuell Übergriffige vielleicht nicht für eben solche. Und Vorsicht: nicht alle Arschlöcher belästigen Frauen. Ein schmaler Grat, auf dem extra3 da wandert. Viel schlimmer jedoch finde ich, dass hier gleich wieder in vorauseilendem Gehorsam und belehrend-sarkastischem Tonfall schwarz/weiß gesehen wird. Und extra3 das Phänomen der Verallgemeinerung verallgemeinert. Nicht jeder, der sich Sorgen über die Konsequenzen der sich verändernden Gesellschaft macht, schert alle über einen Kamm.

Die Frage, was sich gesellschaftlich verändert, wenn ein erheblicher Anteil der Bevölkerung aus anderen Kulturkreisen kommt, lässt sich durchaus differenziert betrachten. Und muss im Übrigen auch gestellt werden, alles andere wäre bescheuert und verantwortungslos, unseren und nachfolgenden Generationen gegenüber.

Und zwar zum einen, ohne das hohe Gut der Menschlichkeit aus den Augen zu verlieren und ohne die Grundrechte zu vernachlässigen, aber zum anderen auch ohne historisch bedingtes pauschales schlechtes Gewissen, demutsvolle Buckelei, verlegenes Gescharre und verschämtes Drumherumgerede. Es gibt auch noch eine gesunde, realistische, objektive Bandbreite zwischen „Alle Ausländer sind Verbrecher“ und „Wir lieben Euch alle, bitte, macht es Euch gemütlich und fühlt Euch wie zuhause“, und es muss erlaubt sein, sich zu positionieren, ohne in die intolerante, unmenschliche, rechtsradikale Ecke gedrängt zu werden.

Herausforderungen und Probleme, die nicht nur auf uns zukommen, sondern bereits da sind, lassen sich nur angehen, wenn man sich traut, sie wahrzunehmen und sie offen und ehrlich zu thematisieren. Das betrifft alle Einflüsse auf unsere Gesellschaft, sowohl von innen  – und hierzu zählen für mich zum Beispiel rechtsradikale Tendenzen – als auch „mitgebrachte“ von außen, auf unser Bildungs- und Gesundheitssystem, unsere Moral und Werte, unser Rechtssystem und unsere Finanzen. Auf unser gesamtes Leben. Es ist Augenwischerei, so zu tun, als wären sie nicht vorhanden oder maximal im Bereich des Fliegengewichtes.

Es gilt, die Balance zu finden. Alles andere ist gefährlich, unwürdig und blauäugig und spielt zudem rechten Gruppierungen in die Hände, die mir den kalten Schweiß auf die Stirn treiben.

Also: nicht den Kopf in den Sand stecken.

Eure Kitty

#Koeln

 

 

 

Schnee-heee-flöck…. uuuurrrrrg.

Aus gegebenem Anlass – das zarte Scharren von Schneeschiebern dringt zu mir herein und es passt außerdem so nahtlos an meinen Silvesterbeschwerdeanfall. Und auch auf die Gefahr hin, verständnisloses Naserümpfen und Stirnrunzeln von allen Winterfans, Schneeliebhabern, Jahreszeitbefürwortern und Skifahrern zu ernten:

Ich oute mich jetzt. Ich finde Winter doof!!! Ich mag keinen Schnee, nein, ich HASSE Schnee, dieses grässliche, kalte, nasse, eben noch weiße und schon schmutzig-matschig-graue Zeug von oben, ich kann watteweich verzauberten Schneelandschaften nichts abgewinnen (die sehen bei 24 °C und Sonne meist genauso schön aus), ich bekomme eine Krise, wenn die ersten Flöckchen fallen. Gesäuselte Bemerkungen wie: „Alles sieht so friedlich aus!“, möglichst noch gepaart mit verklärtem, Kindheitserinnerungeninduziertem Lächeln, machen mich sehr aggressiv. Ich kann nicht Ski fahren, beim Schlitten fahren wird mir schlecht, und vom Deich herunter macht jetzt auch sowieso nicht wirklich viel Sinn.

Ich hasse es, wenn Autofahrer ab der zweiten Flocke plötzlich glauben, nur noch Schritt fahren zu können, zugefrorene Scheiben, und ich krieg‘ die Krise, wenn ich mein Auto erst ausbuddeln muss.

Ich mag keine Winterklamotten. Ich hasse Kapuzen, und dass sie sich nicht mitdrehen, wenn man sich umschaut, so dass man ins Futter starrt, zerknautschte Frisuren unter Mützen, nasse Hosensäume, Schneeränder an den Schuhen und kalte Füße, rote Nasen und klamme Hände. Meine High Heels sind bei Schnee unpraktisch und auch in Boots (alleine dieses Wort – sie kommen gleich nach Croqs) laufe ich wie ein Storch im Salat, sobald es glatt ist. Ich habe schon Schals verloren, die aneinander geknotet von der Nordsee bis nach Kuba reichen würden. Die, die ich nicht verloren habe, habe ich wahlweise in der Autotür eingeklemmt und 15 km durch den Schneematsch geschlurrt, oder habe mich in dem Versuch, sie aus dem Reißverschluss der Handtasche zu befreien, fast erwürgt.

Das knarzende Geräusch von Schnee, wenn man drauf tritt, ist für mich in etwa so, wie für andere das Kratzen mit dem Fingernagel über eine Tafel. Noch schlimmer klingt es dann nur, wenn mein tiefergelegtes Auto mit dem Unterboden über den festgefahrenen Eiswall in der Fahrbahnmitte schabt, der nach einigen Tagen Schnee, Streuen und Frost unweigerlich entsteht.

Theo hat die einzig sinnvolle Art gefunden, mit Schnee umzugehen. Ich versuche jetzt, ihn zum beiseite Rutschen zu bewegen, und rolle mich bis Mai neben ihm zusammen.

Also, bis dann, Eure schneephobische Kitty.