Chaos.

Manchmal glaube ich, dass ich vielleicht ein kleines bisschen…. chaotisch bin.

Der Gedanke kam mir heute Morgen – nicht zum ersten Mal -, als ich mich bei meinem Physiotherapeuten wieder angezogen hatte und mir die Haare mit einer Haarklemme zurücksteckte, die ich in meiner Handtasche verstaut hatte. So ein „Hauptsache, es geht schnell und ist praktisch“ – Monsterplastikpropeller, der ebenso wie Croqs in die Kategorie „bei Kauf geistig umnachtet“ fällt.

Beim Rausgehen machte es zunächst laut „plock plock“. Das kam daher, dass sich in meiner Tasche zwei lose Fisherman’s in der Spange verheddert hatten, die nun zur Freude der Patienten im offenen Wartezimmer herausgefallen waren. Während ich sie aufsammelte, machte die Mitarbeiterin am Tresen komische Geräusche. Ich drehte mich zu ihr um, sie konnte vor Lachen nicht sprechen und zeigte hinter mich. Da war nichts, aber irgendetwas fühlte sich komisch an. An der Spange baumelte ein Tampon.

Es ist ja nicht so, dass ich generell etwas unsortiert, lebensunfähig oder unkonzentriert bin. Ich bin zum Beispiel extrem gut bei „Black Box“, kann einwandfrei mit 240 km/h  durch ein Hochgeschwindigkeitsoval fahren (und sogar dabei loslassen 🙂 ) und bei einem Schießwettbewerb im vergangenen Jahr habe ich den ersten Preis gewonnen. Ich war „Chefredakteurin“ unserer Schülerzeitung, bis sie verboten wurde (sie hieß übrigens „Perplex“ – irgendwie hätte mir das vielleicht schon zu denken geben sollen). Meine äußerst engagiert, konzentriert und kreativ dargestellte Meerjungfrau beim „Activity“ ist legendär und der letzte Manager, den ich im Bewerbungsgespräch hatte, gab irgendwann auf und erklärte, ich würde auch wirklich gemeine Fragen stellen. Also, so völlig unstrukturiert bin ich nicht. Es sind halt eher so…… so….. Inselunbegabungen! Ja. So will ich das mal nennen.

Neben Ordnung in meiner ca. 1 m³ großen Handtasche gehören dazu noch einige weitere unwesentliche Lebensbereiche und damit zusammenhängende gedankliche Kapriolen.

So musste mich meine Kollegin mal aus einem Rollup befreien, als wir unseren Messestand aufgebaut haben. Irgendetwas war mir weggerutscht und schwupp, hing ich mit den Haaren in unserem Werbeträger. Das war ganz schön peinlich. Nicht ganz so wie die Sache mit dem Ausleeren der Handtasche neulich bei Gericht https://edelsenf.de/2015/05/tag-7/, aber so richtig toll war das nun auch nicht. Das hängt mit meinen leichten Defiziten im Bereich des räumlichen Vorstellungsvermögens zusammen. Alles, was mehr als ein Teil hat, stellt mich beim Zusammenbau vor unlösbare Probleme. Ich nehme es meinen Eltern heute noch übel, dass ich zu meinem 12. Geburtstag ausgerechnet ein Tangram geschenkt bekommen habe.

Als mein Bruder neulich zu Besuch war, bat ich ihn, zu versuchen, mein verklemmtes Fahrradschloss aufzumachen. Ich hatte schon einige Tage lang unter Zuhilfenahme diverser Werkzeuge sowie Sprühöl daran herumgewürgt, erfolglos, so dass ich dann jeweils stattdessen wutentbrannt zu Fuß gegangen war. Mein Bruder kam mit mir in den Keller, ging zum Rad und hob das Schloss herunter. Es hing nur lose unter dem Sattel statt, wie ich automatisch angenommen hatte, zwischen den Speichen. Ich habe ihm zwar das Versprechen abgenommen, darüber Stillschweigen zu bewahren, aber wenn Tante Emmi Weihnachten den selbstaufgesetzten Brombeerschnaps aus dem Keller holt, kommt das sowieso raus. Kann ich es auch gleich selber beichten.

Nicht ganz so glimpflich lief es ab, als meine Eltern es versäumten, mir zu erklären, dass man beim Bergabfahren mit dem Fahrrad irgendwann bremsen sollte. Offenbar waren sie davon ausgegangen, dass sich einem das doch selbst erschließen müsse. Einem vielleicht. Aber MEIN Gehirn benötigt seine Kapazitäten eben für hochkomplexe andere Vorgänge und kann sich mit derart banalen Dynamikproblemen, die sich auch ganz leicht anders lösen ließen – simple Aufklärung würde in solchen Fällen zum Beispiel reichen – nicht beschäftigen. So ähnlich wie kurz darauf die Sache mit dem Zettel: “Setz bitte um 12 Uhr schon mal die Kartoffeln auf.“ Von Wasser stand da nichts. Und mein Gehirn war vermutlich gerade dabei, die Relativitätstheorie zu widerlegen, also so what. Wäre nicht der Rauchmelder losgegangen und hätte mich abgelenkt, wäre ich heute vermutlich Nobelpreisträgerin. Alles nur wegen Kartoffeln und suboptimal genutzter neuronaler Aktivität.

Von meinen überbordenden Denkprozessen zeugen auch die Notizen, die ich mir manchmal nachts mache, um sie aus dem Kopf zu bekommen. Leider kann ich am nächsten Tag mit meinen Höhenflügen nichts mehr anfangen. Das Satzfragment „Schweinswal brach durch Kolibris“ hat mich, nachdem ich es endlich entziffert hatte, veranlasst, es mit Sprachnotizen zu versuchen. Davon bin ich aber ab, seit ich um 2.30 Uhr im Halbschlaf versehentlich stattdessen meine Oma angerufen habe und „Bobbycar – Hippotherapie – Putin“ zu Protokoll gegeben habe. Sie schüttelt immer noch besorgt das graue Haupt, wenn sie mich sieht.

Wirklich zu denken gibt mir aber folgender Gedankengang, den ich hatte, als ich im Radio davon hörte, dass ab Januar das Briefporto schon wieder teurer werden soll. Ich habe nämlich messerscharf beschlossen, schnell noch Briefmarken auf Vorrat zu kaufen, um die Erhöhung eine Weile zu umgehen.

Manchmal hab ich ein bisschen Angst vor mir. Solltet Ihr mal wesentlich länger als zwei Wochen oder 14 Tage nichts von mir hören, schickt bitte einen Suchtrupp los. Der Bernhardiner sollte den Brombeerschnaps im Fässchen haben.

Liebe Grüße, Eure Kitty

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