Neptun oder Horst. Oder einfach nur Schietwetter.

Seit inzwischen vier Tagen liege ich mit so einem Virus flach. Die Einzelheiten möchte ich Euch, obwohl Freundin klarer Worte, lieber ersparen. Nur soviel: heute ist der erste Tag, an dem ich mich 30 zusammenhängende Minuten lang vor die Wohnungstür getraut habe. Um Toilettenpapier zu kaufen.

Während ich also diesen Zustand auf meiner Couch genieße, es draußen gießt, kracht und blitzt, und ich denke: ‚Ach, es kann bei Gewitter auch ganz schön gemütlich sein!‘ (Seufzen), klingelt es Sturm. Ein schönes Wortspiel, ob der Wetterlage.

Nichtsahnend habe ich trotz meines immer noch recht desolaten Zustandes aufgemacht; sowohl die Nachbarn als auch der Postbote sind es mittlerweile gewöhnt, mir im schlumpfigen Outfit zu begegnen. Also ich. Nicht der Postbote. Eigentlich – und deswegen bin ich mir mit der Schuldzuweisung nicht ganz sicher – hätte bei meinem Aufzug mal wieder der bestaussehendste Nachbar ever vor der Tür stehen müssen. Aber vielleicht hat es Horst für den Nachbarn nicht ganz gereicht.  Ich hatte die Croqs nicht an. Statt dessen war es die Nachbarin aus der 3. Barfuß und mit einer Schippe sowie einem leeren Farbeimer bewaffnet tropfte sie vor sich hin, und teilte mir mit, der Keller sei abgesoffen, ob ich schippen helfen könne.

Uneingedenk des Virus bin ich mit ihr nach unten gestiefelt, dann noch einmal umgedreht, um die Badelatschen zu holen und nochmal schnell ins Bad zu gehen, wieder runter, um mir einen Überblick zu verschaffen. Lieber nochmal kurz ins Bad. Dann eine Kellerecke weiter.

Die Nachbarin aus der 1., die eher klein ist, kam mir in einem größeren, immerhin leeren Eimer Kartoffelsalat entgegen geschippert. Beinahe wäre sie gekentert, als ihr ein Koffer in Familiengröße gegen den Henkel krachte. Ich kraulte in meinen Keller hinüber, holte Luft und ging kurz auf 2,50 m runter auf der Suche nach meinen Tauchuntensilien. Meine Nachbarin war zwischenzeitlich abgetrieben, ich fand sie im Fahrradkeller und bot ihr meine Schnorchelausrüstung an, die sie zitternd und dankbar entgegen nahm. Bei dieser Transaktion verlor ich einen Badelatschen sowie die Contenance, als mir eine Bisamratte freundlich quiekend entgegen kam. Naja.

Bei einem kleinen Abstecher ins Bad nahm ich eine Luftmatratze aus der Wohnung mit, die ich, wieder unten im Keller, dem Ehemann der eher kleinen Nachbarin anbot. Er ist ebenfalls nicht besonders groß und diese Herumhüpferei und das Blubbern waren wirklich nicht schön. Zuletzt sah ich ihn, fröhlich Shanties singend, in Richtung Heizungskeller dümpeln. Ich glaube, er hatte „Wir lagen vor Madagaskar“ auf den Lippen.

Nach gut drei Stunden schippen, wischen, saugen, schleppen war es auch schon erledigt. Wie in den alten Zeiten bei meinen Eltern im Keller, der bei jeder Gelegenheit absoff (meine Heimatstadt liegt unter Null!), dümpelten nur noch die leichteren und Gegenstände wie Alibertschränke, Staubsauger und Kühlschränke in den Gängen. Autoreifen, Werkzeugkisten und der Aufsitzmäher hatten festen Boden unter sich. Der Aufsitzmäher guckte immerhin schon wieder raus, wie ein Wrack bei Niedrigwasser. Bücherkartons hatten sowieso in vorderster Front gegen die Wassermassen gekämpft und verloren.

Ich bin dann erstmal wieder rauf. Ins Bad. Das Gröbste ist ja geschafft. Ich glaube, sie suchen im Moment noch nach Rudolf. Das ist der Mops von denen aus dem 2. Aber die können ja ganz gut schwimmen und auch die Luft anhalten, hab ich gehört.

Nun grübele ich allerdings noch über Folgendem: nachdem ja vor zwei Wochen Horst bereits mein Auto hat absaufen lassen, frage ich mich, ob a) dies die Rache dafür ist, dass ich noch keinen neuen Namen für ihn/sie/es – mein Schicksal – gefunden habe, oder b) ich statt dessen Neptun in irgendeiner Weise erzürnt habe. Ich werde ihm etwas opfern, vorsichtshalber. Was opfert man dem Gott des Meeres bzw. des Wassers? Ein Saunatuch?! Arielle-Schaumbad? Einen Regenschirm?

Ich werde weiter darüber nachdenken, während ich mal eben schnell zu Rewe rüberschwimme. Toilettenpapier kaufen.

Kommt trocken über’s Wochenende, Eure Kitty!

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