Ach so…nicht doof, Kult!

Werbung nervt. Hat man früher am Tag vielleicht mal irgendwo einen Spot mit Klementine, Tante Tilly oder Frau Antje gesehen, der sich zur Not wegschalten ließ, wird man jetzt in jeder Lebenslage von mehr oder weniger subtilen Botschaften terrorisiert.

In Zeitungen, gerade diesen wöchentlichen, ist manch eine Werbe’beilage‘ schon für dicker als die eigentliche Zeitung. Wer um alles in der Welt liest denn diesen mehrbändigen Telepointroman?! Oder Rossmannwerbung in Schriftgröße 3, fast schon in der gebundenen Ausgabe? Nach dem eigentlich informativen Teil sucht man geraume Zeit und anschließend sieht das Wohnzimmer aus, als hätte die GMA einen Altpapiercontainer vorbeigebracht. Und ausgeleert.

Ich habe sie noch nicht abbestellt, diese Publikationen. Sie sind praktisch, um heruntersüffende Flüssigkeit von Melonenschalen im Mülleimer aufzufangen.

Aber das ist ja noch harmlos. Leuchtreklamen blinken hemmungslos herum wie wildgewordene Irrlichter, und versetzen einen, wenn man nicht rechtzeitig wegguckt, in einen psychedelischen Zustand. Clockwork Orange im Werbealltag. Ich habe immer Angst, dass mich eine einsaugt und ich niemals mehr wieder aus dem Werbespot des örtlichen Autohauses herauskomme. Es ist auch noch das falsche Autohaus.

Werbung auf Autos, Rollern, hinter Flugzeugen und mitten in der Pampa auf Pappschildern. Aber zumindest haben die Kühe einen guten Sonnenschutz und Greifvögel können den Abflug ohne Anlauf lernen. Oder Basejumping.

TV-Werbung führt bei mir verstärkt dazu, dass ich bestimmte Produkte NICHT kaufe. Langsam wächst in mir die Ãœberzeugung, dass die Hersteller sie vielleicht gar nicht selber drehen und zeigen. Ich vermute, es handelt sich um eine finstere Machenschaft der Konkurrenz, anders kann ich mir den unerträglichen Schwachsinn fast nicht mehr erklären. Vielleicht rede ich mir das aber auch nur ein, weil die Thunfischwerbung von Saupiquet mit einem grenzdebil grinsenden Kevin Costner leichter zu verkraften ist, wenn man glaubt, sie ist von Appel und als Abschreckung gedacht.

Oder die neue Haribowerbung. Wäre sie von Katjes, könnte ich das verstehen. Bully Herbig als neue Werbeikone mit haarsträubenden, su-per-komischen Stories rund um Gary, Larry, Hans oder wie auch immer er heißen mag, da bleibt mir jedes Gummibärchen im Hals stecken. Hust.

Der Bayer, der versucht, für Patrrrrros griechisch zu klingen und seinen Käse in den Offfffen schiebt. Füße, die so ekelig sind, dass sie nicht mal mehr die Fische beißen. Bilder sich ablösender, gelber, bröckeliger Nägel, während man gerade noch vorhatte, Parmesan über seine Spaghetti zu geben.

Dieser Typ aus der Deowerbung, dem der Schweiß unter den Achseln hervorschießt wie aus einem C-Rohr. Geht’s noch? Pfui bah.

Welche Frau läuft in einem roten Abendkleid auf dem Bahnsteig herum? Zumal man ja eh nicht weiß, ob es nicht Winter, mindestens aber kalte Nacht wird, bis der Liebste mit der DB ankommt. Und, Hand auf’s Herz, welcher Mann freut sich wie ein Wahnsinniger über die Mädchenbrause, die sie hinter dem Rücken versteckt?

Blutspucke im Waschbecken, Petersilie auf Katzenfutter, Kinder, die aussehen, als hätten sie einen Eimer Pflaumenmus auf sich verteilt und eine Mutti, die sich herzlich darüber freut. Ein milchgesichtiger Bursche beißt von einer Bockwurst ab, als müsste er mit bloßen Zähnen ein Stück aus einem frisch selbst erlegten Gnu reißen. Der schönen Bäckerin fallen beinahe die Hu… Brüste aus dem Dekolleté, und endlich wissen wir, dass das Beste im Mann seine Bartstoppeln sind. In Plastik eingepackte Baguettes mit trockenen Käsebröckeln obendrauf werden frisch aus Frankreich direkt in unseren Ofen geliefert, und Ferrerowerbung versuche ich, als Diätmittel zu benutzen. Ich liebe Raffaello, aber 3 x die Werbung mit der weißen Frau, und schon war’s das. Leider gibt es zuviel Süßkram, für den nicht geworben wird. 🙂

Schleimmonster, die – wohlgemerkt: Erwachsenen! – erläutern, was bei Husten in der Lunge vorgeht. Wusste ich gar nicht. Jetzt hab ich Angst vor mir selbst, und dass ich mitten in einem Meeting mal einen Hustenanfall bekomme und eins raushüpft. Wie steh ich dann da?
Und dann sehen sie im Grunde auch noch so aus wie Geschwister der grünen Comicbazillen, die noch dem allerletzten Deppen erklären, dass sie unter der Klobrille lauern.

Ein Bob Marley-Verschnitt raucht (vermutlich eine Tüte), gackert irre und melkt dabei eine Giraffe, aus der bunte Drops kommen. Keine schöne Vorstellung. Yo, man. Everything’s gonna be alright. Aber nur ohne Giraffendrops.

Äußerst gruselig finde ich momentan auch die eine oder andere Radiowerbung. Ich würde niemals in den Serengetipark fahren, weil ich große Bedenken hätte, dort auch nur einem einzigen dieser trommelfellgefährdend kreischenden Kinder zu begegnen, die irgendetwas von wilden Tieren skandieren. Das würde nicht gut ausgehen mit uns. Im besten Fall würde ich sie als Melkhilfe zu Bob schicken.

Und der absolute Obergipfel ist, finde ich, die Seitenbacher-Werbung. Für mein Empfinden klingt sie, als würde jemand, der des Deutschen nicht mächtig ist, versuchen, sie trotzdem vorzulesen. Und als ob er dabei noch einen großen Löffel voll Müsli im Mund hätte. Am Anfang habe ich echt gedacht, dass es sich um eine Persiflage handeln muss. Aber nein – wie ich lesen musste, hat diese Werbung inzwischen Kultcharakter. Oha.

Es gibt nur noch wenige Refugien, in denen man verschont bleibt. Zuhause rufen 100 mal irgendwelche Vögel an. Geht man beim 101. Mal samstags um 8 Uhr morgens völlig verpennt und nichtsahnend dran, erklären sie einem, dass man doch nun wirklich ein bisschen blöd ist, wenn man nicht auf wen auch immer oder was auch immer wechselt.

Beim Hautarzt läuft Werbung für’s Lifting über den Screen, kann man ja auch gleich mal eben mitmachen lassen. Lifting to go.

Und sogar der Tankstellenmann ist gebrieft. Ich tanke jetzt nicht mehr bei Aral. Bei jedem Bezahlvorgang fragt er, ob es noch etwas sein darf, und sage ich (wie immer) nein, spult er ab: ‚Auch nicht drei Matschbrötchen / Brillenputztücher / Croissants mit Salamifüllung / Gummiboote / Matjes / Flaschen Vodka / Staubsauger / Bienenkörbe / Rollschuhe / Särge / Fallschirmsprünge?‘ Egal, wie unglaublich unpassend und strange das auch ist. Der ist mir unheimlich. Vielleicht ist er auch gar nicht echt.

Neulich war ich auf einer Autobahnraststätte auf dem WC. Dass einem von der Innenseite der Tür Werbung entgegen starrt, kennt man ja schon. Aber da war das Klopapier bedruckt. Mit Werbung für Fensterbauer, einen Blumenladen, Handyverträge und Autoreifen.

Ich hab dann aus Neugier mal in jeder Kabine so 70 Meter abgerollt. Es hätte ja sein können, dass da noch was Interessantes kommt. Wenigstens haben sie mir erlaubt, das Papier mitzunehmen. Ich liege sehr bequem darauf und darunter in dieser Zelle, ich habe mir ein richtiges kleines Hamsternest gebaut, und die Wände sind eh kuschelig weich.

Naja. Wenn Du kein IPhone hast, hast Du halt kein IPhone. Ich liebe es. 🙂

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