Beziehungskrise

Beziehungskrise
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Nach langer Edelsenf-Auszeit – fast 1,5 Jahre, habe ich festgestellt – endlich mal wieder „Zuhause“.

Schuld an der Kreativpause ist natürlich Horst. Und deshalb und bevor ich demnächst von dem einen oder anderen Erlebnis berichte (nach Karneval, oh mein Gott….mein armes, norddeutsches Seelchen wird hier im Rheinland noch bleibenden Schaden erleiden…), muss ich gleich zu Anfang nun allerdings erstmal ein Urlaubsdomizil für Horst finden.

Ihr wisst es – Horst ist mein Schicksal. Lange habe ich mich mit ihm arrangiert, zwischenzeitlich gab es Phasen, da dachte ich ernsthaft, er ist der Richtige, aber akut reicht es mir grad. Horst und ich sprechen inzwischen zu unterschiedliche Sprachen. Zumindest ist es so, dass ich IHN nicht mehr verstehe. Dabei redet er seit zwei Jahren sehr, sehr viel mit mir, um nicht zu sagen, er plappert unentwegt, quatscht mich voll, textet mich zu, lacht mich aus und manchmal brüllt er mich auch an.

Hilft aber nichts. Ich weiß nicht, was er mir sagen will. Sicher ist es so, dass man eine Beziehung nicht so schnell aufgeben sollte, und gerade heute, in dieser schnelllebigen Zeit, möchte ich dazu beitragen, dass Werte wie Verbindlichkeit, Verlässlichkeit, in guten wie in schlechten Zeiten, hochgehalten werden. Auch und vor allem, wenn man sich auseinanderentwickelt. Das ist die hohe Kunst lebenslanger Paarungen.

Aber irgendwann muss man mal die Notbremse ziehen, an sich selber denken und darf sich nicht an allem festklammern. Naja, der, der klammert, ist eigentlich Horst. Ich hab ihm schon ein paar Mal gesagt, es würde mich nicht stören, wenn er sich auch mal woanders umsieht. Aber nein. Klette, sage ich nur.

Dann muss es jetzt halt die harte Tour sein. Ich brauche Urlaub von Horst. Besser, man zieht sich mal zurück, als dass es gleich zum Äußersten kommt. Davor schrecke ich noch etwas zurück. Das kennt Ihr ja vielleicht auch. Die Angst davor, alleine zu bleiben (ich bin ja auch nicht mehr die Allerjüngste, Schicksale sind wählerisch, die Konkurrenz ist groß) – und was wäre man dann, ohne Schicksal, bis zum Ende seines Lebens? Oder der Nächste wird noch schlimmer. Nein. Lieber nicht.

Ich suche daher also eine zuverlässige Pension, in der ich IHN unterbringen kann:

Horst, 47, Schicksal. Intelligent, einfallsreich, agil. Kaum Altersspuren zu erkennen (auffallend weniger als an mir). Wer Horst nimmt, muss erfahrener Halter eines manchmal boshaften, in jedem Fall sarkastischen und kreativen Schicksals mit Flausen im dicken Schädel und weitreichendem Netzwerk sein. Es sei darauf hingewiesen, dass Horst keinerlei Schlafbedürfnis hat und nacht- sowie tagaktiv ist. 24/7. Besondere Haltungsbedingungen sind nicht zu beachten. In den letzten 47 Jahren hat sich gezeigt, dass Horst sich in jeder Umgebung gut entfalten kann.

Feste Nahrung benötigt er nicht. Meiner Meinung nach – aber das ist nicht belegt – ernährt er sich von Gedanken, insbesondere solchen wie: „Oh nee, wenn das mal gut geht“, oder: „Das geht doch bestimmt in die Hose“. Aber auch von: „Diesmal wird es klappen!“ oder „Ich freu mich so!“.

Für den vorübergehenden Besitzer von Vorteil: das Ergebnis von Horsts Stoffwechsel ist vom Grundsatz her jedes Mal dasselbe, somit kalkulierbar. Horst ist nämlich ein Bad Boy. Leider hatte ich für die schon immer ein Faible, aber Einsicht ist der erste Weg zur Besserung, sagen Mütter und Psychologen. Als kleinen Exkurs und zur Ehrenrettung eben jener Spezies der Bösen Buben muss ich allerdings hinzufügen, dass die, die man aufgrund von beispielsweise Seitenscheitel, gehobener Position in konventioneller Branche, Firmenwagen, einer gewissen Spießigkeit oder vermeintlicher Bodenständigkeit nicht als Bad Boy einsortiert, oft die wesentlich Schlimmeren sind.

Horsts gute Seite: er ist sehr unterhaltsam, hat immer eine Überraschung auf Lager, langweilig wird es mit ihm nie. Wer also bislang das Gefühl hatte, auf der Stelle zu treten, nicht so recht in Schwung zu kommen, dem kann ich Horst nur ans Herz legen. Horst ist zunächst für eine Woche abzugeben. Wiederholung oder Verlängerung sind denkbar. Eine vorzeitige Rückgabe vor Ablauf der Frist ist ausgeschlossen.

Noch ein Sicherheitshinweis, damit es nachher nicht heißt, ich hätte Wichtiges verschwiegen: besonders acht zu geben in der Zeit der Betreuung ist auf Hausschlüssel und ähnliches, insbesondere, wenn niemand einen Zweitschlüssel hat. Zuletzt hat Horst am Wochenende meinen Chip für den Dienstparkplatz ganz ganz weit unter meinen Beifahrersitz geworfen, so dass ich eine unruhige Nacht hatte, weil ich ihn nicht fand. Er war nämlich nur geliehen und es hing zudem ein Anhänger mit dem Namen meines Arbeitgebers, fett aufgedruckt, daran. Ganz unauffällig, weiß auf pink.

Hoffnungsvolle Grüße – und bitte, zeigt das hier nicht Horst! – , Eure Kitty

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