Tag 6.

Positive challenge, Tag 6. Heute will ich Euch mal von unglaublich tollen Einkaufserlebnissen berichten.

  1. Es ist manchmal gut, seine eigene Perspektive zu überprüfen und selbstreflektiv einen anderen Blickwinkel auf bestimmte Dinge zu suchen. Zum Beispiel auf diese Leergutsammler, die stundenlang die Automaten blockieren. Ihr wisst es ja, sie machen mich irre. Heute dachte ich: Kitty, Du musst das alles nicht so verkrampft sehen, und vielleicht entgeht Dir auch eine Wahnsinnserfahrung. Gesagt, getan, habe ich also auch mal gesammelte Werke ins Auto verladen, soviel halt in einen MX5 reinpasst.Mit dem Ergebnis war ich dann bei REWE. Und, ich muss es gestehen, es ist wirklich empfehlenswert. Während man Flasche für Flasche in den Schacht steckt, fällt die Last des Tages von einem ab. Während man wartet, bis Flasche 1 ganz hinten ankommt, bevor man Flasche 2 aus dem Wagen nimmt, kann man zur Ruhe kommen. Das leise Geklimper der Flaschen, wenn sie hinten im Nirvana verschwinden, hat etwas Klangschalenartiges. Bei Flasche 23 war ich in eine Art Meditationszustand verfallen, bei Flasche 37 habe ich aufgehört zu zählen, weil ich eine Art transzendentalen Zustand erreicht hatte, an dem sicherlich auch die geheimnisvollen Gerüche nicht ganz unschuldig waren, die aus dem Lager hinter der Apparatur schwallweise herüber kamen.

    Nebenbei erfährt man, wenn man da so steht und diese rituellen Handlungen vollführt, eine Welle der Aufmerksamkeit, gleichsam von hinten. Geballte Aufmerksamkeit, die sich in Vibrationen manifestiert. Besonders, wenn eine Flasche zurückkommt, weil das Etikett nicht lesbar ist.

    Selten so gechillt gewesen. Solltet Ihr auch mal versuchen.

  2. Ich habe eine Wassermelone gekauft. Ich muss gestehen: ich bin süchtig nach Wassermelone. Ähnlich wie nach Duschgel, nur anders. Wenn vorhanden, nehme ich manchmal 1/2 oder 1/4 Melone, aber heute war nichts Passendes vorrätig, und ich dachte, bei 1,99 €/kg nehme ich halt mal wieder eine ganze. Alter – an der Kasse wäre ich fast zusammengebrochen. Zeigt doch dieses riesige Display, das neuerdings zum Kunden erschrecken angebracht ist, einen Gesamtpreis von 9,25 € für diesen Oschi an. Erst dachte ich, das ist sicher die Gesamtsumme für die 6 Teile, die auf dem Band lagen. 9,25 hätten mich schon in DM schwer schockiert. Aber dann ist mir bewusst geworden, wie vorteilhaft das ist:- Ich habe auf einen Schlag vergessen, was mich heute im Büro geärgert hat, weil mein Gehirn nur noch mit dieser Summe beschäftigt war, die vor meinem inneren Auge wie eine aufdringliche Neonreklame flackerte.
    – Mir ist mal wieder bewusst geworden, dass der Euro, nichts, aber auch gar nichts mit irgendeiner Verteuerung zu tun hat, sondern lediglich mein Einkaufsverhalten überdacht werden muss. Deshalb an dieser Stelle nochmal vielen Dank an die herausragenden Wirtschaftsexperten unseres Landes, es ist doch immer wieder gut, festzustellen, wo man hingehört, und in Demut seine Schwächen anzuerkennen.
    – Ich habe vor Schreck keinen Kuchen mehr gekauft.
  3. Ja, die Sonne scheint! Aber ich bin auch noch nicht ganz durch mit der Shoppingtour. An der Kasse folgende Situation. Vor mir steht eine Kundin mit nur drei Teilen. Prima, denke ich, solange, bis sich Oma Else mit ihrem 12jährigen Enkel hinter der Kasse aufbaut, einen Beutel und einen Bon in der Hand. Mit schwant Übles. Genau. Kartoffeln werden reklamiert. Während die Kassiererin sich mit diversen 83-stelligen Codes abmüht, sagt Omi: ‚Jason-Adonis, ich geh mal kurz weg, Du regelst das dann.‘ Jason-Adonis bricht der kalte Schweiß aus. Mir auch. Der Kassiererin ist es mit Hilfe des Filialleiters gelungen, die Erdäpfel zurück zu bonen (oder wie das heißt). Aber, oh Graus, auf dem Bon stehen 1,79 €, in der Kasse 1,89. Natürlich können Else und Jason-Adonis den Überschuss nicht einfach bekommen. Jason-Adonis scharrt mit den Hufen. Alles noch mal raus aus der Kasse, alles wieder rein in die Kasse. Jason-Adonis soll das Geld bekommen, ob er einen Cent klein hat. Er bricht in Tränen aus. Gott sei Dank kommt in diesem Moment Else zurück.Tja. Und dann werden meine Einkäufe verarztet, auf dem Weg nach draußen gucke ich auf den Bon und stelle fest, dass ein 30%iger Rabatt nicht berechnet wurde. Zurück – und an der Kasse war inzwischen natürlich die nächste Kundin an der Reihe. Die Kassiererin war gerade bei Teil 3 von 79 angelangt.

    Was soll ich sagen. Einkaufen ist wunderbar. Man kann seine eigenen Fähigkeiten schulen, Geduld zum Beispiel, und Selbstbeherrschung, fühlt sich in die eigene Kindheit zurückversetzt und darf außerdem auch immer wieder Zeuge menschlicher Annäherung werden. Zumindest bei REWE. Die haben jetzt eine Art Beziehungsanbahnungssystem installiert. Anders kann ich mir nicht erklären, dass Tüten immer nur an der linken von zwei Kassen im Gang bereit liegen. Wenn man rechts steht, muss man zwangsläufig jemandem auf der anderen Seite zwischen den Beinen herumgrabbeln, um an eine Tüte zu kommen. Nun denn. Vielleicht gibt es ja demnächst das erste Baby namens Rewe Müller.

Gehabt Euch wohl für heute.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.