Tag 3.

Tag 3 der challenge ist angebrochen. Ich hatte schon bis mittags wieder so unglaublich tolle Erfahrungen, ich lege also los:

  1. Meine Waage hasst mich. Ich bin ganz sicher und nein, ich bilde mir das nicht ein. Wenn ich mich draufstelle, fängt sie an, hämisch grinsend irgendwelche willkürlichen Zahlen einzublenden, um mich in den Wahnsinn zu treiben. Sie legt sich so lange nicht fest, bis ich einatmen muss, packt dann nochmal so 300 g obendrauf und leuchtet mich triumphierend mit einem aberwitzigen Ergebnis an. Vermutlich dudelt sie dabei demnächst noch so lustige Melodien wie beim Flippern, ich habe sie neulich nachts heimlich üben hören.Das Gute ist aber – dies ist ja schließlich eine positive challenge: ich habe kürzlich so ein Buch gelesen. ‚Finde Deine Mitte, auch wenn sie schwer ist‘ oder so ähnlich. Jedenfalls habe ich gelernt, mich besser abzugrenzen. Wenn ich jetzt auf der Waage stehe, atme ich gaaaaanz tief in meine Füße (sie zeigt 300 g mehr) und besinne mich darauf, dass es IHRE schlechten Gedanken sind, nicht meine, und dass es IHR deswegen schlecht gehen muss und nicht mir, und ich bleibe gaaaaaaaanz bei mir. Eine unglaublich positive Erfahrung!Dennoch möchte ich die Waage gerne in andere, liebevolle Hände abgeben. Schließlich habe ja nur ich gelernt, mit diesen negativen Energien umzugehen, die mir entgegen kommen. Sie selbst wird aber immer kiebiger, und ich möchte ihr dieses Schicksal ersparen. Sie kriegt schon einen dauerhaft bösen Ausdruck. Die Chemie zwischen uns stimmt einfach nicht.Wer möchte ihr ein neues Zuhause geben? Sie ist wirklich drollig (schönes Wort übrigens) anzusehen, sie kann ein paar Kunststücke und verträgt sich auch mit anderen Waagen. Es ist auch kein Problem, sie zusammen mit anderen Geräten wie Haartrocknern, elektrischen Zahnbürsten oder Radios zu halten. Lediglich in Diätphasen reagiert sie unberechenbar und manchmal sogar aggressiv. Im Notfall muss sie auf die Stille Treppe, bis sie aufhört zu knurren.

    Bitte nur ernstgemeinte Zuschriften.

  2. Immer mal wieder bin ich auf der Suche nach Entlastungsstrategien, zum Beispiel im Berufsleben. Oder auch für andere Situationen wie Gerichtsverhandlungen. Vorstellungsgespräche. Beziehungsstress. Im Grunde also ein universelles Kompensationswerkzeug.Ihr kennt das ja sicher auch. Da sitzt man in einem Meeting , ahnt nichts Böses und urplötzlich nimmt das Ganze eine Wendung , dass einem der Kamm schwillt. Gut, für eine Frau jetzt vielleicht eine unglückliche Metapher…. wie dem auch sei, Gesprächspartner, die man bis dahin für vernunftbegabte Wesen hielt, zeigen manchmal unerwartet ihr wahres Gesicht, und das ist nicht immer schön. So ein bisschen wie bei Men in black, wenn das Edgar-Kostüm abfällt und The Bug zum Vorschein kommt.
    Es gibt ja schon eine Menge Tipps, wie man sich aus dieser Situation retten kann, um nicht komplett zu eskalieren – also beispielsweise jemanden zu erschießen, eine Ohnmacht vorzutäuschen oder kreischend den Raum zu verlassen.
    Das bereits erwähnte ‚In-die-Füße-Atmen‘ ist eine gängige Technik. Oder, ein Klassiker: ‚Stellen Sie sich Ihren Gesprächspartner nackt vor. Das bagatellisiert ihn, nimmt ihm seine Macht und katapultiert Sie auf eine überlegene Ebene, von der aus Sie unbeschwert agieren können.‘ Gerade letztere Methode habe ich verworfen. Ich habe festgestellt, dass sie mir oft mehr schadet als nützt und ich tagelang diese Bilder einfach nicht mehr loswerde. Ich haue mir ja auch nicht absichtlich mit einem Hammer auf den Daumen.Ich entwickele zur Zeit nun eine neue Methode. Die klinischen Tests sind noch nicht ganz abgeschlossen, aber es macht bereits jetzt soooo einen Heidenspaß (haben die eigentlich mehr Spaß als Christen?!), ich bin ganz außer Rand und Band und finde die Wirkung alleine schon auf meinen Organismus so positiv, dass ich sie Euch nicht vorenthalten möchte. Sie geht so:Das Gegenüber – der Widersacher, der Kontrahent, der Nervtöter, schlicht der Feind  – blubbert los. Du merkst, wie Dein Blutdruck steigt und die Herzfrequenz, Du versuchst, sachlich zu bleiben, aber es wird nicht mehr lange gut gehen und es wird es FÜRCHTERLICH werden. Die Schnappatmung steht kurz bevor, Du suchst unbewusst nach Gegenständen, die sich als Wurfgeschoss eignen, Dein Blick flackert und die Oberlippe wird schmal…..
    ….und dann lehnst Du Dich entspannt zurück und stellst Dir vor, wie Du mit Zeige- und Mittelfinger Deiner rechten Hand langsam den Arm des Unruhestifters entlang taperst, kurz an seine Wange klopfst (nein, nicht zuschlagen bis Blut kommt!), an seinem Ohrläppchen ziehst und dann seine Nase leicht hin und her bewegst (nicht brichst!!!! Anfängerfehler!). Dabei murmelst Du leise vor Dich hin: ‚Kommt `ne Maus die Treppe rauf, klopfet an, Bimmelimmelimm, guten Tag, Frau Nasemann!!!‘

    Ich schwöre, es hilft. Vorsicht, am Anfang tappt man leicht in die Falle und die Hand macht sich selbständig. Das ist NICHT gut. Obacht also. Möge die Macht mit Euch sein.

    3. Die Sonne scheint.

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