Je suis.

Je suis. Et quelque fois je me demande, OÙ.
(Ich bin. Und manchmal frage ich mich, WO.)

Was ist das für eine Welt, in der radikalisierte, vollkommen durchgeknallte, menschenverachtende Terroristen wahllos, skrupellos, höchst brutal das Leben unschuldiger Menschen auslöschen und Leid und Entsetzen verbreiten. Über die Getroffenen, die Angehörigen, eine Nation. Über uns alle. Im Namen einer Religion und ihr zugeschriebener seelenloser Ziele. Kein Gott kann das wollen.

Je suis. Et quelque fois je me demande, si je VEUX être.
(Ich bin. Und manchmal frage ich mich, ob ich sein MÖCHTE.)

Hier, auf diesem Planeten, auf dem Waffen zum Wohle der Produzenten verkauft werden, um woanders Krieg zu führen. Auf dem Menschen Menschen foltern, bekämpfen, ermorden. Auf dem Kinder verhungern. Auf dem Tiere gequält und unser aller Lebensraum durch unsere Art und Weise, mit ihm umzugehen, zerstört wird. Auf dem es nach wie vor Rassismus gibt und Gleichberechtigung nicht überall gelebt wird.

Je suis. Et quelque fois je me sens impuissant. Et j’ai peur.
(Ich bin. Und manchmal fühle ich mich hilflos. Und habe Angst.)

Ich möchte etwas tun. Und weiß nicht, was.

Und ich habe Angst. Angst vor der Fratze des Terrors. Vor Körpern ohne Seele. Vor dem, was wir in der Natur angeschoben haben. Vor Verrückten, die Brandsätze in Flüchtlingsheime werfen, Vorurteile schüren und versuchen, sie sich zunutze zu machen. Und denen, die ihnen blindlings folgen. Vor Menschen ohne Herz. Es macht mir auch Angst, dass es kaum toleriert wird, wenn kritische Fragen zur aktuellen Situation in unserem eigenen Land gestellt werden. Wir wollen – ich will – eine bunte Gesellschaft, in der demokratische Grundsätze unabdingbar gelten. Aber Sorgen, die sich nicht gegen den schutzsuchenden einzelnen Menschen, nicht gegen seine Würde und seine Rechte richten, die nicht polemisierend oder hetzerisch ausgedrückt werden, haben aktuell dennoch kaum Raum. Wer sie stellt, wird niedergebrüllt und in eine Ecke gedrängt. Rechts hinten. Auch das bedeutet Einschränkung.

Je suis. Et parfois je veux seulement être Kitty. Parce que je ne sais pas supporter être „Charlie“ toujours.
(Ich bin. Und manchmal möchte ich nur noch Kitty sein. Weil ich es nicht immer aushalte, „Charlie“ zu sein.)

Die vergangene Nacht, dieser 13. November in Paris, macht mich unendlich traurig und wütend. Es ist bereits schwer, damit umzugehen, wenn ich ich bin. „Charlie“ ist für mich zu einem Synonym für alle vom Terrorismus getroffenen Menschen geworden. Seine Perspektive einzunehmen, kann ich nicht immer aushalten. Weil ich dann nicht mehr weiß, wohin mit meinen Tränen und meiner unendlichen Hilflosigkeit und Wut. Dennoch – Terrorismus meint nicht einzelne. Er meint Gesellschaften, Systeme und Kulturen. Und so bin ich doch nie nur Kitty. Ich bin immer auch ein Stück „Charlie“. Und dieses Stück tut gerade unendlich weh.

Je suis.

Und manchmal wünsche ich mir, das Universum würde diesen Planeten in seine großen Hände nehmen und mit einem feuchten Tuch alles abwischen, was darauf ist. Ihn dann einschmelzen und die heiße Kugel zurück ins All werfen. Damit sich Leben entwickeln kann, das eine neue Chance hat, mit diesem Geschenk achtsam umzugehen.

Je suis. Et il est de plus en plus importante de savoir, QUI je suis.
(Ich bin. Und es wird immer wichtiger zu wissen, WER ich bin.)

Angst ist ein warnendes, manchmal lebenserhaltendes Gefühl. Es ist schlecht, sie zu verdrängen. Aber sie darf nicht die Oberhand gewinnen. Es gilt, sie anzunehmen, sich über die persönlichen Werte im Klaren zu sein und sie zu verteidigen. Es gilt für mich, für andere, für Nationen. Ich gehe raus auf den Markt und kaufe ein. Ich sehe viele ernste Gesichter, und ich höre besorgte Satzfetzen. Aber ich sehe auch Lächeln, Vielfalt und pralles Leben. Ich bekomme einen Apfel geschenkt. Ich begegne Menschen, für die dieselben Werte gelten wie für mich. Und es sind nicht nur Einzelne, es ist unsere Gesellschaft, die für sie steht. Für Humanität, Mitgefühl, Toleranz und Respekt. Für ein Miteinander, in dem jeder Platz hat und sich entfalten kann, solange er nicht die Freiheit und die Würde anderer einschränkt. Für Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft.

Das gibt mir ein Stück meiner Zuversicht zurück.

Je suis Paris. Und mein ganzes Mitgefühl gilt den Menschen dieser Stadt.

Kitty

#Paris

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