U-Kitty II

Um es mal vorwegzunehmen – wenn das so weitergeht, dann werde ich eine neue Kategorie generieren. Eine, die sich ausschließlich um das Schwimmen rankt. Arbeitstitel vielleicht….Nautilus.

Denn ich war heute erneut beim Frühschwimmen, und es ist schon eine völlig andere Parallelwelt dort, über die es sich zu schreiben lohnt. Psychologen hätten ihre helle Freude beim Beobachten und Analysieren der verschiedenen Stereotype, die dort ihren Auftritt haben. Ich habe Euch ja bereits von meinen eindrücklichen Begegnungen mit den ersten Arten bekannt gemacht.

Und auch Forscher könnten auf Bahnrechendes stoßen und sich so in der wissenschaftlichen Welt verewigen. Also, wer das hier liest, hat zum Beispiel die Chance, sich die Hauberia duscha xxx…i anrechnen zu lassen. Schönebergeri oder so. Ich habe sie zwar entdeckt, aber da bin ich freigiebig. Sprich mich an, wir verhandeln das. J

Ich hab vor ein paar Tagen einen Bericht gesehen, wonach nämlich genau diese Art der freilebenden gemeinen Duschhaube als ausgestorben galt. Wissenschaftler vermuteten zwar, dass trotz rigider Verbote ein gewisser Schwarzmarkt besteht und einige der seltenen Exemplare heimlich in Privatwohnungen gehalten werden. Aufgrund der Brisanz eines solchen Besitzes ist die entsprechende Szene jedoch außerordentlich verschwiegen, zudem meist schwerhörig, so dass diese Annahme nie verifiziert werden konnte. Weltweit galt es somit als sicher, dass nur noch die im Zuchtprogramm vermehrten Exemplare in den zertifizierten Übernachtungsbetrieben leben. Umso erstaunter war ich heute Morgen, als ich die Tür zur Dusche öffnete und mir eine Haube entgegenstarrte. Sie war bereits etwas ramponiert. Mir stand der Mund offen. Ich weiß, es wäre meine Bürgerpflicht gewesen, die Haube an mich zu nehmen, zu retten und einem beflissenen Fachmann auszuhändigen, aber zum einen sah sie da auf diesem grauen Lockenköpfchen sehr glücklich aus, zum anderen hatte das Lockenköpfchen einen ausgesprochen kampfeslustigen Blick und einen Bizeps, dem man 75 Jahre Frühschwimmen ansah.

Naja. Man kann sie halt nicht alle retten.

Im Bad selbst kam es dann zum Showdown mit zwei neu entdeckten Musterexemplaren, Angehörige von Arten, die beim letzten Mal nicht dort war. Da war zum einen Don Quijote. Eigentlich ist das Bild jetzt nicht ganz logisch, denn der Mann WAR die Windmühle, aber mir gefällt die Bezeichnung. Don Quijote also schwamm in demselben abgetrennten Sektor wie ich. Getarnt hatte er sich mit Schwimmbrille und blauer Sportbadekappe, so dass ich zunächst glaubte, es sei ein Kampfschwimmer. Mit denen kann ich inzwischen umgehen. Wenn sie mir zu dicht aufschwimmen, dreh ich mich um. Sie prallen gegen meinen Busen und ich schreie laut: „Der hat mir in den Busen gebissen!“; danach hab ich meine Ruhe.

Aber leider war das mit DC nicht so einfach. Entweder konnte er noch nie wirklich schwimmen, glaubte es aber, oder er kann es jetzt nicht mehr, in seinen goldenen – nein, silbernen – Jahren. Und weiß es trotzdem nicht. Denn DC bevorzugt das Rückenschwimmen und wirft dabei die Arme nach hinten. Also, ansatzweise in einem so ca. 100 Grad-Winkel vom Körper aus betrachtet. Und zieht dann natürlich durch; ungefähr die halbe Hand hat er dabei über der Wasseroberfläche, was in seiner unmittelbaren Umgebung – also so in fünf bis sechs Metern Umkreis – eine Art Tsunami auslöst. Es hört sich an wie das Auftauchen von Moby Dick. Nachdem er mir im Vorbeischwimmen etliche Male eine Riesenwelle von hinten über den Kopf praktiziert hat, habe ich den Sektor gewechselt und bekam noch mit, dass ein anderer Silberrücken ihm – ebenfalls auf dem Rücken schwimmend – entgegen kam und daher die Welle von vorne übergespült bekam. Er machte empörte Geräusche, ähnlich wie Antje, das Walross. Der Bademeister blies in die Pfeife, aber das hörte DC unter der Kappe wohl nicht. Oder tat so.

Wähnte ich mich nicht in sicheren Gewässern, so sah ich mich bald getäuscht. Denn auf meiner Bahn befand sich ein Kampfschwimmer. Und ich hatte eine neue Unterart entdeckt. Dieser hier hatte einen Spickzettel auf eins dieser Schaumstoffboards geklebt und es am Beckenende aufgestellt. Wie es schien, sein Trainingsplan, auf den er ständig lugte. Also, ICH denke ja, das waren Verschnaufpausen, die er tarnen wollte. Nach fünf Minuten etwa hielt er dort inne und schnallte sich harte Plastikpaddel an die Handflächen. Mit denen kraulte er los. Wie ein Berserker. WIE hart, sollte ich 20 Sekunden später feststellen, als er mir eins der Dinger volle Kanne in die Kniekehle rammte. Ich sah Sterne. Im Untergehen hörte ich noch, wie durch Watte, ein gemurmeltes „Sorry“, dann drosch er weiter auf das Wasser ein, während ich um mein Leben kämpfte. Ich verlor kurzzeitIg das Bewusstsein, könnte aber schwören, dass eine der Badekappen aus Bahn 1, eine von diesen Schaumstoff-ummantelten Nanas, mir hämisch ihr albernes Pseudosurfbrett auf den Kopf schlug.

Der Bademeister streitet das ab. Ich glaube, er lügt. Mein Orthopäde sagt, zu Weihnachten könnte ich schon wieder ohne Krücken gehen. Dann werde ich mit einem riesigen aufgeblasenen Elch direkt ins Becken springen und „Die Wanne ist voll“ singen. Und dann können sie mal sehen, wie sie mich da wieder rauskriegen.

Feuchte Grüße,

Eure Kitty

 

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