Super-Ski.

Es ist Euch ja vielleicht schon aufgefallen, nach einigen zarten Hinweisen meinerseits, dass ich, vorsichtig ausgedrückt, kein Winterfreund bin.

Möglicherweise diesem Umstand ist ein typischer „Kitty“ zu verdanken, den ich Euch nicht vorenthalten möchte. Denn mit meiner Winterantipathie einher geht eine, nennen wir es mal… Blockade, was jeglichen Wintersport angeht. Nicht nur, dass ich mich auf Skiern oder Schlitten in etwa so fühle wie ein Husky, der in den Tropen Hula tanzen soll, ich finde es auch sterbenslangweilig, mir Wintersport im TV anzugucken.

Allerdings trifft das auch auf Snooker zu. Holzfällen. Kochen. Iceroadtrucker. Oder Krabbenfischen in Alaska. Bei den Krabben dachte ich erst, Dmax wiederholt täglich dieselbe Sendung, bis ich gemerkt habe, dass sie daraus tatsächlich eine Serie zusammengebastelt haben. Über Monate!!!!!

Dessen ungeachtet zappt man ja aber das eine oder andere Mal auch durch  Berichte hindurch. Gestern ist mir dann ein fundamentaler Durchbruch im Bereich des Skifahrens gelungen. Seit mindestens 30 Jahren ärgere ich mich über die total bescheuerte Aussprache der Reporter vor Ort und frage mich, warum sie allesamt das Wort „Ski“ nicht richtig aussprechen. Und ob es irgendwie vornehm klingen soll, wenn sie etwas sagen, was klingt wie das englische „G“ statt „Schi“. Super-G statt Super-Ski. Tja. Dank Google bin ich jetzt aufgeklärt. Liegt also daran, dass es ein englisches „G“ ist.

Ich bleib dem Wintersport vorsichtshalber weiter fern. Ist wohl für uns beide besser. 🙂

Eure Kitty

Schnee-heee-flöck…. uuuurrrrrg.

Aus gegebenem Anlass – das zarte Scharren von Schneeschiebern dringt zu mir herein und es passt außerdem so nahtlos an meinen Silvesterbeschwerdeanfall. Und auch auf die Gefahr hin, verständnisloses Naserümpfen und Stirnrunzeln von allen Winterfans, Schneeliebhabern, Jahreszeitbefürwortern und Skifahrern zu ernten:

Ich oute mich jetzt. Ich finde Winter doof!!! Ich mag keinen Schnee, nein, ich HASSE Schnee, dieses grässliche, kalte, nasse, eben noch weiße und schon schmutzig-matschig-graue Zeug von oben, ich kann watteweich verzauberten Schneelandschaften nichts abgewinnen (die sehen bei 24 °C und Sonne meist genauso schön aus), ich bekomme eine Krise, wenn die ersten Flöckchen fallen. Gesäuselte Bemerkungen wie: „Alles sieht so friedlich aus!“, möglichst noch gepaart mit verklärtem, Kindheitserinnerungeninduziertem Lächeln, machen mich sehr aggressiv. Ich kann nicht Ski fahren, beim Schlitten fahren wird mir schlecht, und vom Deich herunter macht jetzt auch sowieso nicht wirklich viel Sinn.

Ich hasse es, wenn Autofahrer ab der zweiten Flocke plötzlich glauben, nur noch Schritt fahren zu können, zugefrorene Scheiben, und ich krieg‘ die Krise, wenn ich mein Auto erst ausbuddeln muss.

Ich mag keine Winterklamotten. Ich hasse Kapuzen, und dass sie sich nicht mitdrehen, wenn man sich umschaut, so dass man ins Futter starrt, zerknautschte Frisuren unter Mützen, nasse Hosensäume, Schneeränder an den Schuhen und kalte Füße, rote Nasen und klamme Hände. Meine High Heels sind bei Schnee unpraktisch und auch in Boots (alleine dieses Wort – sie kommen gleich nach Croqs) laufe ich wie ein Storch im Salat, sobald es glatt ist. Ich habe schon Schals verloren, die aneinander geknotet von der Nordsee bis nach Kuba reichen würden. Die, die ich nicht verloren habe, habe ich wahlweise in der Autotür eingeklemmt und 15 km durch den Schneematsch geschlurrt, oder habe mich in dem Versuch, sie aus dem Reißverschluss der Handtasche zu befreien, fast erwürgt.

Das knarzende Geräusch von Schnee, wenn man drauf tritt, ist für mich in etwa so, wie für andere das Kratzen mit dem Fingernagel über eine Tafel. Noch schlimmer klingt es dann nur, wenn mein tiefergelegtes Auto mit dem Unterboden über den festgefahrenen Eiswall in der Fahrbahnmitte schabt, der nach einigen Tagen Schnee, Streuen und Frost unweigerlich entsteht.

Theo hat die einzig sinnvolle Art gefunden, mit Schnee umzugehen. Ich versuche jetzt, ihn zum beiseite Rutschen zu bewegen, und rolle mich bis Mai neben ihm zusammen.

Also, bis dann, Eure schneephobische Kitty.

 

Silvesternacht.

Ich stehe auf dem Balkon und der Schnee fällt herab. Wenige, dünne Fissel, wie Schnee halt hier so ist. Ich hasse Schnee. Ich hasse Silvester.

Ich stehe auf dem Balkon und es ist eiskalt und ich will nicht reingehen, weil ich im Moment dieses Gefühl brauche. Hier draußen zu stehen und zu frieren, um irgendwie abzuklären, bis ich mich nur noch auf das Frieren konzentrieren kann.

Ich stehe auf dem Balkon und die ersten Knaller und Raketen fliegen, die Luft riecht nach verbranntem Feuerwerk. Ich hasse Silvester. Ich weiß nicht, woran es liegt. Vielleicht war es schon immer so. Vielleicht aber auch nicht. Ich kann mich nicht erinnern.

Ich will sie nicht an mich heranlassen, diese allgemeine Erwartungshaltung, ich will weder die erzwungene Partystimmung noch die andererseits zur Disposition stehende innere Einkehr, denn beides macht mich fertig. Beides lauert in den Ecken der Wohnung hinter mir und draußen auf der Straße, überall, bereit, mich anzuspringen und zu überwältigen. Ich wehre mich durch Frieren.

Dass ein neues Jahr ein neues Leben, neue Chancen bedeutet, das suggeriert Silvester, neues Jahr neues Glück, und impliziert dabei subtil, dass man es also selbst vergeigt, wenn es nicht so kommt. Was ändert sich durch den Datumswechsel? Nichts. Denn die Menschen haben am 3. Januar ihre Vorsätze vergessen, weil sie sie nicht aus dem Herzen formuliert haben, sondern weil sie das Gefühl haben, das tun zu müssen. Das macht man Silvester so. Fundamentale Veränderungen im Leben werden in den seltensten Fällen aus Silvestervorsätzen geboren, und deswegen kotzt mich diese vibrierende, angestrengte Erwartungshaltung schon Tage vor Silvester an. Silvester ist ein Blender.

Ich stehe auf dem Balkon und friere, und mein Atem ist sichtbar in der Luft, und ich müsste reingehen, weil ich langsam anfange zu zittern. Aber ich will nicht reingehen, denn wenn ich das tue, dann wird es auf jeden Fall Mitternacht werden, und ich habe das diffuse und leicht durchgeknallte Gefühl, dass durch die Kälte draußen nicht nur ich, sondern auch die Zeit friert und langsamer läuft.

Drinnen ist die Stimmung schon leicht gekippt, jetzt, 20 Minuten vor dem Ereignis. Es ist viel zu warm, die Gäste sind viel zu laut. und nicht mehr nüchtern, irgendein Song tönt in einer Dauerschleife, das Buffet ist geplündert; Sofakissen sind auf den Boden gerutscht, es herrscht eine leicht… ja, desolate, aufgeheizte, fast schon hysterische Atmosphäre. Die Luft ist getränkt von nichtssagenden Gesprächsfetzen und sich überschlagendem Lachen, sie ist gesättigt mit Essensgerüchen, Alkoholnebel, Rauch und warmen Körpern, und es riecht so gar nicht nach einem neuen Leben, einem Beginn.

Und ich stehe auf dem Balkon und unter mir zieht sich eine dünne Schicht gefrorenen Schnees über den Rasen, auf der bereits Feuerwerksreste liegen, denn die Endzeitstimmung wird traditionell ja schon Tage vor Silvester eingeläutet. Sie liegen im Schnee wie bereits gestorbene Boten aus der Zukunft, und hinterlassen braune, ekelige Kriechspuren, als würden sie versuchen, davon zu robben. Vor dem alten Jahr, vor dem neuen Jahr, ich weiß es nicht.

Aber vielleicht passiert dieses Mal ja auch etwas Eigenartiges, eine Art schwarze Magie, und diese ganze seltsame Gesellschaft hinter mir und ich bleiben zwischen den Jahren stecken, in einem Niemandsland zwischen den Zeiten, zwischen den Jahren, und können uns nie wieder befreien; wir stecken fest in einer endlosen Schleife, in einer grauenhaften Silvesterschleife, verdammt in ewiger, unerfüllter Erwartung.

Die Kirchenglocken fangen an, das neue Jahr einzuläuten. Drinnen knallt ein Korken. Ich stehe auf  dem Balkon und auf meiner Hand schmilzt eine Schneeflocke.

Von Herzen alles Liebe, für heute, morgen und das ganze nächste Jahr, Eure Kitty.

Chaos.

Manchmal glaube ich, dass ich vielleicht ein kleines bisschen…. chaotisch bin.

Der Gedanke kam mir heute Morgen – nicht zum ersten Mal -, als ich mich bei meinem Physiotherapeuten wieder angezogen hatte und mir die Haare mit einer Haarklemme zurücksteckte, die ich in meiner Handtasche verstaut hatte. So ein „Hauptsache, es geht schnell und ist praktisch“ – Monsterplastikpropeller, der ebenso wie Croqs in die Kategorie „bei Kauf geistig umnachtet“ fällt.

Beim Rausgehen machte es zunächst laut „plock plock“. Das kam daher, dass sich in meiner Tasche zwei lose Fisherman’s in der Spange verheddert hatten, die nun zur Freude der Patienten im offenen Wartezimmer herausgefallen waren. Während ich sie aufsammelte, machte die Mitarbeiterin am Tresen komische Geräusche. Ich drehte mich zu ihr um, sie konnte vor Lachen nicht sprechen und zeigte hinter mich. Da war nichts, aber irgendetwas fühlte sich komisch an. An der Spange baumelte ein Tampon.

Es ist ja nicht so, dass ich generell etwas unsortiert, lebensunfähig oder unkonzentriert bin. Ich bin zum Beispiel extrem gut bei „Black Box“, kann einwandfrei mit 240 km/h  durch ein Hochgeschwindigkeitsoval fahren (und sogar dabei loslassen 🙂 ) und bei einem Schießwettbewerb im vergangenen Jahr habe ich den ersten Preis gewonnen. Ich war „Chefredakteurin“ unserer Schülerzeitung, bis sie verboten wurde (sie hieß übrigens „Perplex“ – irgendwie hätte mir das vielleicht schon zu denken geben sollen). Meine äußerst engagiert, konzentriert und kreativ dargestellte Meerjungfrau beim „Activity“ ist legendär und der letzte Manager, den ich im Bewerbungsgespräch hatte, gab irgendwann auf und erklärte, ich würde auch wirklich gemeine Fragen stellen. Also, so völlig unstrukturiert bin ich nicht. Es sind halt eher so…… so….. Inselunbegabungen! Ja. So will ich das mal nennen.

Neben Ordnung in meiner ca. 1 m³ großen Handtasche gehören dazu noch einige weitere unwesentliche Lebensbereiche und damit zusammenhängende gedankliche Kapriolen.

So musste mich meine Kollegin mal aus einem Rollup befreien, als wir unseren Messestand aufgebaut haben. Irgendetwas war mir weggerutscht und schwupp, hing ich mit den Haaren in unserem Werbeträger. Das war ganz schön peinlich. Nicht ganz so wie die Sache mit dem Ausleeren der Handtasche neulich bei Gericht http://edelsenf.de/2015/05/tag-7/, aber so richtig toll war das nun auch nicht. Das hängt mit meinen leichten Defiziten im Bereich des räumlichen Vorstellungsvermögens zusammen. Alles, was mehr als ein Teil hat, stellt mich beim Zusammenbau vor unlösbare Probleme. Ich nehme es meinen Eltern heute noch übel, dass ich zu meinem 12. Geburtstag ausgerechnet ein Tangram geschenkt bekommen habe.

Als mein Bruder neulich zu Besuch war, bat ich ihn, zu versuchen, mein verklemmtes Fahrradschloss aufzumachen. Ich hatte schon einige Tage lang unter Zuhilfenahme diverser Werkzeuge sowie Sprühöl daran herumgewürgt, erfolglos, so dass ich dann jeweils stattdessen wutentbrannt zu Fuß gegangen war. Mein Bruder kam mit mir in den Keller, ging zum Rad und hob das Schloss herunter. Es hing nur lose unter dem Sattel statt, wie ich automatisch angenommen hatte, zwischen den Speichen. Ich habe ihm zwar das Versprechen abgenommen, darüber Stillschweigen zu bewahren, aber wenn Tante Emmi Weihnachten den selbstaufgesetzten Brombeerschnaps aus dem Keller holt, kommt das sowieso raus. Kann ich es auch gleich selber beichten.

Nicht ganz so glimpflich lief es ab, als meine Eltern es versäumten, mir zu erklären, dass man beim Bergabfahren mit dem Fahrrad irgendwann bremsen sollte. Offenbar waren sie davon ausgegangen, dass sich einem das doch selbst erschließen müsse. Einem vielleicht. Aber MEIN Gehirn benötigt seine Kapazitäten eben für hochkomplexe andere Vorgänge und kann sich mit derart banalen Dynamikproblemen, die sich auch ganz leicht anders lösen ließen – simple Aufklärung würde in solchen Fällen zum Beispiel reichen – nicht beschäftigen. So ähnlich wie kurz darauf die Sache mit dem Zettel: “Setz bitte um 12 Uhr schon mal die Kartoffeln auf.“ Von Wasser stand da nichts. Und mein Gehirn war vermutlich gerade dabei, die Relativitätstheorie zu widerlegen, also so what. Wäre nicht der Rauchmelder losgegangen und hätte mich abgelenkt, wäre ich heute vermutlich Nobelpreisträgerin. Alles nur wegen Kartoffeln und suboptimal genutzter neuronaler Aktivität.

Von meinen überbordenden Denkprozessen zeugen auch die Notizen, die ich mir manchmal nachts mache, um sie aus dem Kopf zu bekommen. Leider kann ich am nächsten Tag mit meinen Höhenflügen nichts mehr anfangen. Das Satzfragment „Schweinswal brach durch Kolibris“ hat mich, nachdem ich es endlich entziffert hatte, veranlasst, es mit Sprachnotizen zu versuchen. Davon bin ich aber ab, seit ich um 2.30 Uhr im Halbschlaf versehentlich stattdessen meine Oma angerufen habe und „Bobbycar – Hippotherapie – Putin“ zu Protokoll gegeben habe. Sie schüttelt immer noch besorgt das graue Haupt, wenn sie mich sieht.

Wirklich zu denken gibt mir aber folgender Gedankengang, den ich hatte, als ich im Radio davon hörte, dass ab Januar das Briefporto schon wieder teurer werden soll. Ich habe nämlich messerscharf beschlossen, schnell noch Briefmarken auf Vorrat zu kaufen, um die Erhöhung eine Weile zu umgehen.

Manchmal hab ich ein bisschen Angst vor mir. Solltet Ihr mal wesentlich länger als zwei Wochen oder 14 Tage nichts von mir hören, schickt bitte einen Suchtrupp los. Der Bernhardiner sollte den Brombeerschnaps im Fässchen haben.

Liebe Grüße, Eure Kitty

Je suis.

Je suis. Et quelque fois je me demande, OÙ.
(Ich bin. Und manchmal frage ich mich, WO.)

Was ist das für eine Welt, in der radikalisierte, vollkommen durchgeknallte, menschenverachtende Terroristen wahllos, skrupellos, höchst brutal das Leben unschuldiger Menschen auslöschen und Leid und Entsetzen verbreiten. Über die Getroffenen, die Angehörigen, eine Nation. Über uns alle. Im Namen einer Religion und ihr zugeschriebener seelenloser Ziele. Kein Gott kann das wollen.

Je suis. Et quelque fois je me demande, si je VEUX être.
(Ich bin. Und manchmal frage ich mich, ob ich sein MÖCHTE.)

Hier, auf diesem Planeten, auf dem Waffen zum Wohle der Produzenten verkauft werden, um woanders Krieg zu führen. Auf dem Menschen Menschen foltern, bekämpfen, ermorden. Auf dem Kinder verhungern. Auf dem Tiere gequält und unser aller Lebensraum durch unsere Art und Weise, mit ihm umzugehen, zerstört wird. Auf dem es nach wie vor Rassismus gibt und Gleichberechtigung nicht überall gelebt wird.

Je suis. Et quelque fois je me sens impuissant. Et j’ai peur.
(Ich bin. Und manchmal fühle ich mich hilflos. Und habe Angst.)

Ich möchte etwas tun. Und weiß nicht, was.

Und ich habe Angst. Angst vor der Fratze des Terrors. Vor Körpern ohne Seele. Vor dem, was wir in der Natur angeschoben haben. Vor Verrückten, die Brandsätze in Flüchtlingsheime werfen, Vorurteile schüren und versuchen, sie sich zunutze zu machen. Und denen, die ihnen blindlings folgen. Vor Menschen ohne Herz. Es macht mir auch Angst, dass es kaum toleriert wird, wenn kritische Fragen zur aktuellen Situation in unserem eigenen Land gestellt werden. Wir wollen – ich will – eine bunte Gesellschaft, in der demokratische Grundsätze unabdingbar gelten. Aber Sorgen, die sich nicht gegen den schutzsuchenden einzelnen Menschen, nicht gegen seine Würde und seine Rechte richten, die nicht polemisierend oder hetzerisch ausgedrückt werden, haben aktuell dennoch kaum Raum. Wer sie stellt, wird niedergebrüllt und in eine Ecke gedrängt. Rechts hinten. Auch das bedeutet Einschränkung.

Je suis. Et parfois je veux seulement être Kitty. Parce que je ne sais pas supporter être „Charlie“ toujours.
(Ich bin. Und manchmal möchte ich nur noch Kitty sein. Weil ich es nicht immer aushalte, „Charlie“ zu sein.)

Die vergangene Nacht, dieser 13. November in Paris, macht mich unendlich traurig und wütend. Es ist bereits schwer, damit umzugehen, wenn ich ich bin. „Charlie“ ist für mich zu einem Synonym für alle vom Terrorismus getroffenen Menschen geworden. Seine Perspektive einzunehmen, kann ich nicht immer aushalten. Weil ich dann nicht mehr weiß, wohin mit meinen Tränen und meiner unendlichen Hilflosigkeit und Wut. Dennoch – Terrorismus meint nicht einzelne. Er meint Gesellschaften, Systeme und Kulturen. Und so bin ich doch nie nur Kitty. Ich bin immer auch ein Stück „Charlie“. Und dieses Stück tut gerade unendlich weh.

Je suis.

Und manchmal wünsche ich mir, das Universum würde diesen Planeten in seine großen Hände nehmen und mit einem feuchten Tuch alles abwischen, was darauf ist. Ihn dann einschmelzen und die heiße Kugel zurück ins All werfen. Damit sich Leben entwickeln kann, das eine neue Chance hat, mit diesem Geschenk achtsam umzugehen.

Je suis. Et il est de plus en plus importante de savoir, QUI je suis.
(Ich bin. Und es wird immer wichtiger zu wissen, WER ich bin.)

Angst ist ein warnendes, manchmal lebenserhaltendes Gefühl. Es ist schlecht, sie zu verdrängen. Aber sie darf nicht die Oberhand gewinnen. Es gilt, sie anzunehmen, sich über die persönlichen Werte im Klaren zu sein und sie zu verteidigen. Es gilt für mich, für andere, für Nationen. Ich gehe raus auf den Markt und kaufe ein. Ich sehe viele ernste Gesichter, und ich höre besorgte Satzfetzen. Aber ich sehe auch Lächeln, Vielfalt und pralles Leben. Ich bekomme einen Apfel geschenkt. Ich begegne Menschen, für die dieselben Werte gelten wie für mich. Und es sind nicht nur Einzelne, es ist unsere Gesellschaft, die für sie steht. Für Humanität, Mitgefühl, Toleranz und Respekt. Für ein Miteinander, in dem jeder Platz hat und sich entfalten kann, solange er nicht die Freiheit und die Würde anderer einschränkt. Für Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft.

Das gibt mir ein Stück meiner Zuversicht zurück.

Je suis Paris. Und mein ganzes Mitgefühl gilt den Menschen dieser Stadt.

Kitty

#Paris

Die perfekte Welle

Horst hat mal wieder zugeschlagen.

Ihr erinnert Euch vielleicht – Horst ist mein Schicksal. Ich habe es Horst genannt.

Zum einen, weil ich finde, dass die Dinge einen Namen haben müssen. Das ist praktisch und kürzt manches ab. Zum anderen war ich der Annahme, dass die Möglichkeit einer persönlichen Ansprache Horst daran hindern könnte, mir Steine in den Weg zu legen, mich auszutricksen, zu ärgern, mir bösartige Fallen zu stellen, miese Personen ins Spiel zu bringen und Unheil zu stiften. Es ist ja auch schwieriger, ‚Sie Arschloch‘ als ‚Du Arschloch‘ zu sagen. Je persönlicher, umso einfacher. Obwohl… ‚Sie Arschloch‘ geht im Bedarfsfall auch. 🙂

Bezogen auf Horst hatte ich also die Hoffnung, dass ihn ein ‚Horst, was soll das schon wieder?*, ‚Oh nein, HOOOOOORST!‘, ‚Horst, wie kannst Du mir das antun?‘ empfindlich trifft und er es daher vermeiden würde, es zu provozieren.

Was soll ich sagen. Die Annahme war irrig, die Hoffnung trügerisch.

Als Beispiel möge folgendes Blog WelleErlebnis heute Nachmittag dienen. Auf dem Weg zum Physiotherapeuten *danke, Horst, für diese Sache mit der Achillessehne!‘ steige ich in mein Auto und erblicke im Fußraum auf der Beifahrerseite einen kleinen Badesee. Es fehlte lediglich ein Gummitier und etwas Schilf am Rand, und die Idylle wäre perfekt gewesen.

Da ich zur Zeit manchmal etwas gedankenverloren bin, wanderte mein Blick zunächst nach oben. Es hätte durchaus sein können, dass ich gestern das Verdeck offen gelassen habe. Aber nein.

Beim Anfahren erscholl ein lustiges Gurgeln, während mehrere Liter Wasser nach vorne drängten, gefolgt von einem massiven Schwappen beim Bremsen, unten im Schweller. UND im Fußraum.

Danke, Horst. Das Geräusch war kaum zu ertragen. Jedes ‚Schwapp‘ und ‚Gluck‘ hat mir physisch zugesetzt, der Puls auf 180, der Blick glasig, und die Haare zu Berge. Mein Freund Leonardo sagt, ich sehe aus wie Woody Woodpecker, wenn ich mich aufrege. Er hat nicht Unrecht.

Um die Foltergeräusche zu übertönen, habe ich auf dem Weg zur Werkstatt das Radio angemacht, sehr laut. Und, was meint ihr, hat Horst angeleiert? Ich habe genau in den Refrain von ‚Die perfekte Welle‘ reingeschaltet.

Vermutlich war der Anblick eines hysterisch kichernden Woody Woodpeckers bei der Werkstatt ein bisschen zu viel für die Mitarbeiter und der Grund, warum sie sich trotz Feierabend ans Trockenlegen gemacht haben. Sie hatten Angst vor mir. Oder davor, dass ich morgen nochmal wiederkomme.

Horst hat es sich nicht nehmen lassen, schnell noch einen Tampon hinter dem Beifahrerseitz zu platzieren. Sehr schön, das Bild, der Mechaniker mit dem durchweichten OB in der Hand und dem Hinweis, dass er den dann mal wegwerfen würde.

Vielleicht ist es einfach so, dass ich Horst, der ja durchaus einen feinen Sinn für Humor und eine äußerst subtile Art hat – ich meine: Die perfekte Welle! Da muss man auch erstmal drauf kommen! -, zutiefst getroffen habe, als ich ihm diesen bodenständigen, konventionellen und doch eher altmodischen Namen gegeben habe.

Oder vielleicht ist Horst sogar weiblich.

Horst, es tut mir leid. Ich gelobe Besserung und werde mir einen angemessenen Namen ausdenken. Einen, der Deiner grenzenlosen Phantasie und Deinem schwarzen Humor gerecht wird. Bitte, ruh Dich in der Zeit einfach mal aus, hang loose, mach Urlaub und bleib in der chillout zone. Es sei denn, Du hast etwas Erfreuliches mit mir vor. Ansonsten gilt: rufen Sie nicht mich an, ich rufe SIE an. Wenn ich soweit bin.

Ich wünsche Euch einen trockenen Abend! Eure Kitty

…?!?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wtf…keine Ahnung, was für eine Art von Party man mit diesen Animals feiert – oder machen die Animals Party in der Tüte, wenn keiner guckt? Auf jeden Fall hat der Hersteller offenbar dem niedlichen, aber leider ausgestorbenen ‚Ovalen Lego-Abschlussstein-Tier“ ein Denkmal gesetzt. 🙂

 

Verregnete Grüße, Eure Kitty20150728_232028

Aszendent

Guten Morgen,

Ihr habt sicher schon bemerkt, dass Edelsenf seit ein paar Tagen etwas anders aussieht. Ich bin noch im Experimentierstadium, aber letztlich ist ja das ganze Leben irgendwie ein großes Experiment und Abenteuer, oder? 🙂

Hinzu kommt, dass ich Zwilling bin, und mein Aszendent ebenfalls. Hat mal eine Freundin errechnet und gleich dazu so etwas wie ‚Ohoh…‘ gesagt. Kennt Ihr dieses ‚Ohoh…‘? Ich habe es schon einige Male gehört, und so richtig gut war es nie. Vorsichtig ausgedrückt. Beispielsweise hat es mal der Mann in der Werkstatt gesagt, der eigentlich nur die Glühbirne vorne tauschen sollte. 700 Euro bedeutete das ‚Ohoh….‘ , weil mein Inzwischen-Ex die letzte Birne schief eingebaut und keine Lust hatte, nochmal nachzuschauen;  alles hübsch zusammengeschmolzen da im Scheinwerfer.

Oder die Krankenschwester, die ich nachts nach der OP angeklingelt hatte, weil nach der Entfernung von 4 Weisheitszähnen nicht nur die Wangen, sondern auch die Oberlippe angeschwollen war. Chiara Ohoven hätte lippentechnisch neben mir gewirkt wie Jody Foster. Also wieder das berühmte ‚Ohoh….‘, diesmal in der Steigerungsform mit Ergänzung : ‚Was ist das denn?! Das gab ich ja noch NIE gesehen!!!‘ Liebes Pflegepersonal, so etwas sollte man nicht, niemals, zu verängstigten Patienten sagen, die eh grad befürchten, dass das so bleibt und nicht wieder weggehen wird.

Zwillinge, deren Aszendent ebenfalls Zwilling ist, langweilen sich jedenfalls schnell, sagt meine Hobbyastrologin, und brauchen ständig Abwechslung.  Ich würde diesen Aszendenten gerne mal kennenlernen. Wir würden uns sicher gut verstehen.

Sonnigen Tag, Eure Kitty

 

Schlaflos.

Ich kann im Moment sehr schlecht einschlafen. Zuviele Gedanken wuseln durch meinen Kopf und drumherum, verbinden sich zu wilden Buchstabenorgien und finden sich dann in anderen Paarungen wieder, vermehren sich, tanzen Ringelreihen durch’s Schlafzimmer und bilden böse Reime, einige nicht jugendfrei. Die unverschämtesten zupfen an meinen Augenlidern und brüllen mir „Bist Du wach?!?“ ins Ohr.  Demnächst laden sie noch welche aus dem Haus nebenan ein. Oder Zufallsbekanntschaften von der Straße. Nee. Nicht auszudenken, was dann los sein könnte.

Wenn ich doch einschlafe, werde ich davon wach, dass ich laut vor mich hin rede, schimpfe, lache oder mich allgemein aufrege. Das irritiert die Nachbarn, den Kater, die nistende Amsel vor dem Fenster und mich sehr.

Gestern Abend war ich total schlau und habe gedacht: was man aufschreibt, beschäftigt einen nicht mehr so. Das sind ja auch die Tipps, die man in allen einschlägigen Fachzeitschriften so liest. Apothekenumschau bei Oma, Bild der Frau beim Friseur, Men’s health (ich lese nur die Texte, die Bilder interessieren mich nicht 🙂 ), sowas halt.

Also einen kleinen Block, Stift und eine Minitaschenlampe ans Bett gelegt. Soviel vorab: irgendwie hat es schon geklappt. Auf eine gewisse, perfide Art. Allerdings habe ich

  1. die Zeit, die ich sonst wegen der Grübelei im Dunkeln wach liege, nun mit Schreiben bei Licht verbracht. Das ist so ähnlich wie die Mär vom Treppensteigen. Wenn man immer die Treppen nimmt statt den Aufzug, lebt man länger, aber die Zeit, die man länger lebt, verbringt man mit Treppensteigen. So what!
  2. von fünf vollgeschriebenen Seiten heute Morgen nur die letzte entziffern können,
  3. die letzte Seite zwar lesen können, kann mir aber beim besten Willen nicht erklären, warum ich “ Kuh“ „natürlich schön“ und „Deich“ notiert habe.

Wenn es mir einfällt, melde ich mich. Es sei denn, es ist mal wieder nicht jugendfrei.

Schlaft schön, Eure Kitty