Was liegt am Strand und spricht undeutlich? ………. ’ne Strandnuschel!

Was liegt am Strand und spricht undeutlich? ………. ’ne Strandnuschel!
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Also, entweder, ich fange an zu nuscheln, die menschliche Bevölkerung hört immer schlechter, oder ich werde einfach alt.

Dass andere meinen Namen meistens nicht richtig verstehen, kenne ich ja mittlerweile. Aus Glomb wird gerne mal Glomm, Klomm, Klomp, Klump, Plomb, Plump, Brumm. Mein Briefträger orientiert sich mittlerweile am Vornamen, das ist einfacher.

Versuche, das zum Beispiel am Telefon richtig zu stellen, enden in der Regel so: „Telecom, guten Tag!“ „Ja, guten Tag, mein Name ist Kitty Glomb.“ „Was kann ich für Sie tun, Frau Krump?“ „Nein, nein, ich heiße Glomb.“ „Ach so, jetzt habe ich sie richtig verstanden, Entschuldigung, Frau Monk!“ „Nein, vorne mit ‚Gl…‘, wie bei ‚Glöckner‘!“ „Heißt der nicht Glööckler?“ Spätestens da gebe ich dann auf, sage „Ja, genau!“ und bin für die Dauer dieses Gespräches halt Frau Glööckler. Solange sich das nicht auf meine Lippen auswirkt, soll es mir recht sein. Ändere die Dinge, die Du ändern kannst, akzeptiere die, die Du nicht ändern kannst.

Ein Mitarbeiter vom Waschmaschinenservice bekam neulich Schluckauf vor Aufregung, weil er „Klum“ verstanden hatte. Ich habe ihn in dem Glauben gelassen. Noch nie waren Monteure – gleich drei an der Zahl – so schnell bei mir, um etwas zu reparieren. Es hat also durchaus Vorteile.

Lustige Situationen hat es deswegen auch schon gegeben. Glomb ist der Mädchenname meiner Mutter. In meiner Familie gibt es den Stoßseufzer „typisch Glomb“, wenn eines der weiblichen Mitglieder sich durch besonders …na, sagen wir mal, originelle…. Worte oder Taten hervorgetan hat. An einem feucht-fröhlichen Weinabend auf der elterlichen Terrasse zum Beispiel. Nachdem wir bereits zwei Stunden gegackert hatten und der Stoßzeufzer ungefähr zum sechsten Mal gen Himmel stieg, entstand eine ganz kleine Erschöpfungspause. Mitten in diese hinein fragte der Freund meiner Schwester Lindy, der uns den ganzen Abend nur kopfschüttelnd beäugt hatte: „Darf ich mal was fragen? Was ist eigentlich ein Glomb?“ Ganz ratlos und ernst. Als könne es sich um eine seltene Käferart handeln. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass diese Episode in die glombschen Familienanalen eingegangen ist.

Einzig habe ich seit ein paar Jahren ein bisschen Bedenken, dass eines Tages ein SEK in voller Montur meine Wohnungstür sprengt und mich hops nimmt, weil einmal zu oft jemand beim Mithören meiner Telefonate den Namen „Bomb“ verstanden hat.

In letzter Zeit ist es jedoch so, dass auch andere Dinge nicht richtig ankommen. Letzte Woche war ich mit meiner Freundin Salena im Bistro. Sie bestellt ein Ginger Ale. Der Kellner, ungefähr 19 Jahre alt, starrt irritiert von einer zu anderen und sagt dann zu ihr: „Schwarztee?“ Wir kichern. Nein, Ginger Ale. Er wird rot. Überlegt, dann: „…einen Chai Latte?!“ Wir kichern lauter. Der Arme. Nö, ein Ginger Ale. Daraufhin outet er sich und fragt, was das ist. Wir erklären es ihm. Das Wort „Schweppes“ ruft ein neues Stirnrunzeln hervor. Ich versuche es mit „schmeckt super mit Southern Comfort“ und dann bestellt Salena eine Cola. Mich beschleicht der Verdacht, dass meine Vorlieben und Gewohnheiten und die von anderen Unverstanden jenseits  der 30 möglichweise in die antiquierte Ecke geraten. Jungvolk versteht zwar vielleicht akustisch, was gemeint ist, aber Ginger Ale kommt bei ihnen so an, wie es bei mir ankam, als meine Eltern auf einer Familienfeier begeistert „Kikeriki“ schrien und ich dachte, oh Gott, nun ist es soweit. Kikeriki ist eine unglaubliche Sauerei aus den 70ern. Eierlikör mit Zitronensprudel.

Oder neulich im Club (‚Kneipe‘ kennt ja auch keiner mehr): „Einen Charly, bitte.“ „Der hat heute frei.“ Ich bin ja schon froh, dass Gin Tonic aktuell zum Modegetränk anvanciert ist und daher meist auch geliefert wird, wenn ich ihn bestelle.

Für die Nuschel-/Gehörtheorie spricht allerdings, dass ich gestern im Fischladen war und gefragt habe, ob ich für heute Thunfischsteaks bestellen kann. „Klar“, sagt die Verkäuferin, „schauen Sie mal hier. Wir haben Winterheilbutt, Hai und Lachs, daraus kann ich Ihnen die Steaks schneiden.“ Entweder kann sie auch Wasser in Wein verwandeln….oder – wie gesagt.

Inzwischen habe ich den Fisch abgeholt. Der offensichtliche Lehrling im Fischgeschäft schwenkt triumphierend eine Tüte, wiegt sie, es sind 750 Gramm. Naja, denk ich, ich wollte drei Thunfischsteaks à 200 Gramm, egal. Der Handel ist fast abgewickelt, als ihn eine Kollegin darüber aufklärt, dass es sich noch um EIN Stück handelt.

„Gut, sag ich, wenn Sie ihn eh noch schneiden müssen, ich brauche drei Stück à 200 Gramm, also 600 Gramm.“ …………Denkpause…….. „Ok. Dann schneide ich das in 3 Stücke.“ „Neeeeeeee,“ sag ich, „dann sind es ja immer noch 750 Gramm.“ Ich spreche laut und sehr deutlich, um mich nicht des Nuschelns schuldig zu machen. ……..Denkpause…… „Dann lass ich also ein Stück über…..“ „Ja,“ sag ich, „das ist eine gute Idee, um dem gewünschten Ergebnis näher zu kommen.“

Er hebt an, den Fisch zu säbeln. In etwa so, wie ich ein hartes, massives Biovollkornbrot verzweifelt durchsäge. Ich kann kaum hingucken. Der arme Kerl – also, der Fisch – stirbt gerade ein zweites Mal. Statt einer glatten Oberfläche erhält das Stück eine Art Wellenschliff. Zudem ist es genau ein Drittel stark.

„Dieses Thunfischsteak ist zu dick.“, sage ich. Er starrt mich an. Vielleicht hat er das vordere ‚h‘ in meinem Thunfisch gehört, das in seinem Tunfisch nicht mehr vorkommt, und das verwirrt ihn bis zur Denk- und Körperlähmung. „Wiegen Sie es mal.“ 260 Gramm. Er schneidet ein zweites Stück. Es wäre gut als Carpaccio zu verwenden. 140 Gramm.

 

Eine Kollegin eilt zur Hilfe und gibt Anweisungen. Der Azubi säbelt das verbliebene Stück waagerecht durch. Ein Lappen – Steak kann man nun wirklich nicht mehr sagen – ist nun auf der einen Seite zwei Millimeter dick, auf der anderen gut vier Zentimeter. Das andere etwa umgekehrt. Durch das eine Ende kann ich ihn hindurchsehen, als er es hochhebt und dann erleichtert einpacken will. Aus den Augen, aus dem Sinn.  Ich erkläre sehr deutlich, dass ich diesen Fisch mit seinen unterschiedlichsten Garpunkten wohl kaum auf den Punkt auf den Tisch bekommen werde, um es mal mit dem typischen „Perfektes Dinner“-Sprachgebrauch zu versuchen. Vielleicht ist er ja TV-affin. „Ja, ach so. Also, soll ich die dickeren nun auch ganz dünn schneiden? Oder vielleicht legen Sie in der Pfanne einfach zwei dünne aufeinander?“

Um es jetzt kurz zu machen: es gibt nachher nun Fischfrikadelle.

Es klingelt. Falls ihr nichts mehr von mir hört, war es das SEK.

Immer schön die Ohren spitzen. Eure Kitty

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