Weltfrieden.

Gestern hatte ich Geburtstag. Morgens klingelte mein Wecker und das erste, was ich nach einem „Happy birthday, liebe Kitty“ hörte, war, dass es einen Terroranschlag in Manchester gegeben hat. Nach einem Konzert. Mit etlichen Toten und Verletzten, darunter auch viele Kinder.

Am 23.05. jährt sich nicht nur meine Geburt, sondern ich stehe mit meinem winzigen Ereignis in einem riesigen, wertvollen und ehrwürdigen Schatten, denn am 23.05.1949 wurde das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verkündet. Deswegen ist an meinem Geburtstag immer geflaggt. Und ausgerechnet an diesem Tag geschieht erneut etwas, das die in unserem und anderen Gesetzen verankerten Grundrechte mit Füßen tritt.

Wer denkt schon ständig darüber nach, welche wertvollen Güter dort verbrieft sind? Ich glaube, wenige. Weil viele, wie meine Generation, einfach damit aufgewachsen sind und sie deshalb für sie selbstverständlich sind. Und das ist auch gut so. Es ist so ähnlich wie die Tatsache, dass die meisten nicht 24 Stunden am Tag ganz bewusst für ihre Gesundheit dankbar sind; aber wenn man krank wird, wird es einem bewusst. Und so ging es mir gestern, mal wieder.

Freiheit. Unversehrtheit. Entfaltung. So selbstverständlich. Bis eine Bombe explodiert und Menschen tötet und verletzt, die einen schönen Abend hatten, mit Spaß, Musik und Gleichgesinnten. Sonst nichts. Die ihr Leben genossen und dabei niemanden beeinträchtigt haben.

So verachtenswert ist er, dieser Anschlag auf Unschuldige und auf Werte anderer, dass mir die Worte fehlen. Tatsächlich fühlt es sich an, als wären Teile der Welt erkrankt.

Ich habe mich zu meinem Geburtstag sehr über liebevolle Geschenke gefreut. Gewünscht habe ich mir, und es hatte plötzlich nichts von dem Klischeehaften mehr, was dem Wort manchmal anhaftet, den Weltfrieden.

Traurige Grüße,
Eure Kitty